Antisemitismus

Schlechte Datenerfassung in Europa

Fordert seit Längerem eine bessere Datenerfassung bei antisemitischen Vorfällen: Michael O’Flaherty Foto: imago images / Le Pictorium

Als »ernstes Problem« hat Michael O’Flaherty den wachsenden Antisemitismus in Europa bezeichnet. Gleichzeitig beklagte der Chef der EU-Grundrechteagentur (FRA), dass es einige EU-Mitgliedsstaaten mit der Erfassung judenfeindlicher Taten immer noch nicht so genau nähmen.

ERFASSUNG »Ohne Daten wissen wir nicht, wie ernst es ist. Der Mangel an Daten hindert uns auch daran, Antisemitismus wirksam zu bekämpfen«, erklärte O’Flaherty am Dienstag anlässlich der Vorstellung des neuen Zahlenwerkes der FRA für das Jahr 2020.

»Die EU-Länder müssen ihre Anstrengungen verstärken, das Monitoring befördern und die Aufzeichnung und Datenerfassung zu verbessern, wie das in der jüngsten EU-Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung des jüdischen Lebens empfohlen wird. So werden wir in der Lage sein, Hass und Vorurteile gegen Juden zu bekämpfen«, fügte er an.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Nur wenige EU-Staaten erfassten antisemitische Vorfälle umfassend, teilte die FRA am Dienstag mit. Ungarn und Portugal erheben überhaupt keine amtlichen Daten, aus Irland liegen für 2020 keine Zahlen vor. Das wahre Ausmaß des Problems werde so nicht richtig sichtbar.

Nur 13 der 27 EU-Länder haben bislang nationale Strategien oder Aktionspläne zur Bekämpfung des Antisemitismus verabschiedet oder umgesetzt. Sechs Länder (Belgien, Tschechische Republik, Frankreich, Griechenland, Ungarn und die Niederlande) haben laut FRA Kooperationen mit Organisationen der Zivilgesellschaft eingerichtet, um Daten zu sammeln.

DATENQUELLEN Aus Deutschland flossen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik sowie der Amadeu-Antonio-Stiftung und des Recherchenetzwerks Antisemitismus (RIAS) in den Jahresbericht ein. 2020 wurden demnach 2351 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet, 319 mehr als im Jahr zuvor. Im Zehnjahresvergleich hatten sich die Zahl der erfassten judenfeindlichen Straftaten sogar verdoppelt.

Positiv vermerkte die in Wien ansässige EU-Grundrechteagentur, dass die IHRA-Arbeitsdefinition zum Antisemitismus zunehmend angewandt werde. Darüber hinaus wurde in dem Bericht auch hervorgehoben, dass in Deutschland eine Reihe staatlicher Behörden und privater Organisation das nicht verbindliche Regelwerk angenommen hätten. mth

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026