Hamburg

Noch kein Urteil im Prozess zu Islamischem Zentrum

Vor dem Verwaltungsgericht läuft der Prozess gegen den Hamburger Verfassungsschutz. Foto: picture alliance/dpa

Begleitet von Protest ist am Mittwoch der Prozess zwischen dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) und dem Hamburger Verfassungsschutz fortgesetzt worden. In der gut siebenstündigen Sitzung zeigten sich beide Seiten unversöhnlich.

»Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass das IZH ein verlängerter Arm des iranischen Regimes ist und dessen Positionen teilt«, erklärte ein Mitarbeiter des Landesamts für Verfassungsschutz in der Verhandlung vor dem Hamburger Verwaltungsgericht. Der Verein wolle die Idee der iranischen Revolution nach Europa exportieren.

IZH-Anwalt Sven Krüger warf der Behörde vor, keine Beweise für ihre Behauptung vorzulegen. Das IZH verteidige nicht die Gesellschaftsform im Iran und sei auch nicht mit dem Iran gleichzusetzen.

Schriftliche Fortsetzung Der Prozess kam auch am zweiten Verhandlungstag nicht zum Abschluss und soll schriftlich weitergeführt werden. Ein Urteil könnte frühestens in drei Wochen fallen.

In dem Verfahren wehren sich das IZH und die ihm verbundene Islamischen Akademie Hamburg gegen eine Einstufung des IZH als islamistische Gruppierung in den Verfassungsschutzberichten für 2018 und 2019. Zudem wollen sie acht Einzelaussagen, in denen es auch um die Nähe des Zentrums zum Iran geht, verbieten lassen. Prozessauftakt war Ende April.

Der Verfassungsschutz präsentierte in der Verhandlung eine Erklärung des Bundesnachrichtendienstes, die die Nähe von IZH-Leiter Mohammad Mofatteh zum iranischen Regime beweisen soll. Demnach liegen »glaubhafte nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor«, nach denen Mofatteh Anfang der 90er-Jahre in der Revolutionsgarde gedient und dies in seinem Lebenslauf vertuscht habe.

IZH-Anwalt Krüger bemängelte fehlende Quellenangaben und erklärte, Mofatteh habe mit der Revolutionsgarde nichts zu tun. Er habe im betreffenden Zeitraum einen Wehrersatzdienst im Bergbauministerium geleistet.

Mögliche Erledigung Zeitweise sah es so aus, als ob sich beide Seiten in einigen Punkten einigen könnten: Die Behördenvertreter erklärten, dass der Verfassungsschutzbericht 2018 nicht mehr im Internet zugänglich sei und von der Behörde, egal in welcher Form, nicht mehr verbreitet werde. Daraufhin zeigte sich Krüger zunächst bereit, Teile der Klagen für erledigt zu erklären.

Als sich der Verfassungsschutz jedoch weigerte, eine offizielle Unterlassungserklärung abzugeben, zog Krüger diese Bereitschaft zurück. Nun muss das Gericht über eine mögliche Erledigung entscheiden.

Der Verfassungsschutz legte während der Verhandlung überraschend neue Schriftsätze mit möglichen Beweisen vor, darunter Grundbuchauszüge, die bundesweit Immobilienbesitz des IZH nachweisen sollen. Krüger sagte, er müsse diese Schriftsätze prüfen.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten am Vormittag knapp 30 Menschen für eine Schließung der vom IZH getragenen Blauen Moschee und skandierten »Mullahs raus«. Zwei Aktivisten beschimpften den IZH-Anwalt auf dem Gerichtsflur laut als Terroristen.

Blaue Moschee Das IZH war 1953 von iranischen Kaufleuten gegründet worden. Die kurz darauf errichtete Blaue Moschee ist heute Anlaufpunkt schiitischer Muslime verschiedener Nationalitäten. Der Verein wird seit mehr als 30 Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet und als Außenposten des iranischen Mullah-Regimes in Europa gesehen, was vom IZH zurückgewiesen wird.

Nach Aufkommen der Proteste im Iran im vergangenen Jahr hatte der Bundestag die Bundesregierung dazu aufgefordert, ein Verbot des IZH zu prüfen. Bestätigt das Gericht die Aussagen des Verfassungsschutzes, könnte das die Auflösung des Vereins nach sich ziehen.

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026

Berlin

Initiative von Jüdinnen und Juden wendet sich gegen Koalition mit der Linken

Mit einem offenen Brief an Vertreter von SPD und Grünen in Berlin und auf Bundesebene sowie ihre Fraktionsmitglieder warnen die Unterzeichnenden vor einer Regierung mit der Linkspartei in der Hauptstadt

 07.10.2026

Justiz

Fast 12.500 Strafverfahren zum Nahost-Konflikt in Berlin

Seit dem Terrorangriff auf Israel hat der Antisemitismus zugenommen. Keine Woche vergeht in Berlin ohne Demonstrationen zum Gaza-Krieg. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, zeigen auch Zahlen der Justiz

 07.10.2026

Antisemitismus

Nach Angriff auf jüdischen Mann in Düsseldorf: Verdächtige ermittelt

Eine Woche nach dem Angriff auf einen deutschen Juden am Rheinufer in Düsseldorf hat die Polizei nun zwei Tatverdächtige ermittelt. Was bislang bekannt ist

 07.10.2026