Berlin

Mehr Tempo im Kampf gegen Antisemitismus gefordert

Foto: dpa

Ehrgeizig gestartet, zu wenig umgesetzt: Im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus kommt die Ampelkoalition aus Sicht der Amadeu Antonio Stiftung und anderer Verbände zu langsam voran. »Die Regierung bleibt den Betroffenen von Hass und Gewalt den versprochenen großen Wurf schuldig«, sagte der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, am Dienstag.

In einem Positionspapier ziehen die Stiftung, die sich gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzt, sowie der Bundesverband Mobile Beratung und die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen ein Jahr nach Bildung der Koalition gemeinsam Bilanz. Sie verweisen darauf, dass SPD, Grüne und FDP den Rechtsextremismus zwar als größte Bedrohung sehen und dem entschieden entgegentreten wollen. Doch seien die »Gefahren durch rechte Stimmungsmache und Gewalt« seither eher größer geworden.

gesamtstrategie Die Verbände fordern eine Gesamtstrategie gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und andere »Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit«. Diese Strategie müsse zusammen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen ausgearbeitet werden. Deren Arbeit wiederum müsse dauerhaft abgesichert werden. Das geplante Demokratiefördergesetz und das Gemeinnützigkeitsrecht müssten präzisiert werden.

Darüber hinaus müssten das geplante Partizipationsgesetz und der anvisierte Partizipationsrat für Menschen mit Migrationsgeschichte noch vor der Sommerpause 2023 auf den Weg gebracht werden. Das Wort »Rasse« müsse wie versprochen aus dem Grundgesetz getilgt werden.

Wichtig seien darüber hinaus »sicherheitspolitische Maßnahmen«, also mehr Schutz für Opfer von Anfeindungen. Dazu gehörten Sperrvermerke in Melderegistern, sodass persönliche Daten nicht herausgegeben werden. Der Schutz von jüdischen Einrichtungen und die Ahndung neuer Formen von Antisemitismus – wie etwa dem Tragen eines gelben Sterns ähnlich dem Judenstern aus der Nazizeit mit der Aufschrift »Ungeimpft« – müssten bundesweit einheitlich werden. dpa

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Hamburg

Mutmaßlicher Block-Entführer: »Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation«

Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

von Stephanie Lettgen  30.06.2026