Meinung

Polen: Die jüdische Stimme verschwindet

In den vergangenen Wochen haben Zehntausende Polen gegen das von der nationalkonservativen Sejm-Mehrheit verabschiedete Mediengesetz demonstriert. Nun kann die Regierung das Programm der staatlichen Radio- und Fernsehsender kontrollieren. Die Regierungspartei PIS glaubt nämlich, die Medien würden das Volk zu wenig »im Sinne ideologischer und sozialer Moral erziehen«. So wird es künftig für Minderheiten schwerer, in den Medien öffentlich Stellung zu beziehen.

Den polnischen Juden ist es noch sehr präsent, dass der Minister Pawel Kukiz eine landesweite Demonstration des Komitees zur Verteidigung der Demokratie als von einem »jüdischen Bankier« finanziert bezeichnete. Dazu passt, dass im November 2015 auf dem Marktplatz der Europäischen Kulturhauptstadt Breslau eine »Judenpuppe« bei einer rechtsnationalen Kundgebung verbrannt wurde.

Medien So etwa sind die Rahmenbedingungen. Der Vorstand der jüdischen Organisation »Cukunft« plädiert dennoch für Abwarten. Schließlich seien auch in früheren Jahren die Stimmen von Minderheiten, zu denen die jüdische zählt, in staatlichen Medien nicht sonderlich stark repräsentiert gewesen. Und Auswirkungen auf das jüdische Gemeindewesen seien ohnehin nicht absehbar, denn das sei noch nie von den staatlichen Medien beeinflusst worden.

Polens Oberrabbiner Michael Schudrich hatte schon Anfang 2015, vor der Wahl des konservativen Präsidenten Andrzej Duda, angekündigt, auf Verhandlungen zu setzen, und er beschwor das gute Verhältnis der Gemeinden zur polnischen Regierung. Eine Konfrontation sei nicht ratsam, da man ja nur den Status einer Minderheit besitze, sagte auch die Vorsitzende der Posener Gemeinde, Alicja Kubus. Aus der Breslauer Gemeinde jedoch ist zu hören, das Mediengesetz sei fatal für die Juden. Nun könnten, so ein Mitglied, rechtsradikale Ressentiments gegen Juden eine neue Plattform bekommen.

Unter polnischen Juden herrscht Einigkeit, dass künftig in den staatlichen Medien weniger über die teils problematischen Beziehungen zwischen Polen und Juden berichtet werden wird. In dieser Situation muss es gerade die Aufgabe der nichtstaatlichen Medien sein, hierin bestärkt von der EU, jüdischen Stimmen Raum zu geben und über jüdisches Leben in Polen zu berichten.

Der Autor ist Rabbinatsstudent am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam.

München

Haft für mehrfach vorbestraften Holocaustleugner

Selbst im Gerichtssaal tätigte der Verurteilte weitere strafrechtlich relevante Äußerungen

 24.09.2026

Gespräch

Antisemitismusbeauftragter: Linke muss sich von Antisemiten trennen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner fordert von der Linken einen entschlosseneren Umgang mit Antisemitismus. Im Interview spricht der frühere Linken-Politiker darüber, was die Partei ändern müsse

 24.09.2026

Berlin-Wahl und ihre Folgen

Katherina Reiche: Linke-Regierung in Berlin gefährlich für Standort

Enteignungen und Judenhass seien für den Investitionsstandort Deutschland gefährlich, sagt die Bundeswirtschaftsministerin

 24.09.2026

Berlin

CDU bringt Verfassungsschutz-Prüfung der Linken ins Spiel

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Throm, begründete seinen Vorstoß mit Verbindungen einzelner Linken-Politiker zur organisierten Kriminalität sowie mit Antisemitismus

 24.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  24.09.2026

Berlin

Jüdische Sozialdemokraten gegen Koalition der SPD mit der Linken

»Schon längst werden wir nicht mehr nur von rechts bedroht«, schreibt Renée Röske, die Vorsitzende des Arbeitskreises

 24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

New York

Peseschkian vor der UNO: Iran will »Widerstand« fortsetzen

Der Präsident des Terror-Regimes in Teheran beklagt »Aggression und Ungerechtigkeit«. US-Außenminister Rubio kontert ihm

 24.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026