FAHNDUNG

»Nur der politische Wille fehlt«

Efraim Zuroff Foto: Flash 90

Das Simon Wiesenthal Center hat am Jom Haschoa in Jerusalem drei neue Namen auf seine Liste der meistgesuchten Naziverbrecher gesetzt. Es handelt sich um den Ungarn Laszlo Csatary, der als Polizeichef von Kosice an der Deportation von 15.700 Juden nach Auschwitz beteiligt gewesen sein soll.

Wladimir Katriuk soll als Zugführer der ukrainischen Sicherheitspolizei an der Ermordung zahlreicher Zivilisten in Weißrussland mitgewirkt haben. Und Helmut Oberlander, ein sogenannter Volksdeutscher aus der Ukraine, soll als Mitglied eines Einsatzkommandos Juden in der südlichen Ukraine zur Exekution verschleppt haben.

Hindernis Efraim Zuroff vom Wiesenthal Center hat bei der Vorstellung der neuen Liste auch eine vorläufige Bilanz der NS-Verfolgung gezogen. »Während allgemein immer angenommen wird, dass es das Alter der Verdächtigten ist, das das größte Hindernis für die Strafverfolgung darstellt, so hat sich in vielen Fällen gezeigt, dass es ein Mangel an politischem Willen ist.«

Als größten Erfolg seiner Arbeit im vergangenen Jahr bezeichnet Zuroff die Verurteilung John Demjanjuks durch ein Münchner Gericht. Wegen der Beihilfe zum Mord an Tausenden Juden im KZ Sobibor war der frühere ukrainische Hilfspolizist im Mai 2011 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Im März 2012 war Demjanjuk in einem deutschen Pflegeheim gestorben.

Als größte Enttäuschung bezeichnete Zuroff den Freispruch des ungarischen Offiziers und Juristen Sándor Képíró. Ihm hatten das Wiesenthal Center und die ungarische Staatsanwaltschaft Anstiftung zum Mord an mehr als 1.000 Menschen in der serbischen Stadt Novi Sad vorgeworfen. Im Juli 2011 sprach ihn ein Gericht in Budapest frei, im September starb Képíró.

Schuld Die Fälle Demjanjuk und Képíró zeigen laut Zuroff, dass Europa in der Frage der Verfolgung von NS-Straftaten »weiterhin geteilt« sei. In einem Essay für die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt Zuroff, während in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern mittlerweile ein politisches Interesse an der Aufarbeitung der NS-Zeit dominiere, wirke in Osteuropa ein Erbe nach: »Offensichtlich hat die kommunistische Herrschaft in Ländern wie Ungarn die Notwendigkeit verhindert, sich selbst zu erforschen und so zu einer Anerkennung von Schuld und Mitschuld zu gelangen.«

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert