Irland

Linksruck mit Folgen?

Nach der Parlamentswahl feiert Thomas Gould (Sinn Fein) seinen Einzug ins Dubliner Parlament für den Bezirk Cork North Central. Foto: dpa

Die Parlamentswahl in Irland am vergangenen Samstag hat für ein politisches Erdbeben gesorgt: Stärkste Kraft mit einem Stimmenanteil von 24,5 Prozent wurde die linksgerichtete Sinn Fein, die eine Wiedervereinigung Irlands kämpft und früher als politischer Arm der mittlerweile aufgelösten Terrororganisation IRA in Nordirland galt. Als einzige Partei tritt sie bei Wahlen in beiden Teilen Irlands an.

Die Regierungsbildung wird sich voraussichtlich kompliziert gestalten. Die beiden bürgerlichen Parteien, Fine Gael und Fianna Fail, hatten es bislang strikt ausgeschlossen, Sinn Fein an einer Koalition zu beteiligen.

Sie mussten bei der Wahl aber so starke Einbußen hinnehmen, dass der bisherige Premierminister Leo Varadkar wohl nicht im Amt bleiben kann. Der Fine Gael-Chef führte bislang eine von Fianna Fail tolerierte Minderheitsregierung an.

Auszählung Am Montagmorgen waren noch nicht einmal die Hälfte der Namen der neuen Abgeordneten zum irischen Parlament, dem Dail, bekannt. Das liegt am komplizierten Wahlrecht. Jeder Wähler hat zwar nur eine Stimme, kann aber mehrere Präferenzen angeben, die separat in mehreren Zählvorgängen ausgezählt werden. Bei der Auszählung der Erstpräferenzen der Wähler am Sonntag schnitt Sinn Fein zum ersten Mal in der Geschichte der Republik Irland besser ab als Fine Gael und Fianna Fail.

Stärkste Kraft im Parlament dürfte die linke Kraft aber trotzdem nicht werden. Sie hatte offenbar nicht mit einem so hohen Wahlsieg gerechnet und in den 39 Stimmkreisen zu wenige Kandidaten aufgestellt.

Sinn-Fein-Präsidentin Mary Lou McDonald, bislang Europaabgeordnete ihrer Partei, strebt dennoch eine Regierung mit kleineren Parteien an. »Ich möchte, dass wir idealerweise eine Regierung ohne Fianna Fail oder Fine Gael haben«, sagte sie am Sonntag. McDonald schloss aber auch Gespräche mit den beiden großen Parteien nicht aus.

Sollte Sinn Fein an die Regierung gelangen, könnte das womöglich die diplomatischen Beziehungen Irlands zu Israel schwer belasten. Die Linkspartei pflegt traditionell sehr enge Beziehungen zu den Palästinensern und fordert die Anerkennung eines Palästinenserstaates durch Dublin. »Wir werden uns energisch gegen Israels fortgesetzten Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte zur Wehr setzen und Israel zur Rechenschaft ziehen«, heißt es im Sinn Fein-Wahlprogramm.

Sollten Sinn Fein und Fianna Fail sich auf eine Koalition einigen, wird der Einfuhrboykott für Waren aus israelischen Siedlungen möglicherweise in Kraft gesetzt.

Konkret fordert Sinn Fein (wie auch die Fianna Fail), ein schon von einer Mehrheit im Parlament befürwortetes, bislang aber noch nicht verabschiedetes Gesetz durchzusetzen, mit dem der Import von Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland nach Irland verboten werden soll.

Händlern, die Waren aus den besetzten Gebieten einführen, würde danach bis zu fünf Gefängnis und eine Geldstrafe von 250.000 Euro drohen. Die Varadkar-Regierung hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen mit dem Argument, es verstoße gegen EU-Handelsrecht.

Handelsbeziehungen Die politischen Parteien in Irland sind traditionell antiisraelisch eingestellt, auch wenn das Thema Nahost in diesem Wahlkampf praktisch keine Rolle spielte. Auch die irischen Handelsbeziehungen mit Israel sind bislang gut. In den letzten Jahren haben sich auch zahlreiche israelische Firmen auf der Grünen Insel angesiedelt. Israels staatliche Fluglinie El Al wird in Kürze sogar einen Direktflug von Tel Aviv nach Dublin anbieten.

Der Vorsitzende der kleinen jüdischen Gemeinde in Irland schaut daher optimistisch in die Zukunft. Noch sei unklar, wer mit wem eine Regierung bilden werde und ob es am Ende wegen der komplizierten Lage womöglich Neuwahlen gebe, sagte Maurice Cohen der »Jüdischen Allgemeinen«.

Sollten Sinn Fein und Fianna Fail sich auf eine Koalition einigen, werde der Einfuhrboykott für Waren aus israelischen Siedlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Kraft gesetzt werden – es sei denn, der Justizminister sehe als unvereinbar mit europäischem Recht an.

Auch »antiisraelische Rhetorik« sei im Parlament regelmäßig zu hören, daran werde sich nichts ändern. Ob sich aber die Haltung der neuen Regierung tatsächlich entscheidend ändere, sei noch nicht ausgemacht. Und auch für die Lage der jüdischen Gemeinschaft in Irland sieht Cohen keine gravierenden Auswirkungen.

Ausgerechnet am 7. Oktober

Greta Thunberg marschiert mit Terror-Unterstützern und Israelfeinden

Drei Jahre nach den Massakern der Hamas gab es in Berlin israelfeindliche Proteste. Mit dabei: die einstige Klima-Ikone Greta Thunberg

 07.10.2026

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026

Berlin

Initiative von Jüdinnen und Juden wendet sich gegen Koalition mit der Linken

Mit einem offenen Brief an Vertreter von SPD und Grünen in Berlin und auf Bundesebene sowie ihre Fraktionsmitglieder warnen die Unterzeichnenden vor einer Regierung mit der Linkspartei in der Hauptstadt

 07.10.2026

Justiz

Fast 12.500 Strafverfahren zum Nahost-Konflikt in Berlin

Seit dem Terrorangriff auf Israel hat der Antisemitismus zugenommen. Keine Woche vergeht in Berlin ohne Demonstrationen zum Gaza-Krieg. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, zeigen auch Zahlen der Justiz

 07.10.2026