NS-Opfer

Neue Datenbank für geraubtes jüdisches Eigentum

Die Aktentasche von Josef Wolf aus Greifswald, in der er auf der Flucht seine Habseligkeiten aufbewahrte. (Aus der Ausstellung »Sechzehn Objekte - Siebzig Jahre Yad Vashem«) Foto: picture alliance/dpa

Nachfahren jüdischer Flüchtlinge, deren Eigentum in der Zeit des Nationalsozialismus geraubt wurde, können künftig über ein neues Online-Verzeichnis danach suchen. Die Datenbank LostLift sei die erste dieser Art, teilte das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven mit. Sie ist demnach offiziell ab Freitag unter diesem Link zugänglich.

Ab 1933 wurden Juden von den Nationalsozialisten dazu gedrängt, aus dem Deutschen Reich auszuwandern. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, der sich am Freitag zum 84. Mal jährt, wurde ihr Umzugsgut nicht mehr verschifft. Die Liftvans, wie die Kisten genannt wurden, blieben in den Häfen von Hamburg und Bremen. Der Inhalt wurde später vom Staat beschlagnahmt und öffentlich versteigert.

Enteignungen Diese Enteignungen untersuchen seit 2018 zwei Forschungsprojekte am Deutschen Schifffahrtsmuseum. Wissenschaftlerinnen sichten laut Museum in detektivischer Kleinarbeit tausende Dokumente aus den Staatsarchiven in Hamburg und Bremen. Hinweise zu versteigerten Möbeln, Musikinstrumenten, Gemälden und anderen Gegenständen hätten sie in die neue Datenbank eingepflegt. Sie umfasse bislang 5.500 Einträge im Personenregister sowie rund 3.200 konkrete Fälle von Beraubung - und solle weiter wachsen.

Jeder Eintrag rekonstruiert den Angaben zufolge den Weg des Umzugsgutes einer Familie - vom Verlassen der Wohnung mit einem Spediteur bis zur Beschlagnahmung in einer Hafenstadt und schließlich der Versteigerung. Auch Akten der von Familien in der Nachkriegszeit beantragten Rückerstattungsverfahren seien in die Datenbank aufgenommen worden. Zudem enthielten sie Informationen zu einzelnen Beteiligten, also geschädigten Familien, Speditionen, Gerichten und Käufern der Gegenstände.

»Wir wollen mit der Datenbank auf diesen bisher wenig aufgearbeiteten Aspekt der Beraubung der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus aufmerksam machen«, erklärte Provenienzforscherin Kathrin Kleibl. Menschen in Hamburg und Bremen rief sie dazu auf, weitere Hinweise zu geben. Sie sollten sich fragen, ob es womöglich Erbstücke gebe, die nicht eindeutig aus der Familie stammen, sondern während des Kriegs gekauft wurden.

Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen kommt die Aufarbeitung jedoch 75 Jahre zu spät. »Was wir machen, hätte schon viel früher geschehen müssen«, so Provenienzforscherin Susanne Kiel. kna

Paris

13-jähriger Jude mit Messer bedroht und beraubt

Die jugendlichen Angreifer beschimpften das Opfer als »schmutziger Jude« und sollen ihm ein Messer an die Kehle gehalten haben

 11.02.2026

Sydney/Canberra

Herzog in Australien: »Habt keine Angst, steht mit Stolz zu eurem Judentum«

Herzog spricht von einer weltweiten Welle judenfeindlicher Stimmung, die auch Länder treffe, die lange als sicherer Zufluchtsort gegolten hätten

 11.02.2026

Besuch

Klöckner in Israel: »Komme als Freundin«

Julia Klöckner besucht erstmals als Bundestagspräsidentin Israel. Sie will auch kritische Themen ansprechen

 10.02.2026

Medienberichte

Lambsdorff soll Nachfolger von Seibert in Israel werden

In bedeutenden deutschen Auslandsvertretungen könnte es zu Wechseln an der Spitze kommen. Doch bei der offiziellen Bekanntgabe wird diplomatisch vorgegangen

 10.02.2026

Berlin

Unbekannte zerstören Gedenktafel an jüdischem Friedhof

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt

 10.02.2026

Berlin

Ordner, der Lahav Shapira bedrängte, muss Geld zahlen

Israelfeindliche Aktivisten besetzen 2023 einen Hörsaal. Die Stimmung ist aufgeheizt. Dem Studenten Lahav Shaipra wird der Einlass verwehrt. Nun muss ein Ordner deswegen eine Geldauflage zahlen

 10.02.2026

Göttingen

Durchsuchungen wegen mutmaßlichen Nazi-Shops

CDs, Sticker, Kleidung - die mindestens sechs Verdächtigen sollen die rechtsextreme Szene ausgestattet haben. Was die Beamten bei Durchsuchungen noch fanden

 10.02.2026

Boston

US-Gericht stoppt Verfahren gegen türkische Doktorandin

Ein Meinungsbeitrag zum Gaza-Krieg reichte aus: 2025 kam die türkische Doktorandin Rümeysa Öztürk in US-Abschiebehaft. Der Fall löste landesweite Empörung aus – nun ist eine Entscheidung gefallen

 10.02.2026

Faktencheck

Gefälschte Wegweiser entlarven angebliche Epstein-Aufnahme

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist 2019 zu Tode gekommen - doch ein Bild soll ihn angeblich in jüngster Zeit in Israel zeigen. Ein genauer Blick zeigt, wieso das nicht stimmen kann

 10.02.2026