Israel

Netanjahu: »Null Toleranz bei Übergriffen radikaler Juden«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: Copyright (c) Flash 90 2023

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Null-Toleranz-Politik bei Übergriffen radikaler Juden auf nichtjüdische Gläubige angekündigt. »Israel setzt sich voll und ganz für den Schutz des heiligen Rechts auf freie Religionsausübung und Pilgerreisen zu den heiligen Stätten aller Religionen ein«, sagte er laut Mitteilung seines Büros in einer Stellungnahme von Dienstag. Hintergrund sind erneute Spuckangriffe strengreligiöser Juden auf Christen in der Jerusalemer Altstadt.

In sozialen Netzwerken verbreitete Videoaufnahmen zeigten strengreligiöse Juden in der Jerusalemer Altstadt, die Christen und christliche Gebäude anspucken. Die Aufnahmen stammen demnach von Sonntag und Montag, als Zehntausende Juden zu Sukkot-Feiern in die Altstadt kamen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Einfach inakzeptabel« Auf X, früher Twitter, bezeichnete Netanjahu, abfälliges Verhalten gegenüber Gläubigen als »Sakrileg und einfach inakzeptabel«. Es werde keine Form von Feindseligkeit gegenüber Personen toleriert, die einen Gottesdienst abhalten.

Netanjahu bezog damit erstmals seit Antritt seiner Regierung im Januar Position zu dem Phänomen der Spuckangriffe durch radikale Juden, das nach Aussagen von Kirchenführern, Christen und Beobachtern in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat.

Auch der aschkenasische Oberrabbiner Israels, David Lau, verurteilte die Zwischenfälle laut Berichten israelischer Medien am Dienstag. Ein solch »abscheuliches« Verhalten dürfe in keiner Weise mit dem jüdischen Religionsrecht begründet werden.

Zuvor hatte der radikale israelische Siedleraktivist Elischa Jered, der unter Verdacht steht, einen palästinensischen Jugendlichen getötet zu haben, das Bespucken von Christen auf X als »einen alten jüdischen Brauch« gerechtfertigt.

Der israelische Tourismusminister Chaim Katz widersprach Jered. »Anstatt ein Licht für die Nationen zu sein, bringen die Aktionen einer Handvoll Extremisten Hass auf das Judentum und das jüdische Volk und schaden dem Image Israels und dem Tourismus«, sagte er laut Berichten in einer Erklärung von Dienstag. Auch der israelische Außenminister Eli Cohen betonte, dass das »hässliche Phänomen, Christen anzuspucken«, nicht den jüdischen Werten entspreche.

Deutliche Zunahme Kirchenführer beklagen seit langem die anhaltenden Übergriffe auf Christen durch radikale religiöse Juden, die seit Amtsantritt der gegenwärtigen rechtsnationalen Regierung deutlich zugenommen hätten. Zuletzt hatte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, vor Medien erklärt, die Übergriffe auf Christen durch radikale Juden seien Teil eines größeren Problems, »in der moderate Stimmen nicht gehört und die verschiedenen Extremismen der einzige Weg der Beziehungen werden«.

Seit Anfang des Jahres hat die Polizei laut Berichten 16 Ermittlungen wegen Vandalismus, Gewalt oder Belästigung von Christen oder gegen christliche Einrichtungen eingeleitet und 21 Verdächtige festgenommen. Es sei jedoch schwierig, die Angreifer anzuklagen, insbesondere diejenigen, die auf den Boden und nicht auf eine Person spuckten.

Ein Mitte Juni von Freiwilligen und Kirchenführern eingerichtetes Online-Datenzentrum für Betroffene verzeichnete zwischen dem 16. Juni und dem 24. September 42 gemeldete Übergriffe. Seit Jahresbeginn seien 80 Übergriffe bekannt, die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich deutlich höher.

Berlin

Israel-Kurs: Streit in der SPD eskaliert

Adis Ahmetović, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert Außenminister Wadephul, weil dieser Sanktionen gegen Israel ablehnt. Das sorgt für Ärger in der Partei

 24.04.2026

Antisemitismus im Alltag

Angefeindet wegen einer Kippa

Zwei Studenten der JSUD werden in Berlin-Mitte angefeindet – weil sie Kippa tragen. Viele Jüdinnen und Juden verstecken aus Angst ihre religiöse Identität

von Jan Feldmann  24.04.2026

Bündnis-Streit

Spanien reagiert auf Bericht über mögliche Nato-Suspendierung

Planen die USA Maßnahmen gegen »schwierige« Nato-Partner? Madrid jedenfalls betont nun die Zusammenarbeit mit Bündnispartnern

 24.04.2026

Fördergeldaffäre

»Evident rechtswidrig«

Kein einziges der 13 vom Berliner Senat mit staatlichen Zuschüssen bedachten Projekte gegen Antisemitismus sei »bescheidungsreif« gewesen, so der Prüfbericht des Rechnungshofes. Die Hintergründe

von Michael Thaidigsmann  24.04.2026

London/Washington

Giuffres Vermächtnis: Epstein-Opfer warten auf Gerechtigkeit

Ihre Berichte brachten den Skandal um Epstein vor Jahren ins Rollen. Doch nach wie vor kämpfen die Opfer des Sexualstraftäters um Gerechtigkeit. Bleibt ihr Kampf am Ende vergeblich?

von Patricia Bartos  24.04.2026

Österreich

Neuer Höchststand an antisemitischen Vorfällen

Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die Anfeindungen stark zugenommen. Der Konflikt droht auch den ESC in Wien zu überschatten. Warum sich die jüdische Gemeinde dennoch auf den ESC freut

 24.04.2026

Berlin

Wegner entlässt Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson

Nach dem die Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus als rechtswidrig gerügt wurde, hat Kultursenatorin Wedl-Wilson ein Rücktrittsgesuch eingereicht

 24.04.2026

USA

18-Jährige wollte Anschlag auf Synagoge in Houston verüben

Angelina Han Hicks aus Lexington (North Carolina) befindet sich in Gewahrsam. Der Vorwurf gegen sie: Verschwörung zur Planung eines Massenangriffs auf die Gemeinde Beth Israel

 24.04.2026

Jerusalem

Katz: Israel zu neuer Offensive gegen Iran bereit

Die Armee warte auf grünes Licht aus Washington, sagt der Verteidigungsminister. Die Streitkräfte seien sowohl für Verteidigung als auch für Angriffe vorbereitet. Sämtliche Ziele seien bereits markiert

 24.04.2026