Berlin

Persönlich glaubwürdig

Das Jüdische Museum Berlin zeichnete am vergangenen Samstag Siemens-Chef Joe Kaeser und Altbundespräsident Joachim Gauck mit dem »Preis für Verständigung und Toleranz« aus. Kaeser wurde für »sein Engagement zur Förderung von Toleranz, Respekt und Vielfalt bei Siemens« geehrt, wie es in der Begründung der Jury hieß.

Persönlich setze er sich für gemeinnützige Projekte mit Jugendlichen ein und mache sich für die soziale Integration in strukturschwachen Regionen stark. Die Siemens AG ist Mitglied im Freundeskreis des Museums und fördert seit 2012 im Rahmen der Akademieprogramme das Jüdisch-Islamische Forum.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sei ein Beispiel und Vorbild dafür, dass eine gemeinsame Zukunft durch jeden Einzelnen gestaltet werden müsse. Sein öffentliches Wirken als Bundespräsident habe die Menschen in Deutschland dazu ermutigt, Verantwortung für ein friedliches und weltoffenes Europa zu übernehmen.

Laudatio Er sei »seit Langem ein Gast und Förderer unseres Hauses«, sagte Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums, in seiner Eröffnungsrede im Glashof des Museums. Die Laudatio auf Kaeser hielt Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), die Laudatio auf Gauck der australisch-britische Historiker Sir Christopher Clark.

»Joe Kaeser hat sich als Unternehmenschef dafür eingesetzt, dass sich Siemens zu seiner historischen Rolle während des Holocaust bekennt und dieses dunkle Kapitel der Firmengeschichte aufarbeitet«, sagte Gabriel.

Generation Siemens hatte während des Zweiten Weltkriegs in seinen Werken Zwangsarbeiter beschäftigt. 1998 gründete der Konzern den »Humanitären Hilfsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter« und bat die Betroffenen um Verzeihung. Gabriel sagte weiter, dass Kaeser die tiefe Überzeugung teile, dass seiner Generation wie auch den nachfolgenden Generationen eine besondere Verantwortung dafür zukomme, aus dem Bewusstsein für die Geschichte heraus die Zukunft zu gestalten.

»Wenn wir wollen, dass Rechte und Würde des Menschen überall auf der Welt anerkannt werden, dann müssen wir Vorbild für Verständigung und Toleranz sein«, sagte Kaeaser in seiner Dankesrede.

Joachim Gauck gehöre als Bundespräsident zu den bedeutsamsten Inhabern seines Amtes seit Gründung der Bundesrepublik, sagte Sir Christopher Clark in seiner Laudatio. Das habe vor allem mit seiner persönlichen Glaubwürdigkeit zu tun. »Gauck ist ein Staatsmann, der immer klare Kante gezeigt hat gegen Extremismus, totalitäre Ideologien und Antisemitismus«, so Clark.

Gesellschaft Gauck, dessen Amtszeit im März endete, sagte, dass er den Toleranzpreis des Jüdischen Museums mit großem Respekt entgegennehme. »Toleranz kann manchmal eine Zumutung sein«, sagte der Altbundespräsident. Dennoch sei sie grundlegend für das Zusammenleben in der Gesellschaft. »Ein friedliches Miteinander setzt voraus, dass wir Differenzen aushalten und nicht mit Gewalt austragen«, so Gauck.

Mit dem undotierten Preis für Verständigung und Toleranz werden seit 2002 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik geehrt, die sich auf herausragende Weise im Sinne der Auszeichnung verdient gemacht haben.

Bisherige Preisträger sind unter anderem der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der Kunstsammler und -mäzen Heinz Berggruen sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026