Frankfurt/ Main

Roter Teppich für Salomon Korn

Der rote Teppich wird vor dem Ignatz Bubis-Gemeindezentrum in Frankfurt nur selten ausgerollt. Heute Vormittag aber lag er zu Ehren des Mannes bereit, ohne den es das Gemeindezentrum in seiner Form gar nicht geben würde: den Architekten des Gebäudes, Salomon Korn.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt hatte anlässlich des 70. Geburtstags ihres Vorsitzenden zu einem Empfang eingeladen - und die Gästeliste allein offenbarte schon, welches Ansehen der Jubilar genießt. So waren gekommen: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, die hessische Kultusministerin Nicola Beer, Frankfurts Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth, als weitere Vertreter der Stadt unter anderem der amtierende Bürgermeister Olaf Cunitz, SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel, und Werner Müller-Esterl, Präsident der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.

Doch die Liste lässt sich noch lange fortsetzen: Anwesend waren auch Tigerpalast-Chef Jonny Klinke, Stadtdekan Pfarrer Johannes zu Eltz, das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland, mehrere Rabbiner - unter ihnen Gemeinderabbiner Menachem Halevi Klein -, der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Moritz Neumann, Trude Simonsohn, Vorsitzende des Rats der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut und - dem Jubilar zu besonderer Ehre - Ida Bubis, die Frau von Ignatz Bubis sel. A., Mentor und Freund Salomon Korns.

Glückwünsche Sie alle standen Schlange, um einige persönliche Geburtstagswünsche zu überbringen. Öffentlich taten dies dann Dieter Graumann in seiner Funktion als Zentralratschef, aber vor allem als langjähriger Weggefährte und Freund Korns, Volker Bouffier und Frank Schirrmacher, einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Graumann lobte Korn als »herausragende Persönlichkeit von konstanter Brillanz und stabiler Exzellenz«, bezeichnete ihn als »einen der führenden Köpfe unserer Republik und einen kühnen Vordenker«. Lauter Superlative, denen er aber eines der schönsten Komplimente anschloss, das man verteilen kann: »In Salomon Korn habe ich einen Freund gefunden, auf den ich mich immer verlassen kann.«

Diese Freundschaft sei in einer Zeit entstanden, in der sich die »Superstars« im Frankfurter Gemeindevorstand, Ignatz Bubis und Michel Friedman, um »das Judentum gekümmert haben«. Und er tat dies, gemeinsam mit Korn und Leo Latsch, für »die Frankfurter Jüdische Gemeinde«. Die zahlreichen gemeinsamen Termine und die vielen gemeinsam verbrachten Stunden hätten die Basis für eine Freundschaft gebildet, die heute über viele Wogen, auch in der Zentralratsarbeit, hinweg helfe.

Bekenntnis
Bouffier dankte Korn für sein »klares Bekenntnis zur Hoffnung«, dem er bei der Eröffnung des Gemeindezentrums in seinem Satz »Wer ein Haus baut, will bleiben, und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit« Ausdruck verliehen habe. Auf diesen von Korn gewährten Vertrauensvorschuss ging auch Schirrmacher in seiner Laudatio ein. »Im Jahr 1949 zu sehen, dass ein Straffreiheitsgesetz zur Amnestie für Täter der Reichspogromnacht erlassen wurde, muss man aushalten können.«

Um Salomon Korn zu verstehen, so meinte Schirrmacher, müsse man allerdings weder Zitate noch Schriften lesen: »Alles, was zu sagen ist, zeigt dieses Gebäude«. Der Kern seines Denkens sei im Gemeindezentrum verewigt: dass das »schützende Drinnen immer mit dem Draußen« verbunden sei. Oder anders: Dass man sich als Jude in Deutschland sicher fühlen könne, aber trotzdem wachsam bleiben müsse.

Salomon Korn freute sich sichtlich über all die lobenden Worte - und ganz besonders über den Geburtstags-Beat, den sieben Schülerinnen der Klassen 6a und 6b der Lichtigfeld-Schule für ihn darbrachten.

Rückblick
Dass er einmal in solch einem Rahmen Geburtstag feiern würde, sei ihm indes nicht prophezeit gewesen. Bereits im Kindergartenalter setzte es für ihn die ersten Prügel, weil er sich lieber draußen herumtrieb, anstatt sich in die Gruppe zu integrieren. Seine Lehrer motivierten ihn wenig, bestraften ihn dafür intensiv, behaupteten, dass er das Abitur nicht schaffen würde, und rieten ihm später, vom Architekten-Beruf Abstand zu nehmen. Doch Korn setzte sich durch, lernte, wie er es formulierte, »Rückschläge als Ansporn zu nehmen«.

Im Rückblick kann er seine Schulzeit amüsant und amüsiert betrachten - ohnehin zeigte sich Korn in seiner Ansprache ohne Gram, als vielmehr in »tiefer Dankbarkeit für seine Familie, Freunde und Kollegen« und im Bewusstsein ob der »Kostbarkeit verrinnender Zeit«. Im Jüdischen Museum Frankfurt hänge ein Foto, auf dem er als vierjähriger, von Insekten zerbissener Junge auf einem Bordstein des DP-Camps Zeilsheim zu sehen ist; mit dem Wissen, dass er bald mit seinen Eltern in die USA auswandern werde. »Und heute«, so schloss Korn, »steht dieser Vierjährige vor ihnen, unendlich dankbar, dass das Schicksal es so gut mit ihm gemeint hat«.

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