Einspruch

Polemik vom Bosporus

Das Feuer war kaum gelöscht, da führte die Regierung Erdogan eine weitere Inszenierung in ihrem Theater der Nicht-Diplomatie auf. Es sei doch seltsam, tönte es aus Ankara, dass in Deutschland immer nur türkische Mietshäuser in Flammen aufgingen und dass deutsche Ermittler sofort jeden rechtsextremen Hintergrund ausschlössen. Der Anlass: Zwei Menschen sind bei einem verheerenden Brand in Köln am vergangenen Wochenende ums Leben gekommen.

Doch weder war das von zahlreichen Ausländern bewohnte Haus ein »türkisches« noch hatten die Ermittler irgendetwas oder irgendjemanden als Ursache des Feuers ausgeschlossen. Dennoch ist der Verdacht nun in der Welt, und mit ihm die Botschaft, dass diese türkische Regierung alle Türken schützt, selbst im Ausland. Nur darum geht’s, ohne Rücksicht auf Verluste.

Mavi Marmara So macht diese Türkei Politik, auch im Nahen Osten. Die rhetorischen Manöver und die Lügen rund um die türkischen Opfer auf der Mavi Marmara vor drei Jahren könnten einem Lehrbuch für Desinformation entnommen sein. Insofern war es nachvollziehbar, dass Israel nicht sofort einknickte und lieber die Beziehungen zur Türkei aufs Spiel setzte, als sich durch öffentliche Reue schuldig zu bekennen. Man darf sich von Erdogan nicht alles gefallen lassen.

Zugleich gilt aber: Eine Eiszeit mit Ankara hilft niemandem. Israels Präsident Schimon Peres hat recht, wenn er sagt, es gebe 1000 Gründe für gute Beziehungen zur Türkei. Insofern war Netanjahus Anruf bei Erdogan überfällig.

Erdogans Regierung bleibt ein schwieriger Partner, denn die Art, wie sie kommuniziert, wird sich nicht mehr ändern. Als Realpolitiker versteht Erdogan jedoch, wie lukrativ israelische Touristen für die türkischen Urlaubsorte sind und wie interessant es ist, mit Israels Streitkräften zu kooperieren. Bollerige Rechthaberei Marke Lieberman war daher keine kluge Strategie. Netanjahus Entschuldigung ist der richtige Schritt, strategisch und rhetorisch.

Der Autor ist Chef vom Dienst beim »Kölner Stadt-Anzeiger«.

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

USA

Trump will bald Entscheidung zum Iran-Krieg verkünden

Nach der Wahlniederlage seiner Republikaner beschäftigt sich US-Präsident Trump mit der Frage, ob er den Krieg mit dem Iran wiederaufnehmen soll. Die Bemühungen der Vermittler laufen auf Hochtouren

 06.11.2026

Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Während die Linke weiter um den Umgang mit der Neuköllner Abgeordneten ringt, provozierte diese erneut

 05.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Frankfurt am Main

Trotz Warnungen der jüdischen Gemeinde: Comedian tritt in Frankfurt auf

Trotz Forderungen aus der Stadtgesellschaft, den Auftritt abzusagen, bespielt der neurechte Satiriker Nikolai Binner am Freitag einen Saal in einer städtischen Liegenschaft

 05.11.2026

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026