Meinung

Olympischer Geist made in Iran

Weniger kreative Betrachter denken bei Londons Olympia-Logo für 2012 an Ausschussware der Lego-Werke, an Kartoffelstempel oder an den Bauplan eines Libeskind-Museums. Doch der Ehrenpreis für die gewagteste Interpretation geht nicht an intelligente Spötter, sondern an die Macht, die weder Humor noch Zweifel kennt: den Iran. In Wirklichkeit, so haben die Weisen von Teheran jetzt herausgefunden, stehen die von den Grafikern dick und eckig gestalteten Jahreszahlen Zwei, Null, Eins und Zwei für das Wort »Zion«!

Logik Das mag man dumm oder durchgeknallt finden. Aber es hat doch einen ganz besonderen Sinn. Wer sich, wie die Mullahs in Teheran, Händchen haltende Teenager nur als Marionetten eines halluzinierten Ostküstenkapitals erklären kann oder bei schlechtem Wetter stets an die Machenschaften des »zionistischen Gebildes« denkt und hinter jeder umgefallenen Teheraner Mülltonne einen Mossadagenten vermutet, der hat auch bei diesem Logo die Logik auf seiner Seite. Also kann die »Islamische Republik« gar nicht anders, als an einen Boykott der Olympischen Spiele denken.

»Sie müssen damit rechnen, dass einige Länder den Spielen fernbleiben werden, insbesondere Iran«, heißt es in einem Schreiben an das Londoner Organisationskomitee. Sonst ist der iranische Sport im internationalen Vergleich nicht allzu erfolgreich. Also wollen die Funktionäre wenigstens im inneriranischen Wettbewerb nicht als schmähliche Verlierer dastehen. Der lautet: Wer wird am meisten von Israel unterdrückt? Dabei sein ist auch den Mullahs alles. Nur nicht bei Olympia.

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