Medien

Mordsprogramm

»Um Juden zu töten«: Schon Kinder werden in Fernsehsendungen zum Hass erzogen. Foto: Reuters

Ein Kind in Todesangst. Ein israelischer Soldat zielt und schießt. Mohammed al-Dura stirbt im Kugelhagel. Diese Szene zeigte das palästinensische Staatsfernsehen als Endlosschleife, aber es war ein manipuliertes Bild. Bis heute ist unklar, ob der Junge überhaupt tot ist. Nur eines ist sicher: Das Kind wurde nicht durch den israelischen Soldaten erschossen, den windige Journalisten in ihren Bericht eingeschnitten hatten.

Die ARD hatte für den Dokumentarfilm Drei Kugeln und ein totes Kind den dafür Verantwortlichen, den Intendanten des Senders, vor der Kamera. Es handle sich um eine »künstlerische Präsentation im Dienst der Übermittlung der Wahrheit«, meinte er. Schöner kann man eine Nachrichtenfälschung nicht beschreiben.

hamas Nun sind die palästinensischen Medien etwa so unabhängig wie die Pressestelle der deutschen Automobilindustrie, aber die journalistischen Hetzer im Dienste der Hamas und der PLO sollen endlich zur Verantwortung gezogen werden, fordert Nitsana Darshan-Leitner, Gründerin und Leiterin der Non-Profit-Organisation »Shurat HaDin«. Denn was die Fernsehmacher jeden Tag aus Gaza und Ramallah um die Welt, vor allem aber in die Köpfe junger Menschen senden, sei blanker »Fernsehterrorismus« und somit strafbar. Sie will ihn vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen.

Aber wie weist man nach, dass das Fernsehen, statt Informationen zu verbreiten, zum Mord aufruft? Die Beweisführung ist mühsam, aber offensichtlich nicht unmöglich. So wurden Medienmacher in Ruanda wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt, weil sie Menschen im dortigen Bürgerkrieg zum Abschlachten angespornt hätten. 30 Jahre Haft gab es für die Täter, die am Schreibtisch saßen. Genau das will Nitsana Darshan-Leitner auch für die TV-Chefs in Gaza und im Westjordanland erzwingen.

Ein besonders krasser Fall ist der Mord an einer sechsfachen Mutter in der Siedlung Otniel im Westjordanland. Ihr Mörder gestand vor Gericht, er habe einen TV-Film über den Mord an einem arabischen Kind gesehen, bevor er selbst zum Mörder wurde. So jedenfalls erklärte der 16-jährige Murad Idais aus Yatta bei Hebron das, was eigentlich nicht zu erklären ist: Warum tötet ein Jugendlicher einen Menschen, den er nicht kennt, einfach so?

opfer Seinem Opfer, der 38-jährigen Daphne Meir, schaut er noch seelenruhig zu, bis sie zu Ende telefoniert hat, dann sticht er sie vor den Augen ihrer Tochter regelrecht ab. Renana, nur ein Jahr älter als der Mörder ihrer Mutter, schreit um ihr Leben, bis Murad schließlich flieht. Zu Hause wäscht er seine blutverschmierten Hände und setzt sich wieder vor den Fernseher.

Wer über die renommierten Internetplattformen von Memri (Middle East Media Research Institute) oder PMW (Palestinian Media Watch) Einblick in das palästinensische TV-Programm nimmt, den überkommt das kalte Grausen. Eine einzige Welle von Hetz- und Hasssendungen, eine Gehirnwäsche, die schon bei Kleinkindern einsetzt. Zwei Buben in Kinderuniform.

Der Moderator will wissen, was die beiden einmal werden wollen. Der eine will zu den Quassam-Brigaden, »um Juden zu töten«, der andere will Ingenieur werden. Immerhin, denkt man kurz, aber dann auch er: »um Juden zu töten«. Die Mutter eines Mörders schwärmt davon, dass »alle meine Kinder ihm folgen« sollen, und zieht ein Messer unter ihrem Gewand hervor, was aber selbst der Moderatorin des Guten zu viel ist, deshalb Schnitt.

verantwortung Wer trägt die Verantwortung für diese organisierte Hetze? Die Programmmacher und ihre Aufsicht: Präsident Mahmud Abbas im Westjordanland und Ismail Haniyya in Gaza samt ihren Gehilfen, sagt Nitsana Darshan-Leitner. Sie fordert deren sofortige Verhaftung. Das ist ziemlich vollmundig, aber nicht ausgeschlossen. Und vielleicht wird es auch die oft allzu willfährigen und naiven Kollegen im Rest der Welt, vor allem aber hier im Westen, aufschrecken, die immer gerne und leichtfertig auf manipuliertes Material zurückgreifen, weil es zur eigenen antisemitischen Agenda passt. Wenn Hetze Hetze genannt und als solche höchstrichterlich verurteilt wird, dann wird es schwerfallen, Propaganda als Information zu verkaufen.

