Rechtsradikalismus

Pia Lamberty: AfD ist rechtsextreme Partei mit menschenfeindlichen Ideen

Pia Lamberty Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Die Rechtsextremismus-Forscherin Pia Lamberty hat davor gewarnt, die AfD als normale Partei innerhalb des demokratischen Systems einzuordnen. »Selbst wenn sie zurzeit noch zur Wahl steht, bedeutet das nicht, dass sie nicht eine rechtsextreme Partei ist, die menschenfeindliche Ideen hat«, sagte Lamberty.

Häufig höre man das Narrativ, die AfD sei nicht undemokratisch, weil sie demokratisch gewählt sei. Bei der Bundestagswahl am Sonntag hatte knapp jeder fünfte Wähler der in Teilen als gesichert rechtsextrem geltenden Partei seine Stimme gegeben.

Bei der Frage, warum die AfD so stark abgeschnitten hat, müssten zwei Faktoren betrachtet werden: Zum einen müsse die Radikalisierung in der gesamten Gesellschaft seit der Corona-Pandemie in den Blick genommen werden, sagte die Mitgründerin des gemeinnützigen Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) in Berlin. Die AfD habe es über dieses Thema geschafft, ihre Reichweite auszubauen und das Vertrauen in die Demokratie vor Ort zu untergraben. Sie habe sich beispielsweise vielerorts als »Kümmerin« für die Bürger inszeniert.

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Familiäre Sozialisation

Zum anderen sehe man gerade bei Jugendlichen wieder eine stärkere Radikalisierung. Hier sei die familiäre Sozialisation prägend. Die Kinder der sogenannten »Baseballschläger-Generation« aus den 90er Jahren seien mit extrem rechten Ideen und rassistischen Vorstellungen aufgewachsen.

Lamberty warnte davor, sich auf der Vorstellung auszuruhen, dass die AfD ihr Wählerpotenzial bald ausgeschöpft habe. »Es gibt verschiedene Effekte, die dazu führen können, dass der Erfolg der AfD größer werden könnte«, sagte sie. Das gesellschaftliche Tabu, rechtsextreme Parteien zu wählen, wie man es noch bei der NPD gesehen habe, sei einfach weggefallen. Wo die AfD große Wahlerfolge feiere, würden sich Menschen öffentlich dazu bekennen, die Partei zu unterstützen.

Zum anderen wirke die globale Normalisierung von faschistischen oder rechtsextremen Ideen natürlich auch auf Deutschland zurück. »Wir sehen gerade, dass die Welt autoritärer wird, und das ist erstmal belastend. Aber wir müssen lernen, in dieser Welt zu navigieren«, sagte Lamberty. Wenn alle engagierten Menschen, die es noch gibt, wegbrechen, gäbe es ein noch größeres Problem. epd

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