Faktencheck

Selenskyjs Totenkopf-Aufnäher hat keinen Bezug zur Nazi-Zeit

Wolodymyr Selenskyj mit einem Abzeichen der 72. Brigade der ukrainischen Armee Foto: picture alliance / SVEN SIMON/The Presidential Offi

Die russische Regierung rechtfertigt ihren Angriff auf die Ukraine immer wieder auch damit, eine angebliche »Entnazifizierung« im Nachbarland anzustreben. Um diesen Vorwurf zu untermauern, wird Kriegspropaganda über soziale Netzwerke verbreitet.

So wurde etwa behauptet, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll einen SS-Totenkopf als Ärmelaufnäher tragen. Das ist jedoch falsch.

motiv Staatschef Selenskyj trägt unter anderem bei einem Besuch in Charkiw Mitte September eine olivgrüne Jacke mit Totenkopf-Aufnäher auf dem Ärmel. Das Motiv entspricht jedoch nicht dem Symbol der Waffen-SS, wie etwa in sozialen Medien unterstellt wird.

Ein Totenkopf ist das offizielle Symbol der 72. Brigade der ukrainischen Armee.

Ein Totenkopf samt Schriftzug ist das offizielle Symbol der 72. Brigade, einer mit Schützenpanzern ausgerüsteten Einheit der ukrainischen Armee. Es gibt keine Hinweise darauf, dass dieser Schädel eine faschistische Bedeutung hat.

Symbol Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas, bestätigt der Deutschen Presse-Agentur: »Selenskyj trägt definitiv nicht das Symbol der Totenkopfverbände der SS, das ganz anders aussah und an der Mütze befestigt war. Es ist vielmehr das Symbol einer ukrainischen Brigade.«

Totenkopfsymbole habe es im Militär immer schon gegeben. Als Beispiele nennt der Experte das preußische Militär oder ukrainische Einheiten während des russischen Bürgerkriegs. Die Totenkopfverbände der SS hätten diese Art von Zeichen aber berühmt gemacht.

Schädel Auf unzählige Beispiele für die militärische Verwendung von Totenschädeln verweist auch Gerhard Bauer, Leiter des Sachgebiets Uniformen und Feldzeichen am Militärhistorischen Museum Dresden. »Totenschädel sind spätestens seit dem 17. Jahrhundert als militärische Symbole, welche für Todesverachtung und Furchtlosigkeit stehen, gebräuchlich«, sagt er dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Auch das von Selenskyj getragene Symbol sei ein militärisches.

Bei einem optischen Vergleich beider Symbole fällt zudem auf: Der Totenkopf an Selenskyjs Aufnäher ist nach rechts und der SS-Schädel nach links gerichtet. Genauso unterscheiden sich weitere Details wie etwa die Form des Kiefers. dpa

Ehrung

Preis von Union progressiver Juden für Bundesministerin Prien

Sie ist die erste Bundesministerin mit jüdischen Wurzeln. Nun wird Karin Prien für ihre Verdienste für das Judentum in Deutschland geehrt. Sie empfinde die Würdigung vor allem als Auftrag, sagt sie

von Nikolas Ender  18.03.2026

Bundestag

Merz über Iran-Krieg: »Wir hätten abgeraten«

Allen Aufforderungen des US-Präsidenten an die Europäer zum Trotz bleibt Kanzler Merz in Sachen Iran-Krieg hart. Vor dem EU-Gipfel in Brüssel setzt er auf mehr europäisches Selbstbewusstsein

 18.03.2026

Suchmaschine

USA ermöglichen Recherche zu Nazis in der eigenen Familie

War der eigene Opa ein Nazi? Diese Frage kann nun über das US-Nationalarchiv beantwortet werden. Erstmals wurden die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP vollständig ins Netz gestellt

von Sabina Crisan, Marc Fleischmann  18.03.2026

Interview

»Teil der iranischen Militärstrategie«

Die jüdische Gemeinschaft wird von einer weltweiten Serie von Terroranschlägen erschüttert. Der Experte Hans-Jakob Schindler erklärt, was das mit der hybriden Kriegsführung des iranischen Mullah-Regimes zu tun hat

von Ninve Ermagan  18.03.2026

Meinung

Was im Iran-Krieg bisher erreicht wurde

Israelis und Amerikaner können durchaus schon militärische Erfolge gegen den Iran vorweisen. Das Mullah-Regime wird definitiv schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist

von Sima Shine  18.03.2026

Literatur

Als die Donau durch Kakanien floss

Zur Leipziger Buchmesse: Eine (jüdische) Vision für ein Europa der Regionen, Religionen und der Vielfalt

von Awi Blumenfeld  18.03.2026

Judenhass

Erneute Antisemitismus-Skandale bei der Deutschen Welle

Medienberichten zufolge haben zwei arabische Mitarbeiter des deutschen Auslandssenders in den sozialen Netzwerken Hassposts über Israel verbreitet

 18.03.2026

Meinung

Die Hertie School ist eine seltene Ausnahme

An der privaten Hochschule wurde die Studierendenvertretung für eine Pro-BDS-Resolution abgestraft. Das ist ein wichtiges Signal. Doch das Problem des Antisemitismus an deutschen Universitäten reicht viel weiter

von Ron Dekel  18.03.2026

Teheran

Irans Geheimdienst geht gegen Opposition vor

Der iranische Geheimdienst berichtet von Festnahmen. Auch Schusswaffen und Satelliten-Internetgeräte sollen sichergestellt worden sein

 18.03.2026