Einspruch

Material, das spaltet

Eine Welt ohne Atomwaffen will US-Präsident Barack Obama und lädt zum Gipfel in Washington, um seiner Vision einen Schritt näherzukommen. Und was macht Benjamin Netanjahu? Israels Premier sagt seine Reise ab. Er fürchte, dass arabische Staaten die Gunst der Stunde nützen würden, den jüdischen Staat zur atomaren Abrüstung zu zwingen, während der Iran, der gerade nuklear aufrüstet, ungeschoren davonkäme.

atomarsenal Anstatt ein solches Brimborium zu veranstalten, hätte Netanjahu lieber teilnehmen und ein paar wesentliche Dinge klären sollen: Iran hat den Nichtverbreitungsvertrag unterschrieben, darf also Atomkraft zu friedlichen, aber keinesfalls zu militärischen Zwecken nutzen. Teheran gerät nicht unter Druck, weil es ein Kraftwerk, sondern die Bombe baut. Israel hat den Vertrag nicht unterzeichnet, hält sich allerdings wie Indien – und anders als Pakistan – penibel an die wichtigste Verpflichtung: nukleares Material nicht weiter zu verbreiten. Aus gutem Grund hat Jerusalem sein Atomarsenal weder dementiert noch zugegeben. So wurde ein Wettrüsten in der Region vermieden. Israel verfügt jedoch gleichzeitig über ein notwendiges Abschreckungspotenzial. Iran wiederum provoziert ein Wettrüsten im Nahen Osten, an dem niemand Interesse haben kann, und kündigt einem anderen Staat, der keinerlei Bedrohung ist, die baldige Vernichtung an. Und: Dass Teheran als Schutzmacht von Hamas und Hisbollah kein Nuklearmaterial weitergibt, ist keineswegs garantiert.

Netanjahu hätte in Washington zeigen können, dass Israel die Sorge Obamas über einen »Nuklearterrorismus« teilt und an einer atomwaffenfreien Welt Interesse hat – vorausgesetzt, die Nachbarn erkennen das Existenzrecht des jüdischen Staates uneingeschränkt an, und der Iran bequemt sich, die selbst eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Dann kann Israel die Existenz eines Atomarsenals zunächst einräumen, um es später abzuräumen.

Die Autorin ist Chefredakteurin der Zeitschrift »Internationale Politik«.

Verhandlungen

Iran pocht auf Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen

Die Debatte um blockierte Auslandsvermögen des Iran dominiert zunehmend die Gespräche über ein Abkommen mit den USA. Denn die iranische Wirtschaft steckt in der Krise

 31.05.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Teheran

Irans Machtapparat: Die wichtigsten Köpfe im Überblick

US-Präsident Donald Trump sprach im Zuge des Iran-Kriegs von »neuen und vernünftigeren« Kräften in Teheran. Dafür erntete er Spott. Doch wer sind die neuen (und alten) Entscheider?

von Arne Bänsch  31.05.2026

Washington

Trump ohne Entscheidung – Iran pocht auf eigene Interessen

Ein Durchbruch bei den zähen Verhandlungen zum Iran-Krieg lässt weiter auf sich warten. Teheran widerspricht Trump in drei Punkten

 31.05.2026

Brüssel

Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier

Verstößt die Europapartei, zu der auch die »Alternative« gehört, gegen Grundwerte der EU? Die zuständige Behörde sieht Hinweise auf problematisches Vorgehen in Mitgliedsparteien. Kommt ein Verfahren?

von Valeria Nickel  29.05.2026

Beirut

Entwaffnung der Hisbollah - ein unmögliches Unterfangen?

Seit mehr als zwei Jahren attackiert die Hisbollah Israel. Die Regierung in Jerusalem will eine Entwaffnung der Terrororganisation. Doch geht das?

 29.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Kiel

Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

»Die massiven Konsequenzen (...) sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen«, so die Dokumentationsstelle Antisemitismus

 29.05.2026

New York

Streit um Bericht zu sexueller Gewalt: WJC kritisiert UN scharf

Narrative, die Israel pauschal delegitimierten, seien problematisch, so der Jüdische Weltkongress. Die ursprünglichen Gründungsideale der Vereinten Nationen müssten wieder in den Mittelpunkt rücken

 29.05.2026