Einspruch

Salvini trägt kein schwarzes Hemd

Einspruch

Salvini trägt kein schwarzes Hemd

Daniel Mosseri sieht in Italien keinen Faschismus aufziehen, hält aber die Demokratie für gefährdet

von Daniel Mosseri  14.08.2019 16:27 Uhr

Noch am 5. August hatte das italienische Parlament einem Dekret von Innenminister Matteo Salvini zugestimmt, wie Seenotretter noch härter bestraft werden können. Es war ein Sieg von Salvinis rechter Partei Lega.

Doch schon zwei Tage später zerbrach die Koalition: Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung versuchte erfolglos, Pläne für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zu stoppen, während die Lega mit der Linken das Projekt durchsetzte.

lega Für Salvini ist dies ein Beweis für die Unzuverlässigkeit der Fünf-Sterne-Bewegung. Und er wollte so zeigen, dass er, der Führer der Lega, auch der starke Mann Italiens ist. Salvini will nun vorgezogene Wahlen und dann eine rechte Regierung bilden.

Tatsächlich kann Salvini Italiens nächster Premierminister werden. Aber ein paar Hindernisse liegen noch auf seinem Weg: Eines ist Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, der über Wahl und Wahltermin entscheidet. Und bevor gewählt wird, schaut der, ob es eine Mehrheit für eine andere Koalition geben kann. Und dann ist da noch die EU, die von Italien noch in diesem Jahr ein Haushaltsgesetz fordert.

Der aktuelle Vizepremier, der sich gerne mit nacktem Oberkörper an Badestränden zeigt, muss vielleicht noch bis zum nächsten Sommer warten, bevor er ganz nach oben kommt.

Der aktuelle Vizepremier, der sich gerne mit nacktem Oberkörper an Badestränden zeigt, muss vielleicht noch bis zum nächsten Sommer warten, bevor er ganz nach oben kommt. Und wenn er da ist, begrenzt die italienische Verfassung seine Macht.

demokratie Wenn Salvini Premier wird, sollten wir größere Angst um die Wirtschaft haben als um die Demokratie. Unter einem Innenminister Salvini hat Italien weniger illegale Migranten ausgewiesen als unter dem linksliberalen Premier Matteo Renzi. Bei Salvini zählen nicht Taten, sondern Worte.

Als er jüngst eine Romafrau, die ihn bedroht hatte, »eine schmutzige Zigeunerin« nannte, warnte der Dachverband der jüdischen Gemeinden Italiens, es sei verantwortungslos, auf höchster institutioneller Ebene solche Vorurteile zu verbreiten. Um die Demokratie zu schützen, darf man nicht nur auf Inhalte schauen. Auch die Form ist elementar wichtig.

Der Autor ist italienischer Journalist in Berlin.

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Interview

»Ich bezweifle, dass Claudia Roth es ernst meint mit dem Kampf gegen Antisemitismus«

JSUD-Präsident Ron Dekel geht mit der Grünen-Politikerin hart ins Gericht und wirft ihr vor, antisemitische Narrative salonfähig zu machen

von Michael Thaidigsmann  06.11.2026

Israelfeindliche Politikerin

Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf

Nach Wochen der Diskussion über den Umgang mit der direkt gewählten Abgeordneten, scheint die Parteispitze nun durchgreifen zu wollen

 06.11.2026

Vorwurf der Kampagne

Eklat um Claudia Roth: Nun reagiert der Zentralrat

Die Grünen-Politikerin bereut es, israelfeindliche Regisseure auf der Berlinale kritisiert zu haben und sieht die Schuld dafür beim Zentralrat der Juden

 06.11.2026

Berlin

Gregor Gysi für Rauswurf von Vanessa Emde

»Ich hoffe, dass wir sie ausschließen«, sagt Gysi über die wegen israelfeindlicher Aussagen umstrittene Abgeordnete

 06.11.2026

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

USA

Trump will bald Entscheidung zum Iran-Krieg verkünden

Nach der Wahlniederlage seiner Republikaner beschäftigt sich US-Präsident Trump mit der Frage, ob er den Krieg mit dem Iran wiederaufnehmen soll. Die Bemühungen der Vermittler laufen auf Hochtouren

 06.11.2026

Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Während die Linke weiter um den Umgang mit der Neuköllner Abgeordneten ringt, provozierte diese erneut

 05.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026