Frankreich

Schatten über Straßburg: Israelisches Filmfestival erneut abgesagt

Die Idylle trügt: Die Debatte um den Nahostkonflikt schaukelt sich auch in Straßburg hoch Foto: Michael Thaidigsmann

Bereits im Juni war das Straßburger Filmfestival »Shalom Europa« wegen Sicherheitsbedenken verschoben worden. Nur ein Film (Es gibt keinen Schatten in der Wüste von Yossi Aviram) konnte damals gezeigt werden, beide Vorstellungen waren ausverkauft.

Eigentlich sollte das Festival vom 8. bis 10. September nachgeholt werden. Doch daraus wurde wieder nichts. Zu groß war offenbar der Druck von anti-israelischen Initiativen, die im Vorfeld Stimmung gemacht hatten gegen die seit 16 Jahren in Straßburg stattfindende Schau des israelischen Kinos.

Stéphane Libs, der Geschäftsführer des ausrichtenden Filmtheaters, sagte dem Stadtmagazin »Rue89 Strasbourg«, die Entscheidung für eine erneute Verschiebung sei aufgrund von Drohungen gegen sein Personal getroffen worden. Es habe, so Libs, Druck von pro-palästinensischen Vereinen gegeben, die eine Absage der Veranstaltung gefordert hätten. Man habe in dem»angespannten Umfeld keine weitere Gewalt hinzufügen« wollen.

Auch der Hinweis, dass die vom Festival gezeigten Filme sehr kritisch gegenüber der Politik Israels seien, habe nichts gebracht. »Angesichts des Ausmaßes, das die Aufrufe in den sozialen Netzwerken annehmen, ist es unsere Pflicht, die Mitarbeiter zu schützen. Wir erhalten seit mehreren Tagen Telefonanrufe von Leuten, die drohen, die Mitarbeiter anzugreifen«, sagte Libs.

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Politiker und jüdische Vertreter zeigten sich empört. Der jüdische Dachverband (CRIF) sprach von »intellektuellem Terrorismus« und »totalitären Methoden von Gruppierungen, die sich bemühen, Israel das Existenzrecht, seinen Bürgern und seinen Künstlern das Recht zu verweigern, sich auszudrücken«.

»Schande über die französischen Vereine, die eine Zensurarbeit leisten, die autoritären Regimen würdig ist, und die die Tragödie, die sich im Nahen Osten abspielt, instrumentalisieren, um ihrem Hass freien Lauf zu lassen«, so der elsässische Regionalverband des CRIF.

Der Regionalpräsident Franck Leroy schrieb auf X: »In einer Zeit, in der manche die Stimmen der Frauen in Afghanistan zum Schweigen bringen, in der Filmemacher und Künstler im Iran eingesperrt, gefoltert und ermordet werden, ist es für mich unvorstellbar, dass wir im Jahr 2024 in Frankreich, dem Land der Meinungsfreiheit, in Straßburg, der Hauptstadt der Menschenrechte, den Extremisten nachgeben.«

Die Straßburger Bürgermeisterin Jeanne Barseghian (Grüne) nannte die Drohungen und den Druck auf die Organisatoren des Festivals ebenfalls »inakzeptabel« und versprach, man werde nach Lösungen suchen, damit die israelischen Filme doch noch gezeigt werden könnten. mth

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