Gesellschaft

»Mit Frieden hat das nichts zu tun«

Am Samstag soll in der Hauptstadt der sogenannte Al-Quds-Marsch stattfinden, bei dem es sich um die größte, regelmäßig stattfindende antisemitische Manifestation in Berlin handelt. Die Demonstration, die gegen 14.30 Uhr am Adenauerplatz beginnt und an der sich Jahr für Jahr Hunderte Menschen beteiligen, soll über den Kurfürstendamm zum Wittenbergplatz führen.

Geht es allerdings nach den Gegnern dieser pro-iranischen Propagandaveranstaltung, wird der Aufzug nicht ungestört vonstatten gehen. So soll am Joachimstaler Platz (Ecke Joachimstaler Straße/Kurfürstendamm), ebenfalls um 14.30 Uhr, eine Kundgebung gegen die islamistische Demonstration und die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen im Iran stattfinden.

Zur Teilnahme daran aufgerufen haben vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich gegen Antisemitismus engagieren, und jüdische Vereine. Levi Salomon, der Sprecher des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), das die Gegenkundgebung mitinitiiert, erklärt im Gespräch mit der »Jüdischen Allgemeinen«: »An dem Al-Quds-Marsch nehmen zahlreiche Befürworter des iranischen Regimes und auch Anhänger der Hisbollah teil. Stets werden die USA und Israel verdammt. Doch beim Iran handelt es sich um eine islamistische Diktatur, die sich angeblich für das Wohl der arabischen Bevölkerung einsetzt, tatsächlich aber die eigene Bevölkerung unterdrückt.«

Gegendemo Ein zweites Bündnis, das sich überwiegend aus antifaschistischen linken Gruppen zusammensetzt, will bereits um 13 Uhr, also noch vor Beginn des geplanten Aufmarsches, am Adenauerplatz eine Kundgebung »gegen Antisemitismus und Islamismus« abhalten. Auf Nachfrage, warum keine gemeinsame Gegenkundgebung vorgesehen ist, sagt Salomon: »Ich selbst habe keinen so engen Kontakt zu dem linken Antifa-Bündnis, aber ich freue mich natürlich, wenn die Leute, wie schon in den vergangenen Jahren, auch an unserer Kundgebung teilnehmen.«

Den Al-Quds-Tag, eine Art internationaler Kampftag des politischen Islamismus, der alljährlich zum Ende des Fastenmonats Ramadan begangen wird und an dem traditionell Demonstrationen stattfinden, gibt es bereits seit 1979. Der selbst ernannte Revolutionsführer Ajatollah Khomeini rief die Veranstaltung nach seiner Machtübernahme im Iran ins Leben. Die Unterstützer des meist als Friedensdemonstration kaschierten Aufmarsches wollen sich für die Ausbreitung der »islamischen Revolution« stark machen.

Darüber hinaus versuchen die Organisatoren, durch die Mischung von antisemitischer mit antikapitalistischer Agitation auch Linke zur Teilnahme an dem Marsch zu bewegen.
»Mit Frieden hat das überhaupt nichts zu tun«, stellt Levi Salomon klar. »Das wird nur vordergründig behauptet. In Wirklichkeit geht es darum, die Ziele und Zwecke des Mullah-Regimes zu verfolgen, die islamistische Herrschaft weltweit durchzusetzen.«

Tatsächlich werden bei den »Quds-Märschen« stets Fahnen der dem iranischen Regime nahestehenden libanesischen Terrororganisation Hisbollah mitgeführt. Die Fahne sei ja schließlich »keine verbotene«, sagte vor einigen Tagen ein Pressesprecher der Berliner Polizei. Auch mit dem Rufen antisemitischer Parolen tun sich die Demonstrationsteilnehmer traditionell hervor. Dass das am Samstag anders sein könnte, ist unwahrscheinlich.

Debatte

UN-Experten rügen Umgang mit Epstein-Akten

Der Fall Epstein setzt US-Behörden unter Druck: Teils wurden Namen von Opfern veröffentlicht, teils Ermittlungen unterlassen. Aus Sicht von UN-Sachverständigen steht die Glaubwürdigkeit von Regierungen auf dem Spiel

 16.02.2026

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Erfurt

Scharfe Kritik an Termin für AfD-Parteitag in Erfurt

Die AfD will ihren Bundesparteitag im Juli in Erfurt abhalten. Die Wahl des Termins ruft Kritiker auf den Plan. Genau 100 Jahre zuvor fand in Weimar ein NSDAP-Parteitag statt

 16.02.2026

Nahost

Analyse: Iran repariert Raketenanlagen schneller als Nuklearzentren

Während mehrere beschädigte Raketenstandorte offenbar zügig instand gesetzt wurden, kommen die Arbeiten an zentralen Nuklearanlagen deutlich langsamer voran

 16.02.2026

Paris

Epstein-Affäre: Durchsuchung nach Ermittlung gegen Jack Lang

Es geht um Verdacht auf Geldwäsche und Steuerbetrug. Wie tief ist Frankreichs Kultur-Ikone verstrickt?

 16.02.2026

Bosnien-Herzegowina

Jüdischer Protest gegen rechtsextrexmen Sänger Thompson

Vergangenes Jahr hatte der kroatische Sänger Thompson mit einem Megakonzert in Zagreb einen Zuschauerrekord gebrochen. Bekannt ist er für rechtsnationalistische Auftritte. Jetzt provoziert er erneut

von Markus Schönherr  16.02.2026

Madrid

Museum wirft israelische Besucherinnen raus

Drei ältere Touristinnen werden von Besuchern bepöbelt, weil sie Davidsterne und eine israelische Fahne tragen. Doch statt ihnen zu helfen, setzt das Museum sie vor die Tür

 16.02.2026

Diskussionsveranstaltung

Francesca Albanese soll in Berlin auftreten, Absage gefordert

Es könne nicht sein, dass die Senatsverwaltung für Kultur durch die Förderung des Veranstaltungsortes ermögliche, dass antisemitische Veranstaltungen durch Steuergelder finanziert würden, so die Organisation »Gegen jeden Antisemitismus«

von Imanuel Marcus  16.02.2026

Atomprogramm

Iran: Nächste Verhandlungsrunde mit den USA in Genf

US-Präsident Donald Trump fordert vom Teheraner Regime, sein Atomprogramm zu beenden. Doch die iranische Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit

 16.02.2026