Justiz

Schoa-Überlebende: Die Nebenkläger im Sachsenhausen-Prozess

Emil Farkas Schoa-Überlebender, Zeuge und Nebenkläger (l.) Foto: picture alliance/dpa

Seit Anfang Oktober steht in Brandenburg an der Havel ein inzwischen 101-jähriger Mann vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft wirft Josef S. vor, als SS-Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen über mehrere Jahre hinweg Beihilfe zum Mord in mehreren tausend Fällen geleistet zu haben. Der Prozess ist eines der letzten Verfahren gegen früheres KZ-Personal.

An dem Strafprozess sind auch zehn Überlebende der NS-Verbrechen als Nebenkläger beteiligt. Die Jüdische Allgemeine stellt sie vor.

Emil Farkas, Jahrgang 1929, und Alex F., Jahrgang 1925, wurden Ende 1944 aus der Slowakei nach Sachsenhausen deportiert. Die jüdischen Jugendlichen mussten dort unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Sie wurden 1945 an unterschiedlichen Orten befreit. Alex F. lebt heute in Bayern. Emil Farkas, der später Leistungssportler der israelischen Nationalmannschaft im Geräteturnen war und in Israel lebt, hat Anfang November im Prozess als Zeuge ausgesagt.

Shimon R, wurde im April 1927 nahe Krakau geboren. Er wurde 1943 zunächst nach Auschwitz und dann nach Sachsenhausen deportiert. Dort wurde er zusammen mit zehn weiteren Kindern im Krankenrevier Opfer von Menschenversuchen mit dem Hepatitis-Erreger. Er habe dort wie die anderen betroffenen Minderjährigen einem strengen Kontaktverbot zu anderen Häftlingen unterlegen und in ständiger Todesangst und Todeserwartung gelebt, betont sein Anwalt. Nach dem im April 1945 in Sachsenhausen begonnenen Todesmarsch aus dem KZ wurde er im Mai 1945 in Lübeck von der britischen Armee befreit. Er lebt in Israel.

Auch Dov L., Shaul O. und Hircz L. wurden auf dem Todesmarsch bei Lübeck befreit. Wie Shimon R. wurden die drei Männer der Jahrgänge 1929 und 1931 in Polen geboren und gehörten zu der Gruppe jüdischer Kinder und Jugendlicher, die ab 1943 in Sachsenhausen Hepatitis-Experimenten ausgesetzt waren. Die vier Nebenkläger aus dieser Häftlingsgruppe leben heute in Israel und Peru.

Der Franzose Marcel S., Jahrgang 1923, wurde 1941 beim Verteilen von Flugblättern gegen die deutsche Besatzung und das Vichy-Regime verhaftet, später nach Sachsenhausen deportiert und musste dort unter anderem im Heinkel-Nebenlager Sklavenarbeit leisten. Das Heinkel-Flugzeugwerk Oranienburg war eines der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Luftfahrtindustrie. Ab 1940 forderte die Betriebsleitung KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit an.1945 wurde S. auf den Todesmarsch geschickt und dann südöstlich von Schwerin befreit. Er lebt in Frankreich.

Jerzy Z. war 1944 als Achtjähriger mit seinem Vater als Mitglied der polnischen Heimatarmee am Warschauer Aufstand beteiligt. Nach der Zerschlagung des Aufstands durch die Nazis wurde er mit seinen Eltern nach Oranienburg gebracht, die schwangere Mutter kam in ein Arbeitslager an einem anderen Ort, Vater und Sohn ins KZ Sachsenhausen. Der Vater wurde nach Neuengamme, dann nach Ravensbrück verlegt und starb kurz nach der Befreiung im Mai 1945. Jerzy Z. wurde Anfang Mai von amerikanischen Truppen befreit und mit seiner Mutter und seiner neugeborenen Schwester vereint. Er lebt heute in Polen.

Auch Bohdan L. wurde 1944 aus dem aufständischen Warschau mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder nach Sachsenhausen deportiert. Mutter und Bruder mussten an einem anderen Ort Zwangsarbeit leisten.

Der spätere Medizinprofessor und Hochschulleiter, Jahrgang 1929, blieb selbst im Hauptlager Sachsenhausen und musste dort Sklavenarbeit verrichten. Anfang Mai 1945 wurde er auf dem Todesmarsch Richtung Schwerin von amerikanischen Truppen befreit.

Arye W., 1930 als Jude in Polen geboren, wurde 1944 aus dem Ghetto Lodz nach Auschwitz, dann weiter nach Sachsenhausen deportiert und dort in das Nebenlager Lieberose verlegt. Im Februar 1945 wurde er nach Mauthausen deportiert und dort Anfang Mai von der US-Armee befreit. Er lebt heute in Israel.

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