Einspruch!

Moral, Geschäft und Staatsräson

Michaela Fuhrmann Foto: Uwe Steinert

Einspruch!

Moral, Geschäft und Staatsräson

Michaela Fuhrmann fragt sich, ob auch Berlin den Iran hofieren möchte

von Michaela Fuhrmann  03.02.2016 11:54 Uhr

La dolce vita» bekam in den letzten Tagen einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Das lebensfrohe Italien unterwarf sich einem diktatorischen Regime, indem es beim Besuch des iranischen Präsidenten Rohani seine antiken Nacktstatuen verhüllte. Dabei ist die wahre Perversion die Anbiederung an ein holocaustleugnendes Staatsoberhaupt aus wirtschaftlichen Gründen. Auch Frankreich reiht sich ein.

Zwar sagte François Hollande, als gefordert wurde, auf den Wein zu verzichten, das Staatsbankett ab. Aber dass der Iran täglich gegen Menschenrechte verstößt, Frauen, Homosexuelle und Oppositionelle foltert, Minderjährige in Gefängnisse wirft – das störte kaum. Jedenfalls nicht so sehr wie der drohende Verzicht auf den geliebten Cabernet Sauvignon.

Atomkonflikt Nun diskutiert tatsächlich auch die Große Koalition in Berlin darüber, ob man den Iran hofieren sollte. Dem gegenüber aufgeschlossen ist unser Vizekanzler, der bereits kurz nach der Wiener «Einigung» im Atomkonflikt als erster westlicher Spitzenpolitiker in den Iran reiste, um der Bundesrepublik die lukrativen Wirtschaftsgeschäfte zu sichern.

Sigmar Gabriel rechtfertigte die Reise mit dem Prinzip «Kontakte statt Konflikte», aber in Wahrheit bedeutete dies: «Kontakte statt Moral». Denn wie kann man einerseits von einer Verantwortung für Israel und einem immerwährenden Gedenken an die Schoa sprechen, andererseits aber einem Regime die Hand reichen, das Israel von der Landkarte tilgen will, die Schoa leugnet und der weltgrößte staatliche Terrorfinanzier ist?

Trotz allem wird der Iran im Westen als Teil der Lösung der Konflikte im Nahen Osten gefördert. Dabei ist das Mullah-Regime ein sehr großer Teil des Problems.

Deutschland darf seine Wirtschaftsinteressen nicht über die von unserer Bundeskanzlerin formulierte Staatsräson stellen. Es darf keine Einladung des iranischen Präsidenten nach Deutschland geben. Sonst würden wir zwar nicht unsere Statuen verhüllen, sondern unsere Augen schließen. Das wäre noch viel schlimmer.

Die Autorin ist Leiterin der Politischen Abteilung des Zentralrats der Juden.

Personalie

Wechsel im Amt des Antisemitismusbeauftragten - Klein geht nach Paris

Von der Spree an die Seine: Der erste Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung wechselt nach Paris - in neuer Funktion. Wer Felix Klein nachfolgt, ist bisher noch nicht bekannt

von Leticia Witte  12.02.2026

Iran

Versprecher führt zur Entlassung eines regionalen TV-Chefs

Eigentlich meinte der Fernsehreporter »Tod den USA«. Er sagte in einer Live‑Sendung jedoch versehentlich »Tod Chamenei« - dem obersten Führer des Irans. Das hat Folgen

 12.02.2026

Berlin

IOC-Fanshop verkauft T-Shirt mit Motiv der Olympischen Spiele 1936

Klara Schedlich von den Berliner Grünen moniert die Motivwahl ohne kritische Einordnung. Das Motiv-Hemd ist bereits ausverkauft

 12.02.2026

Berlin

Schah‑Sohn fordert US‑Militäreinsatz für Irans Freiheit

Bei den Unruhen im Iran riefen Demonstranten seinen Namen. Doch allein kann Schah‑Sohn Reza Pahlavi einen Regimewechsel nicht herbeiführen. Deshalb bittet er die USA um militärische Unterstützung

 12.02.2026

Basel

Antisemitischer Vorfall bei FC Basel gegen FC Zürich – Ermittlungen gefordert

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) spricht von einem schwerwiegenden Vorfall und fordert strafrechtliche Schritte

 12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Berlin

Van Aken: »Brauchen schärfere Regeln für Waffenexporte«

Der Linken-Vorsitzende reagiert auf die Entscheidung des höchsten deutschen Gerichts zu Rüstungslieferungen an Israel

 12.02.2026

München

Späte Aufklärung?

Nach 56 Jahren verdichten sich Hinweise auf einen möglichen Täter des Brandanschlags auf das jüdische Altersheim

von Michael Thaidigsmann  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026