Geschichte

Mehr Besucher in deutschen KZ-Gedenkstätten

Hier starben mehr als 52.000 KZ-Häftlinge und rund 20.000 Kriegsgefangene. Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Lager. Foto: imago/imagebroker

Die großen KZ-Gedenkstätten in Deutschland haben im Jahr 2019 erneut mehr Besucher gehabt. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienst (epd) bei den Gedenkstättenbetreibern kurz vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

Dachau So meldete die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Dachau knapp 900.000 Besucher. Das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen bei Potsdam besuchten mehr als 700.000 Menschen, wie die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mitteilte. Die Tendenz sei sogar weiter steigend, die Belastungsgrenze für Personal und Infrastruktur bereits erreicht.

In Berlin stieg die Besucherzahl bei der Stiftung Topographie des Terrors, auf deren Gelände sich die ehemalige Gestapo-Zentrale befindet, zum siebten Mal in Folge über eine Million: 1,3 Millionen Menschen kamen 2019. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand verzeichnete ein Besucherplus von 13.500 auf 255.111 Grund sei der 75. Jahrestag des Hitlerattentats am 20. Juli 1944.

Neuengamme In der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg steigen die Besucherzahlen seit 1990 kontinuierlich. 123.000 Personen kamen 2019. Zum Vergleich: 1990 kamen 32.687 Menschen, im Jahr 2000 46.577. Das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen verzeichnet konstante Besucherzahlen, 2019 kamen rund eine Viertelmillion Menschen.

Nennenswerte antisemitische Zwischenfälle gab es 2019 nicht zu vermelden. Mehrere Gedenkstättenleiter beobachten seit einigen Jahren eine zunehmende Tendenz einzelner Besucher zu geschichtsrevisionistischen Auffassungen und sekundärem Antisemitismus in Form von einseitiger Kritik am Staat Israel.

Bergen-Belsen Der Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, berichtet über ein Beispiel aus Bergen-Belsen: Auf dem 1946 errichteten jüdischen Mahnmal in der Gedenkstätte heißt es, dort seien 30.000 Juden ermordet worden. In Publikationen der Gedenkstätte ist von 52.000 toten KZ-Häftlingen die Rede, von denen etwa die Hälfte Juden waren. Die Diskrepanz lasse sich darauf zurückführen, dass 1946 noch keine genauen Zahlen vorlagen. Für Revisionisten sei dies ein Beleg dafür, dass in der Gedenkstätte wie überhaupt in der Erinnerungskultur Lügen verbreitet würden.

NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren müssen nach Meinung der Historikerin Gabriele Woidelko von der Körber-Stiftung als »außerschulische Lernorte« gestärkt werden. Ein Beispiel dafür sei das Projekt »Jugend erinnert« der Bundesregierung, das mit innovativen pädagogischen Formaten junge Menschen zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus anrege.

Junge Menschen müssten durch einen alltagsgeschichtlichen, lebensweltnahen Zugang an die Geschichte des Nationalsozialismus herangeführt werden. Gedenkstätten bieten dafür den Raum.

Auschwitz Am 27. Januar 1945 wurden die letzten Gefangenen des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum in Deutschland der Holocaust-Gedenktag begangen. In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma und Homosexuelle. epd

 

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert