Mit einem offenen Brief hat sich das Jüdische Forum der CDU in Nordrhein-Westfalen an die Leitung der Kunstakademie Düsseldorf gewandt. Anlass ist die Einladung der Künstlerin Basma al-Sharif zu einer studentischen Veranstaltung am 21. Januar. Der Vorsitzende des Forums, Roman Salyutov, wirft der Akademie vor, mit der Einladung einer Person Raum zu geben, die antisemitische Hetze verbreite, Terrororganisationen verharmlose und das Existenzrecht Israels infrage stelle.
In dem Schreiben an Akademie-Rektorin Donatella Fioretti äußert das Jüdische Forum »Erschrecken« darüber, dass trotz mehrerer Hinweise an der Einladung festgehalten werde. Da die Akademieleitung nach Kenntnis des Forums nicht reagiert habe, sei bewusst der Weg einer öffentlichen Intervention gewählt worden. Parallel sei das Schreiben an politische Gremien sowie an regionale und überregionale Medien gegangen.
Konkret bezieht sich der Aufruf auf zahlreiche Beiträge al-Sharifs in sozialen Netzwerken. Dort zeige sie sich unter anderem mit einem Buch der PFLP, die in Deutschland als Terrororganisation gilt. Die Künstlerin spreche in diesem Zusammenhang von »Selbstverteidigung« der Palästinenser und legitimiere damit antisemitischen Terror. Zudem habe sie zur Unterstützung der antisemitischen BDS-Bewegung aufgerufen.
Palästinensischer Märtyrer-Kult glorifiziert
Besonders scharf kritisiert das Jüdische Forum Äußerungen al-Sharifs im unmittelbaren zeitlichen Umfeld der Massaker vom 7. Oktober 2023. Fünf Tage nach dem Terrorangriff der Hamas habe sie Verschwörungstheorien verbreitet, eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben und Israel für die Gewalt verantwortlich gemacht. Für die Opfer des Massakers oder die israelischen Geiseln habe sie hingegen kein Wort gefunden.
Weitere Vorwürfe betreffen die Verwendung eindeutig antisemitischer Begriffe wie »zionistische Entität«, die auch von Hamas und anderen Israelfeinden genutzt werden, sowie die wiederholte Verbreitung klassischer antisemitischer Narrative wie einer angeblichen »Blutlust« oder einer »globalen zerstörerischen Macht« Israels.
In mehreren Posts habe al-Sharif zudem das rote Dreieck verwendet, ein Symbol, das von der Hamas zur Markierung von Angriffszielen genutzt wird. In einem Beitrag mit Messer- und Blutdarstellungen glorifiziere sie darüber hinaus den palästinensischen Märtyrer-Kult, der Terroristen als Helden stilisiere und Gewalt moralisch legitimere.
»Einzige logische Konsequenz«
Das Jüdische Forum stellt in seinem Schreiben die grundsätzliche Frage, ob es mit den humanistischen Zielen einer staatlich geförderten Hochschule vereinbar sei, einer solchen Person eine Bühne zu bieten. Besonders irritierend sei, dass öffentliche Mittel für Veranstaltungen eingesetzt würden, während zugleich Mittel für die Bekämpfung von Antisemitismus fehlten.
Antisemitismus dürfe in keiner Form unter Berufung auf Meinungs- oder Kunstfreiheit relativiert werden. Das Forum fordert die Akademie deshalb ausdrücklich auf, die Veranstaltung abzusagen. Dies sei die »einzige logische und moralisch vertretbare Konsequenz«.
Kunstakademie spricht von Verpflichtung zur Kunstfreiheit
Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen nahm die Kunstakademie Düsseldorf Stellung. In ihrer Erklärung betont die Hochschule, sämtliche Veranstaltungen bewegten sich im Rahmen des geltenden Rechts und dienten der Auseinandersetzung mit Kunst, nicht der politischen Positionierung. Antisemitismus, Hassrede, die Verherrlichung terroristischer Gewalt sowie die Infragestellung des Existenzrechts Israels hätten an der Institution keinen Platz. Der Terrorangriff der Hamas sei ein schweres Verbrechen, das in keiner Weise relativiert werden dürfe.
Zugleich verweist die Akademie auf ihre Verpflichtung zur Kunstfreiheit und zum offenen Diskurs. Als Hochschule des Landes Nordrhein-Westfalen ermögliche man studentischen Initiativen, eigene Diskursräume zu eröffnen – auch zu kontroversen Themen. Grundlage der Einladung sei» die international anerkannte künstlerische Arbeit Basma al-Sharifs«, belegt durch Ausstellungen, Festivalteilnahmen und Auszeichnungen.
Die Hochschule habe im Vorfeld Gespräche mit den Studenten geführt und klare Bedingungen formuliert. Die Veranstaltung werde zudem von Studenten »moderiert und kontextualisiert, um einen verantwortungsvollen und respektvollen Rahmen sicherzustellen«.
Abschließend betont die Kunstakademie Düsseldorf, sie nehme ihre Verantwortung als öffentliche Hochschule sehr ernst. Es gehe darum, einerseits Räume für künstlerische Diskussion zu ermöglichen, andererseits »klare Grenzen gegenüber menschenverachtenden, antisemitischen oder gewaltverherrlichenden Positionen« zu ziehen.
Es ist nicht das erste Mal, dass israelfeindliche und antisemitische Redner oder Künstler von deutschen Universitäten eingeladen oder als Gäste geduldet werden. Der Druck auf die Düsseldorfer Kunstakademie wächst jedoch.