Internet

Rabbiner fordern Konsequenzen für Twitter

Foto: picture alliance / NurPhoto

Scharfe Kritik an der Social-Media-Plattform Twitter hat die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) geübt. Die Organisation forderte die Europäische Kommission auf, den Dienst in Europa zu blockieren. Hintergrund ist die Entscheidung Twitters, den EU-Verhaltenskodex gegen Desinformation zu verlassen.

Der im vergangenen Jahr unterzeichnete Kodex enthält Maßnahmen zur Bekämpfung von Desinformation im Internet. Dem neuen Eigner von Twitter, Elon Musk, wird vorgeworfen, Verschwörungstheoretikern, Rassisten und Antisemiten Raum für ihre Propaganda gegeben zu haben.

Geschäftsmodell »Mit dem Rückzug von Twitter aus dem EU-Verhaltenskodex gegen Desinformation und der fadenscheinigen Begründung, dies vor dem Hintergrund der Wahrung der Meinungsfreiheit zu tun, wird offensichtlich, dass der von Elon Musk übernommene Kurznachrichtendienst lieber auf das einträgliche Geschäftsmodell von Antisemitismus, Israelhass und Rassismus setzt, als diesen Online-Sumpf von Hatern und Hassrede trockenzulegen«, erklärte CER-Generalsekretär Gady Gronich.

»Für die EU-Kommission kann das nur bedeuten, unverzüglich zu handeln und die Dienstleistungen von Twitter innerhalb der EU zu blockieren«, so Gronich. »Hierfür sollte Brüssel das Schwert des Digital Services Act weiter schärfen und Kapazitäten zur Umsetzung entsprechender Maßnahmen ausbauen. Die EU sollte mittels empfindlicher Geldstrafen und blockierter Zugänge auf dem europäischen Markt Netzwerk- und Plattformbetreiber, die Hassrede auf ihren Plattformen zulassen, massiv in die Pflicht nehmen, um klarzumachen, dass Antisemitismus, Hassbotschaften und Extremismus keinen Platz im digitalen Europa und darüber hinaus haben.«

Der neue Kurs bei Twitter wurde auch vom Bundesverband RIAS e.V. kritisiert. Dessen Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Marco Siegmund, erklärte auf Anfrage, die Abkehr von Twitter vom EU-Verhaltenskodex sei ein fatales Signal für Betroffene von Antisemitismus: »Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk beobachten wir eine zunehmende Verunsicherung bei Jüdinnen und Juden, ob sie sich noch offen auf der Plattform bewegen können.« Durch Antisemitismus und digitale Gewalt würden sie womöglich aus dem Netz verdrängt.

Verdoppelung Auch der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, sieht den jüngsten Schritt von Twitter kritisch. Er sagte, die Verbreitung antisemitischer Nachrichten auf Twitter nach der Übernahme durch Elon Musk im Oktober 2022 habe stark zugenommen. »Die Zahl entsprechender Postings hat sich verdoppelt«, so Klein. »Ich erwarte von Twitter, dass Anstrengungen unternommen werden, um diese Tendenz umzukehren.« Die Ankündigung, aus dem EU-Verhaltenskodex auszusteigen, besorge ihn.

Der EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton habe zurecht darauf hingewiesen, dass man wegrennen, sich aber nicht verstecken könne, erklärte Felix Klein. Im Rahmen des EU-Gesetzes über Digitale Dienste werde es vom 25. August 2023 an verpflichtende Vorgaben geben. »Ich bin zuversichtlich, dass die zuständigen Behörden diese Verpflichtungen, die auch für Twitter gelten werden, umsetzen«, sagte der Antisemitismusbeauftragte. »Herrn Musk sollte klar sein, dass er sich an die geltenden Vorschriften halten muss und er nicht über dem Recht steht.«

Klein wurde im Jahr 2018 zum Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung ernannt.

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner vertritt rund 1000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner von Dublin bis Wladiwostok und damit die größten jüdischen Gemeinden Europas. Unter anderem engagiert sich die Organisation für Religionsfreiheit und interreligiösen Dialog mit Muslimen und Christen.

Der Bundesverband RIAS e.V. ist ein bundesweites Meldesystem zur Erfassung antisemitischer Vorfälle. ja

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026