Antisemitismus

Rabbinatsstudent am Berliner Hauptbahnhof beschimpft

Kein Willkommen: Elie D. wurde am Hauptbahnhof beleidigt. Foto: picture alliance / Sipa USA

Ein Rabbinatsstudent ist am Sonntag im Berliner Hauptbahnhof aggressiv angesprochen und beschimpft worden. Elie D. war auf dem Weg nach Leipzig, wo er die Gebete bei der Gedenkveranstaltung zum 9. November leiten sollte – dem Tag, an dem an die antisemitischen Novemberpogrome von 1938 erinnert wird.

Wie D. der Jüdischen Allgemeinen schildert, wurde er in einem Geschäft im Hauptbahnhof von einem Mann über mehrere Minuten aggressiv angestarrt. Irgendwann fragte er ihn, ob alles in Ordnung sei. »Er fragte zurück, ob ich aus Israel sei«, berichtet D. »Als ich verneinte, antwortete er: ›Besser so.‹ Ich habe ihn daraufhin gefragt, woher er denn komme, und er sagte: ›Palästina.‹ Und ich sagte: ›Schön.‹«

Der Verkäufer, der das Gespräch mitbekommen hatte, reagierte nicht. »Dabei wäre es hier so wichtig, ein wenig Zivilcourage zu zeigen«, meint Elie D..

Doch es blieb nicht bei der Unterhaltung. Beim Verlassen des Geschäfts rief der Mann dem angehenden Rabbiner »Free Palestine, du Hurensohn!« hinterher.

Nicht der erste Vorfall

Für Elie D., der als orthodoxer Jude draußen einen schwarzen Hut trägt, ist es nicht der erste antisemitische Vorfall. »Es besteht immer ein Risiko sich im öffentlichen Raum als Jude erkennbar zu geben. Leider nimmt dies zu.«

»Es besteht immer ein Risiko sich im öffentlichen Raum als Jude erkennbar zu geben. Leider nimmt dies zu«

Schon öfter wurde er auf der Straße angepöbelt. Vor zwei Jahren wurde ein Davidstern an seine Haustür geschmiert. »Doch dieses Mal war es besonders aufwühlend, da ich auf dem Weg nach Leipzig war, um die Gebete zum Gedenken an die Novemberpogrome zu sprechen. Mein Urgroßvater ist selbst in dieser Stadt aufgewachsen, ist dann nach Belgien emigriert und hat dort im Versteck die Schoa überlebt.«

Als Jude sichtbar bleiben: Ein innerer Zwiespalt

Elie D. möchte sich als Jude auf keinen Fall verstecken. Aber er müsse auch Verantwortung übernehmen – für seine Sicherheit und die seiner Familie. »Und dieser innere Zwiespalt war nach dem Vorfall besonders stark.«

Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober und dem Krieg im Gazastreifen haben jüdische Organisationen in Deutschland wiederholt vor einem deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle gewarnt. Besonders Menschen, die im öffentlichen Raum als jüdisch erkennbar sind, berichten über zunehmende Anfeindungen und Bedrohungen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) zählte 2024 fast sieben antisemitische Vorfälle pro Tag, eine dramatische Zunahme im Vergleich zum Vorjahr. In der ersten Jahreshälfte 2025 wurden nach Angaben der Polizei bereits 637 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt gemeldet. ja

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