Einspruch

Pilgerfahrt nach Jerusalem

Es wäre leicht übertrieben, zu sagen, ganz Israel fiebere dem Papstbesuch am Wochenende entgegen. Nein, der Besuch des Pontifex Maximus im Heiligen Land bekommt vernünftigerweise die öffentliche Wahrnehmung, die er verdient: Weltbewegend ist das Ganze erst einmal nicht.

Doch wer genau hinschaut, erkennt Brisantes in der Reise. Denn natürlich ist es immer wichtig, wenn das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft von rund 1,2 Milliarden Gläubigen zu Besuch kommt. Franziskus bereist Israel in einer Zeit, in der immer mehr Moscheen und Kirchen mit rassistischen Sprüchen beschmiert werden. An katholischen Einrichtungen in Jerusalem sind Graffiti wie »Tod den Arabern und Christen und jenen, die Israel hassen« zu lesen.

spinnerei
Das kann man getrost als peinliche Spinnerei abtun. Aber es zeigt, dass hinter der friedlich-höflichen Fassade eines offiziellen Besuchs auch in Jerusalem genug diplomatischer und politischer Sprengstoff lagert, um die »Pilgerfahrt seiner Heiligkeit«, so der Vatikan-Titel, zu einer am Ende dann doch explosiven Angelegenheit zu machen – sobald etwas schiefläuft.

Nun ist die Reise des Papstes vor allem innerkirchlich und religiös intendiert. Ökumenische und interreligiöse Aspekte stehen im Vordergrund. Dazu gehören die Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, mit dem Großmufti von Jerusalem und mit den beiden Oberrabbinern von Israel. Aber wenn der Papst mit Flüchtlingen zusammentrifft, mit palästinensischen Spitzenpolitikern spricht und auch mit Israels Premier Benjamin Netanjahu redet, dann wird die israelische Öffentlichkeit sehr genau vermerken, was der Gast sagt – und was nicht.

Franziskus wird begleitet von einem alten Freund, einem Rabbiner. Man sollte dies als eine Geste der Sympathie für das Judentum sehen. Israel darf einen Freund erwarten. Aber sehr genau aufpassen, was von ihm zu hören ist, sollte man trotzdem.

Der Autor ist Redakteur für Religion und Gesellschaft bei Deutschlandradio Kultur.

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