Berlin

Menschenrechtler kritisieren »Allzeithoch des Antisemitismus«

Frank Schwabe, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit Foto: picture alliance / photothek

Um das Recht auf Religionsfreiheit steht es auf der Welt nicht gut - zu diesem Schluss kommen Menschenrechtler und andere Experten in den aktuellen Jahrbüchern »Religionsfreiheit« und »Verfolgung und Diskriminierung von Christen«.

»Das internationale Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit wird weltweit massiv verletzt oder infrage gestellt«, sagte der zuständige Beauftragte der Bundesregierung, Frank Schwabe, anlässlich der Vorstellung der Sammelbände. Neue Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz führten zu neuen Herausforderungen.

Die Jahrbücher, die die Arbeitskreise Religionsfreiheit der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen mit dem Internationalen Institut für Religionsfreiheit und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte in Auftrag gegeben haben, versammeln jeweils Beiträge zu einzelnen Regionen oder Themen.

»Diktatoren fürchten sich vor Religionsfreiheit«

Der Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin, Mit-Herausgeber der Jahrbücher, sagte, Diktatoren fürchteten sich vor Religionsfreiheit und Menschenrechten. »Dossiers und schwarze Listen über Politiker und Menschenrechtsverteidiger, die das Schicksal von Opfern und anderen Verfolgten öffentlich machen, scheinen zum Standard geworden zu sein.« Bedrohungen, Kriminalisierung und Missbrauch von Interpol-Fahndungen sowie Einreiseverbote gehörten ebenfalls zum Repertoire.

Lesen Sie auch

Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, Thomas Rachel, sagte: »Gerade in Zeiten zahlreicher gewalttätiger Konflikte wird deutlich, dass es ohne Religionsfrieden keinen Weltfrieden gibt.« Richtig verstanden hätten Religionen die Kraft, Konflikte zu überwinden und zur Versöhnung einzuladen. 85 Prozent der Weltbevölkerung seien religiös. »Wir sollten die Kraft dieser Menschen stärker nutzen!« Im weltweiten Maßstab seien vor allem Christen von Diffamierung, Diskriminierung und Verfolgung betroffen.

»Antisemitismus gefährdet offene Gesellschaft«

Herausgeber Thomas Schirrmacher, Präsident der International Society for Human Rights, warnte vor einer um sich greifenden Vermengung von Israelkritik und Antisemitismus. »Die zunehmende tatsächliche Gewalt gegen Juden sowie der Aufruf zur Gewalt gegen sie unterscheiden kaum noch zwischen Israel und den Juden.« Die meisten gewalttätigen Demonstranten auf der ganzen Welt kritisierten »Israel als jüdischen Staat, und ihr Hass auf Juden schlägt in Hass auf das einzige Land mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit um«.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, sagte: »Das Allzeithoch des Antisemitismus erfordert eine entschlossene und nachhaltige Reaktion der wehrhaften Demokratien.« Antisemitismus greife nicht nur das Lebensrecht aller Jüdinnen und Juden an, sondern stelle auch »eine tiefgreifende Verschwörungstheorie« dar, »die die Grundlagen unserer offenen Gesellschaften gefährdet«. kna

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Ulm/Stuttgart

Anklage nach Angriff auf israelischen Rüstungskonzern

Bekennervideos, zerstörte Labore und Proteste gegen ein Unternehmen aus Israel: Was den fünf Angeklagten vorgeworfen wird

 22.01.2026

NRW

Einladung von Terrorunterstützerin: Jüdische Gemeinde fordert Konsequenzen

In einer Presseerklärung wird eine Abberufung der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Donatella Fioretti, gefordert

von Imanuel Marcus  22.01.2026

Washington D.C.

USA wollen israelfeindlichen Aktivisten nach Algerien abschieben

Der frühere Student Mahmoud Khalil wird von den Behörden als Hamas-Unterstützer eingestuft. Seine Abschiebung sei auch eine Mahnung an Nicht-Staatsbürger im Land

 22.01.2026

Berlin

Linkes Bündnis will akademischen Boykott Israels

Ein linkes Bündnis will einen Boykott israelischer Wissenschaftler organisieren. Am Wochenende soll nun eine umstrittene Konferenz dazu stattfinden

 22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026