Auch die israelische Regierung will nicht länger tatenlos zusehen: Eine neue Taskforce soll jetzt allen genauer auf die Finger schauen, die das Existenzrecht des Staates anzweifeln oder infrage stellen. Bis 2025 geben sie sich Zeit, dann soll das Israelbashing ein Ende haben.

»Wie viele Juden hat deine Mama umgebracht?«, werden die beiden Kinder einer palästinensischen Selbstmordattentäterin im Fernsehen gefragt. Die Schwester zuckt die Achseln, ihr Bruder reckt seine kleine Kinderhand und streckt die Finger aus: »Fünf«. »Liebst du deine Mama? Wo ist sie?« »Im Paradies«, antwortet das Kind artig. Darshan-Leitner wird eine stattliche Videothek nach Den Haag mitnehmen können. Die Vereinten Nationen haben übrigens auf ihrer Webseite des globalen Terrorismus kein einziges israelisches Opfer der seit September andauernden Terrorwelle auf ihrer Liste. Auch Daphne Meir fehlt.

Der Autor ist Journalist und Buchautor (»Israel ist an allem schuld«, mit Esther Schapira).

Teheran

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar

Der neue »Oberste Führer« des Iran zeigt sich weiter nicht in der Öffentlichkeit. Eine verlesene Botschaft ersetzt seine Neujahrsrede

 20.03.2026

Bern

Schweiz stoppt Waffenexporte an die USA

Wegen ihres strikten Neutralitätsprinzips liefert die Schweiz vorerst keine Waffen mehr an die USA, weil diese am Krieg gegen den Iran beteiligt sind

 20.03.2026

Berlin

DIG kritisiert Deutschlands Rückzug im Verfahren zum angeblichen Genozid gegen Israel

»Deutschland opfert Israel seinen Ambitionen auf einen Sitz im Weltsicherheitsrat«, sagt DIG-Präsident Volker Beck. Und nennt es »schändlich«

 20.03.2026

Bildung

Stille im Vieh-Waggon - Jugendliche fühlen die Geschichte des ehemaligen KZ Bergen-Belsen

Jugendliche aus ganz Europa hören in Bergen-Belsen von Hunger, Enge und Angst - und stehen plötzlich selbst an den Orten des Grauens. Für viele ist der Besuch im früheren Konzentrationslager die erste intensive Begegnung mit der NS-Zeit

von Charlotte Morgenthal  20.03.2026

Argentinien

Argentinien übernimmt IHRA-Vorsitz

Das südamerikanische Land übernimmt die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Als erstes auf dem Kontinent

 20.03.2026

Oslo

Mette-Marit: Epstein hat mich manipuliert

Vertraute Mails und Liebes-Tipps: Ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter hat Norwegens Kronprinzessin in Bedrängnis gebracht. Jetzt gab Mette-Marit ein Fernsehinterview

 20.03.2026

Meinung

Warum die Stellungnahme der USA beim IGH eine Enttäuschung ist

Die Intervention Washingtons vor dem Internationalen Gerichtshof nimmt zwar Israel gegen den Vorwurf des Genozids in Schutz. Sie liefert den Richtern aber kaum Argumente

von Menachem Z. Rosensaft  20.03.2026

Berlin

Berliner Spitzen-Linke kritisiert Zionismus-Beschluss

Ein Entscheid der niedersächsischen Linken gegen den »real existierenden Zionismus« sorgt auch in der eigenen Partei für Aufregung. Die Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl geht auf Distanz

 20.03.2026

Teheran

Iran meldet Tod von Revolutionsgarde-Sprecher bei Angriffen

Staatliche iranische Medien vermelden den Tod von Ali Mohammad Naini, der seit 2024 die Revolutionsgarde repräsentierte

 20.03.2026