Meinung

Solidarität allein reicht nicht

Selbstverständlich freut es mich, wenn nichtjüdische Menschen gemeinsam mit uns öffentliche Zeichen der Solidarität setzen. Es hilft auch etwas dabei, sich selbst in unruhiger werdenden Zeiten wie diesen zu beruhigen, im Sinne von »Noch ist es für uns jüdische Bürger in Deutschland nicht so gefährlich, als dass wir uns nicht mehr sicher fühlen könnten.«

Aus genau diesem Grund bin ich dankbar für all diejenigen Düsseldorfer, die nach dem letzten antisemitisch motivierten Angriff auf einen Jugendlichen mit Kippa mitten im Herzen der Stadt spontan eine Solidaritätsveranstaltung auf die Beine gestellt haben. Dennoch dürfen wir uns nichts vormachen. Allein mit Solidarität werden wir den immer stärker auftretenden und sich in offener Gewalt ausdrückenden Antisemitismus nicht in den Griff bekommen.

Maßnahmen Solidarisch mit uns zeigen sich Menschen, die uns wohlgesonnen sind und ein Zeichen setzen wollen. Den Antisemiten, welcher Prägung auch immer, erreicht man nicht: höchstens, um als Gegendemonstrant die Veranstaltung womöglich noch zu stören. Seien wir ehrlich: Allein mit Antisemitismusbeauftragten auf Landes- und Bundesebene wird der Kampf gegen Judenhass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht zu führen sein.

Diese Posten müssen mit ausreichenden Entscheidungskompetenzen, Personal- und Finanzressourcen ausgestattet werden, sonst bleibt es ein Kampf gegen Windmühlen. Zur bitteren Wahrheit gehört auch: Der Antisemitismus sitzt in der Mitte der Gesellschaft. Den Finger auf die anderen zu richten, fällt leicht, bringt uns jedoch nicht weiter.

Die Politik muss endlich eingestehen, dass die Wurzel des Übels nicht erst vor Kurzem importiert wurde, dass es keine Einzelfälle sind, sondern wir es mit einer verbreiteten Gesinnung zu tun haben. Verharmlosen geht nicht mehr, es geht um die jüdische Zukunft in diesem Land. Daher sind Taten statt Worte gefragt – mit Solidarität als Zuschlag.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

New York

Proteste gegen israelische Immobilienmesse an Jeschiwa

Israelfeindliche Demonstranten fordern eine »Intifada-Revolution« und rufen: »Siedler, geht nach Hause, Palästina gehört uns allein«

 09.01.2026

Alex Stolze

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Nach dem Koalitionsbruch muss die Politik die Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen

von Alex Stolze  09.01.2026

Berlin/Kloster Seeon

Zentralrat der Juden fordert schärferes Strafrecht gegen Hass

Seit dem jüngsten Krieg im Nahen Osten ist Antisemitismus vielerorts explodiert. Zentralratspräsident Schuster sieht den deutschen Rechtsstaat dagegen schlecht aufgestellt

 09.01.2026

Teheran

Iran kappt Internet während landesweiter Proteste gegen das Regime

In zahlreichen Städten, darunter auch in der Hauptstadt, gingen erneut große Menschenmengen auf die Straße

 09.01.2026

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Apia

Samoa plant Botschaftseröffnung in Jerusalem

Premierminister La’auli Leuatea Schmidt folgt dem Nachbarland Fidschi, das im vergangenen Jahr seine Botschaft in der israelischen Hauptstadt eröffnet hatte

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Berlin

Mutmaßlicher Hisbollah-Anhänger kommt vor Gericht

Der inzwischen 30-Jährige soll sich zwischen Dezember 2023 und April 2025 als Mitglied der Terrororganisation betätigt haben

 08.01.2026

Canberra

Nach Terroranschlag: Australien setzt Untersuchungskommission zu Antisemitismus ein

Premierminister Anthony Albanese kündigt eine umfassende Untersuchung der Hintergründe der Tat sowie des zunehmenden Judenhasses im Land an

 08.01.2026