Großbritannien

Labour untersagt Ex-Parteichef Corbyn Abgeordneten-Kandidatur

Jeremy Corbyn Foto: picture alliance / Photoshot

Die britische Labour-Partei erlaubt ihrem früheren Chef Jeremy Corbyn keine weitere Abgeordneten-Kandidatur. Das meldete die britische Nachrichtenagentur PA am Dienstag unter Berufung auf das zuständige Parteigremium. Die Parteiführung gab damit einem Antrag des aktuellen Vorsitzenden Keir Starmer statt.

Hintergrund ist die vernichtende Wahlniederlage, in die Corbyn die Partei 2019 geführt hatte. Labour hatte damals einen großen Teil seiner traditionellen Hochburgen im Norden Englands an die Konservativen von Ex-Premier Boris Johnson verloren.

Antisemitische Strömungen Starmer hatte Corbyn zudem bereits vor drei Jahren wegen dessen Umgangs mit Antisemitismus aus der Fraktion ausgeschlossen. Corbyn wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Parteichef von 2015 bis 2020 nicht entschieden genug gegen antisemitische Strömungen in der Partei vorgegangen zu sein. Mehrere jüdische Labour-Abgeordnete traten damals aus Protest aus der Partei aus. Corbyn wies die Vorwürfe stets von sich, geriet aber auch selbst in den Verdacht, ein antisemitisches Weltbild zu haben.

Kritiker werfen Starmer jedoch vor, den Altlinken Corbyn auch aus dem Weg haben zu wollen, um den Richtungsstreit in der Partei für sich zu entscheiden. Starmer steht für eine Mitte-Links-Ausrichtung und hat gute Chancen, nach der für kommendes Jahr erwarteten Parlamentswahl nächster britischer Premierminister zu werden.

Der 73-jährige Corbyn sitzt seit 1983 für die britische Arbeiterpartei im Unterhaus für den Wahlkreis Islington North. Eine neue Kandidatur steht ihm nun nur noch außerhalb Labours offen. In einer Reaktion bezeichnete er die Entscheidung als »schändlichen Angriff auf die innerparteiliche Demokratie« und kündigte an, sich »nicht zum Schweigen bringen« zu lassen. »Ich habe mein ganzes Leben lang für eine gerechtere Gesellschaft für die Menschen in Islington North gekämpft, ich habe nicht die Absicht, jetzt aufzuhören«, so Corbyn. dpa

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