Einspruch

Mut zum aufrechten Gang

Viktor Orbán hat das Thema ausgereizt: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wehren sich die jüdischen Gemeinden in Ungarn gegen die revisionistische, unverschämte Umschreibung der Geschichte der ungarischen Schoa.

Und auch wenn Ungarns Ministerpräsident nach den Parlamentswahlen am 6. April erneut mit einer bequemen Mehrheit für seine Fidesz-Partei rechnen kann, bricht für die jüdische Gemeinschaft eine neue Zeitrechnung an. Sie hat sich erfolgreich gegen die durchsichtige Taktik einer schäbigen Vereinnahmung gewehrt und Mut zum aufrechten Gang bewiesen. Mit der – relativ späten – Ablösung der postkommunistischen Führung im Mazsihisz, dem Dachverband der ungarischen jüdischen Gemeinden, geht ein gesundes Selbstbewusstsein einher.

schoa-gedenkjahr Was war geschehen? Rechtzeitig vor den Wahlen und als Reaktion auf die weltweite Kritik an Ungarns Medien- und Minderheitenpolitik erfolgte die offizielle Ausrufung meines Schoa-Gedenkjahres 2014. Mit zahlreichen Projekten sollte des 70. Jahrestages der Besetzung Ungarns durch deutsche NS-Truppen gedacht werden. Nicht nur ein internationales Komitee, sondern auch die Juden in Ungarn glaubten anfänglich an ein gemeinsames Erinnern auf Augenhöhe.

Schmerzlich schnell mussten sie erkennen, dass die Regierung Orbán eine Doppelstrategie gewählt hatte: Einerseits wollte man der jüdischen Bevölkerung separate Gedenkprojekte finanzieren, andererseits die Gesamtbevölkerung durch Geschichtsrelativierung von der Mitschuld am ungarischen Holocaust reinwaschen.

Bei diesem Missbrauch von 600.000 jüdischen Schoa-Opfern machte die jüdische Gemeinschaft nicht mit. Obwohl nur rund 10.000 von etwa 80.000 Juden im Land aktiv am jüdischen Leben teilnehmen, stellten sich jetzt erstmals auch zahlreiche assimilierte Intellektuelle an die Seite der offiziellen Vertretung der Religionsgemeinschaft. Auch das ist ein Verdienst Orbáns. Er hat den Bogen einfach überspannt.

Die Autorin ist »Focus«-Korrespondentin in Wien.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026