Meinung

Olympischer Geist made in Iran

Weniger kreative Betrachter denken bei Londons Olympia-Logo für 2012 an Ausschussware der Lego-Werke, an Kartoffelstempel oder an den Bauplan eines Libeskind-Museums. Doch der Ehrenpreis für die gewagteste Interpretation geht nicht an intelligente Spötter, sondern an die Macht, die weder Humor noch Zweifel kennt: den Iran. In Wirklichkeit, so haben die Weisen von Teheran jetzt herausgefunden, stehen die von den Grafikern dick und eckig gestalteten Jahreszahlen Zwei, Null, Eins und Zwei für das Wort »Zion«!

Logik Das mag man dumm oder durchgeknallt finden. Aber es hat doch einen ganz besonderen Sinn. Wer sich, wie die Mullahs in Teheran, Händchen haltende Teenager nur als Marionetten eines halluzinierten Ostküstenkapitals erklären kann oder bei schlechtem Wetter stets an die Machenschaften des »zionistischen Gebildes« denkt und hinter jeder umgefallenen Teheraner Mülltonne einen Mossadagenten vermutet, der hat auch bei diesem Logo die Logik auf seiner Seite. Also kann die »Islamische Republik« gar nicht anders, als an einen Boykott der Olympischen Spiele denken.

»Sie müssen damit rechnen, dass einige Länder den Spielen fernbleiben werden, insbesondere Iran«, heißt es in einem Schreiben an das Londoner Organisationskomitee. Sonst ist der iranische Sport im internationalen Vergleich nicht allzu erfolgreich. Also wollen die Funktionäre wenigstens im inneriranischen Wettbewerb nicht als schmähliche Verlierer dastehen. Der lautet: Wer wird am meisten von Israel unterdrückt? Dabei sein ist auch den Mullahs alles. Nur nicht bei Olympia.

Entscheidung

Bundesverfassungsgericht stoppt Reiche-Video über Kritik an Linken

Die Linke hat mit einer Klage gegen die Bundeswirtschaftsministerin zumindest vorläufig Erfolg gehabt: Katherina Reiche muss bis zu einer endgültigen Entscheidung einen Instagram-Post löschen, in dem sie der Partei Antisemitismus vorwirft

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026