Meinung

NPD, FDP und falsche Liberalität

Guido Westerwelle hat bereits mehrfach vor den Risiken eines neuen NPD-Verbotsverfahrens gewarnt. Ein zweites Scheitern eines solchen Antrags vor dem Bundesverfassungsgericht würde auch im Ausland manchen Erklärungsbedarf auslösen, sagte der Bundesaußenminister unlängst. Am Montag aber hat sich seine Partei nun gegen einen eigenen NPD-Verbotsantrag der Bundesregierung gestellt. Dummheit könne man nicht verbieten, beschied FDP-Chef Philipp Rösler. Erklärungsbedarf? Den haben Westerwelle, Rösler & Co. jetzt im Ausland wie im Inland.

Wie wollen die Liberalen ihre Position der Innenministerkonferenz, der Ministerpräsidentenkonferenz und dem Bundesrat vermitteln, die sich einmütig und parteiübergreifend für ein NPD-Verbotsverfahren ausgesprochen hatten? Wie will die FDP ihre Entscheidung denen erklären, die zu Recht meinen, dass eine zutiefst menschenverachtende und rassistische Haltung mehr als bloße »Dummheit« ist?

blockadehaltung Und wie wollen sie ihre Blockadehaltung erklären, die es ermöglicht, dass der Staat die NPD weiterhin unterstützt? Vertreter dieser Partei leugnen die Schoa, schwadronieren über »Judenschweine«, den »jüdischen Schurkenstaat« und die »blühende Holocaust-Industrie«. Wie will man erklären, dass die NPD in den vergangenen fünf Jahren etwa 6,7 Millionen Euro Steuergelder für die Verbreitung ihres Hasses erhielt?

Schon im Jahr 2000 – Westerwelle war noch Generalsekretär der Liberalen – begründete er die Ablehnung mit den fraglichen Erfolgsaussichten eines solchen Antrags. Bei allem Hin und Her der anderen Parteien, und nach der Entscheidung des Bundeskabinetts vom Mittwoch, nun doch keinen eigenen Verbotsantrag zu stellen, kann man ihm und der FDP in dieser Frage einen klaren Kurs bescheinigen. Schon damals wies er darauf hin, dass selbst ein positiver Ausgang des Verbotsverfahrens das eigentliche Problem nicht lösen würde.

Damit hatte und hat er recht. Selbstverständlich müssen Rechtsextremisten auch und vor allem mit politischen Mitteln bekämpft werden. Aber wenn jetzt signalisiert wird, dass Demokraten sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der NPD nicht einig sind, löst das wirklich Erklärungsbedarf aus. Die Entscheidung der Liberalen, der NPD die Verfassungswidrigkeit nicht nachweisen zu wollen, ist das falsche Signal. Nach innen und nach außen.

Evian

Trump: Iran verzichtet dauerhaft auf Atomwaffen – Streit um mögliche Finanzhilfen

Der amerikanische Präsident weist Berichte zurück, wonach die Vereinigten Staaten dem Iran 300 Milliarden Dollar (259 Milliarden Euro) zahlen würden

 16.06.2026

Karlsruhe

Bekennervideo aufgetaucht : Hamas plante konkreten Anschlag in Europa

Seit Herbst letzten Jahres hatte die Bundesanwaltschaft insgesamt neun Anhänger der Hamas festnehmen lassen

 16.06.2026

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  15.06.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Berlin

Streit um die Landesansprechperson für Antisemitismus

Recherchen des »Tagesspiegel« zufolge geht es bei der Suche nach einem Antisemitismusbeauftragten für die Berliner Hochschulen längst nicht mehr nur um die Belange der jüdischen Studierenden, sondern auch um Politik

 15.06.2026

Diplomatie

Macron will schnell Minen in Straße von Hormus räumen

Noch ist die Tinte nicht auf dem Abkommen zwischen den USA und Iran, doch Frankreichs Präsident signalisiert seine Bereitschaft »sehr schnell zu handeln«

 15.06.2026

Wirtschaft

Iran will Gebühren für Straße von Hormus verlangen

US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus für geöffnet erklärt. Aber Details eines US-Iran-Rahmenabkommens sind noch unklar. Im Iran fordern Stimmen Gebühren für die Durchfahrt der Meerenge

 15.06.2026