Leinwand

Mit den Wölfen heulen

Ein Besucher von vielen: Der Film »Tal der Wölfe – Palästina« lief in der Türkei gut an. Foto: Marko Priske

Nicht nur auf der Leinwand spielt Necati Sasmaz den starken Mann. »Wir stehen auf der Seite des unterdrückten Volkes«, sagte der türkische Schauspieler vergangene Woche bei der Premiere seines neuen Actionfilms Tal der Wölfe – Palästina. In dem Streifen verkörpert er den fiktiven Geheimagenten Polat Alemdar, der die neun Opfer des israelischen Angriffs auf die türkische Gaza-Flottille vom Mai vergangenen Jahres rächt. An seinem ersten Wochenende in den türkischen Kinos zog der antiisraelische Film im ganzen Land Besuchermassen an.

erfolg Die nationalistische, häufig antiamerikanische und antiisraelische »Wölfe«-Serie ist seit Jahren ein Erfolg in Film und Fernsehen der Türkei. Vor fünf Jahren brachte die cineastische Aufbereitung des US-Feldzuges im Irak, Tal der Wölfe – Irak, mehr als vier Millionen Zuschauer in die Kinos, ein Rekord für das Land. Der als antisemitisch kritisierte »Palästina«-Film könnte ein ähnlicher Erfolg werden.

Verlässliche Zuschauerzahlen für das Premierenwochenende liegen noch nicht vor, doch nicht nur in den Metropolen wie Istanbul oder Ankara wollten am vergangenen Samstag und Sonntag viele Menschen sehen, wie der türkische Rambo Alemdar gegen die Israelis vorgeht. In landesweit 360 Kinos lief der Actionfilm an.

Selbst in Provinzstädten wie dem südostanatolischen Sanliurfa gab es keinen freien Kimoplatz mehr und viele »Wölfe«-Fans mussten wieder nach Hause gehen, wie das regionale Nachrichtenportal Balikgol.com meldete. Anders als in Deutschland, wo der Film erst für Zuschauer ab 18 Jahren freigegeben ist, können die »Wölfe« in der Türkei schon von 13-Jährigen gesehen werden. Auch sonst zeigten die Verantwortlichen wenig Hemmungen im Umgang mit dem Thema.

Warum auch, mögen sie sich gedacht haben. Seit dem Gaza-Krieg Ende 2008 bis Anfang 2009 und spätestens seit dem Tod der neun Aktivisten durch den israelischen Angriff auf die Flottille im vergangenen Jahr, zählt Israel bei den Türken zu den unbeliebtesten Staaten der Welt.

flottille Nur wenige Tage vor dem Kinostart der »Wölfe« veröffentlichte Israel zudem einen Untersuchungsbericht, in dem die Attacke auf die Flottille des Flaggschiffs »Mavi Marmara« als völkerrechtlich angebracht verteidigt wurde. In der Türkei sorgte das für einen weiteren Sturm der Entrüstung.

Ein Film, in dem die Israelis einmal die Verlierer sind und in dem ein aufrechter Türke zum Rächer der Opfer wird, hat in dieser Stimmung beste Chancen, ein Kassenschlager zu werden. »Ich bin nicht nach Israel gekommen, sondern nach Palästina«, sagt Geheimagent Alemdar in einer Einstellung zu einem Israeli. Die Szenen des Angriffs auf die »Mavi Marmara« wurden am Originalschauplatz, also an Deck des inzwischen in die Türkei zurückgekehrten Schiffes gedreht.

Einen besonderen Grund für Rücksichtnahme auf Israel oder die Juden sahen die Filmemacher nicht – die Premiere mit anschließender Gala fand ausgerechnet am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, statt. »Das verstehe ich nicht«, sagt der israelische Botschafter in der Türkei, Gaby Levy. Natürlich könne der Staat Israel in Filmen auch einmal schlecht wegkommen. »Aber Verallgemeinerungen über Juden, die in Antisemitismus umschlagen, sind im höchsten Maße bedenklich.«

Immerhin gibt es auch türkische Kinoliebhaber, die mit den »Wölfen« nichts anfangen können. »Das Drehbuch ist sehr schlecht, und die Schauspieler sind noch schlechter«, sagt Filmkritiker Alper Turgut.

regierung Die türkische Regierung trat unterdessen dem Eindruck entgegen, dass es Übereinstimmungen zwischen ihrer Politik und dem Film geben könnte. Er wisse nichts Genaues über den Inhalt, sagte Außenamtssprecher Selcuk Ünal. Aber die ganze Aufregung sei übertrieben: »Alles in allem ist es doch nur ein Film.«

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