Einspruch

Mehr Schutz vor Hass

OFEK-Geschäftsführerin Marina Chernivsky Foto: Rolf Walter

Einspruch

Mehr Schutz vor Hass

Marina Chernivsky fordert angesichts zunehmender Gewalt aus dem Netz, Bedrohungslagen neu zu sortieren

von Marina Chernivsky  05.09.2019 08:35 Uhr

Hass aus der digitalen Welt erreicht uns mitten im Alltag. Immer häufiger berichten Jugendliche und Erwachsene über aggressives Verhalten und über gezielte Attacken im Netz – sei es in Form von Kommentaren, Hassmails oder auch indirekten Drohungen. Das Internet eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten für antisemitische Wortgewalt. Judenfeindliche Hassbotschaften im Netz seien eine der am häufigsten genannten Antisemitismuserfahrungen, sagen Experten und neueste Studien.

Antisemitische Sprache war immer schon die erste Vorstufe und Grundlage für die spätere Verfolgung. Sprache knüpft an alte Ressentiments und Feindbilder an, schafft neue Wirklichkeiten und prägt das öffentliche Bewusstsein. Sie radikalisiert sich schnell – vor allem bezogen auf Minderheiten, aber auch auf jene, die sich gegen Marginalisierung und Diskriminierung einsetzen.

angriffe Dabei unterscheiden wir zwischen persönlichen Angriffen auf Einzelne (Cybermobbing), gezieltem Stören von Konversationen (Trollen) und kommunikativen Angriffen (Hassrede) auf Menschen aufgrund ihrer sozialen Identität und Zugehörigkeit.

Bisher wird Hasskriminalität im Netz selten angezeigt und auch von Social-Media-Anbietern eher zögernd bekämpft.

Bisher wird Hasskriminalität im Netz selten angezeigt und auch von Social-Media-Anbietern eher zögernd bekämpft. Es gibt den Volksverhetzungsparagrafen und allgemeine Gesetze, die vor Diskriminierung schützen. Die Gewalt zeigt sich aber oft in Formen, die außerhalb des justiziablen Bereichs liegen.

Werden die Erfahrungen und Forderungen von Community, Aktivisten und Experten ernst genommen und gehört? Wird genug unternommen, um die Bedrohungslagen neu zu sortieren und sofortige wie auch langfristig angelegte Maßnahmen – darunter Empowerment-Maßnahmen – zu ergreifen? Angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage darf das Sicherheitsgefühl nicht weiter ausgereizt werden.

Die Autorin ist Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der ZWST.

Seeon

Schuster warnt vor Auswanderung von Juden aus Deutschland

In vielen Bundesländern und auch im Bund darf sich die AfD laut Umfragen Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung machen. Der Präsident des Zentralrates der Juden warnt vor dramatischen Folgen

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026

Drohung

Iran deutet möglichen Präventivschlag gegen Israel an         

Im Iran gehen wieder Menschen gegen die Staatsführung auf die Straße. Die militärischen Spannungen in der Region reißen jedoch nicht ab

 06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu unterstützt iranische Proteste

Der entscheidende Moment, in dem die Iraner ihr Schicksal selbst in die Hand nähmen, sei möglicherweise gekommen, erklärt der Ministerpräsident in Jerusalem

 06.01.2026

Berlin

Anklage: Wegen Davidstern Messer gezogen

In Berlin hat im vergangenen Juni ein 29-Jähriger aus mutmaßlich antisemitischen Motiven einen 60-Jährigen mit einem Messer bedroht. Jetzt wurde Anklage erhoben

 06.01.2026

Berlin

Tagung »Digitale Horizonte«: Wie sich Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter wandelt

Wie verändert die Digitalisierung das kollektive Erinnern? Welche Chancen eröffnen neue Technologien – und wo liegen ihre Grenzen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Konferenz

 06.01.2026

Oberbayern

CSU-Klausur startet mit Söder und Schuster

Bei klirrender Kälte startet die CSU im Kloster Seeon ins neue Jahr. Auch der Präsident des Zentralrates der Juden ist dabei

 06.01.2026

Brandenburg

Nach Brandanschlag: Beauftragter gegen Judenhass erneut bedroht

Nach dem Angriff auf sein Privathaus wurde Andreas Büttner nur einen Tag später auch am Arbeitsplatz bedroht. Das Landeskriminalamt nahm Ermittlungen auf

 06.01.2026

Meinung

Blind auf dem linken Auge: Die »Vulkangruppe« in Berlin und der Terror

Wie Politik und Öffentlichkeit Gewalt verharmlosen, sofern sie aus einem bestimmten politischen Milieu stammt

von Roman Haller  05.01.2026