Einspruch

Pessimisten, atmet auf!

Seit Monaten geht die Angst vor einer Dritten Intifada um. So auch jetzt wieder. Weil am Wochenende zwei israelische Soldaten von Palästinensern getötet wurden, steigt die Sorge vor einer neuen Gewaltwelle. Der Mord an Tomer Hazan und der tödliche Schuss auf Gal Kobi seien Anzeichen dafür, befürchten Pessimisten.

Doch die Angst ist unbegründet. Erstens handelt es sich bei den beiden Anschlägen um punktuelle, spontane Ereignisse, hinter denen keine Terrorgruppe steht. Anders als bei der Zweiten Intifada, die vor 13 Jahren von PLO-Chef Jassir Arafat unterstützt wurde, ist, zweitens, die aktuelle Palästinenserführung nicht an einer Neuauflage des Aufstandes interessiert. Ihre Priorität liegt derzeit bei den Verhandlungen, die zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts beitragen sollen.

autonomieregierung Drittens ist die radikal-islamische Hamas im Westjordanland stark unter Druck. Ein großer Teil ihrer Führung ist untergetaucht, um Verhaftungen durch die palästinensische Autonomieregierung zu entgehen. Auch führt die israelische Armee regelmäßig Razzien durch, stets auf der Suche nach Islamisten.

Viertens ist im Westjordanland keine angespannte Stimmung auszumachen, die eine neue Gewaltwelle begünstigen würde. Obwohl seit Anfang August bei Auseinandersetzungen mit der Zahal sechs Palästinenser das Leben lassen mussten, wurde nur verhalten nach Rache gerufen. Fünftens zeichnet sich bei den israelisch-palästinensischen Gesprächen keine Krise ab, die im Westjordanland einen flächendeckenden Wutausbruch auslösen könnte.

Pessimisten, die vor einer neuen Intifada warnen, mögen allerdings in einem Punkt Recht haben. Die oben aufgeführten Argumente sind Momentaufnahmen. Sie können nicht in die Zukunft fortgeschrieben werden. Sind die Anschläge bloß punktuell, ist es umso wichtiger, dass die Politik besonnen reagiert, so tragisch das Resultat des Terrors auch sein mag.

Der Autor ist Israel-Korrespondent der Schweizer »Weltwoche«.

Berlin

Elif Eralp möchte Benjamin Netanjahu verhaften lassen

Die Linken-Spitzenkandidatin in Berlin bezichtigt Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu schwerer Verbrechen

 04.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland eine härtere Gangart einschlagen, fordert der grüne Europapolitiker Sergey Lagodinsky

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026

Jerusalem

»... dann werden wir Iran in die Steinzeit zurückversetzen«

Für den Fall eines erneuten Angriffs auf Israel droht Verteidigungsminister Israel Katz dem Mullah-Regime mit massiven Vergeltungsschlägen

 04.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Stuttgart

Wie Fans Attentäter feiern - und welche Gefahren das birgt

Attentätern wird oft in sozialen Netzwerken gehuldigt. Eine Studie der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württember zeigt, wie leicht gerade Minderjährige an solche Inhalte kommen

von Marco Krefting  04.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW-Spitzenkandidatin bereit zu Kooperation mit AfD

Politik müsse sich an Inhalten orientieren, sagte Claudia Wittig im ARD-Morgenmagazin

 04.09.2026

Interview

Historikerin: AfD will Erinnerung an NS-Zeit und Holocaust ausradieren

Die Holocaust-Forscherin Andrea Löw über jüdisches Leben in der NS-Zeit, die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt und Parallelen zwischen NSDAP und AfD

 04.09.2026

Erfurt

Regierungskrise in Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt

Der Streit im BSW spitzt sich zu: Weitere Abgeordnete verlassen die regierungstragende Fraktion im Landtag und die Partei

 04.09.2026 Aktualisiert

Brüssel

Europäische Rabbinerkonferenz legt Sieben-Punkte-Plan gegen Hass vor

Die Organisation fordert in einem neuen Papier ein konsequenteres Vorgehen von Staat und Gesellschaft gegen Antisemitismus

 04.09.2026