Nachrichten

Konzept für Berlin, Bundeswehr in Israel, Antisemitismus in den Medien

Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales in Berlin Foto: imago/Metodi Popow

Konzept für Berlin
Auch das Land Berlin soll einen Antisemitismusbeauftragten erhalten. Das fordert der Berliner Arbeitskreis gegen Antisemitismus, bei dem unter Leitung der Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) Vertreter jüdischer Institutionen und Gemeinden, von Gedenkstätten, Wissenschaftseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen Konzepte gegen Judenhass erarbeiten. Die Entscheidung über die Schaffung dieses Amtes wird laut Chebli bis Ende Februar im Rahmen des Handlungskonzeptes des Berliner Senats fallen. Der Arbeitskreis plädiert zudem für eine detaillierte Erfassung antisemitischer Vorfälle, für mehr Präventions- und Bildungsarbeit von der Kita bis zur Universität und für verpflichtende Fortbildungen unter anderem von Richtern, Staatsanwälten, Polizisten und pädagogischem Personal. Auch an einen Lehrstuhl für außerschulische Bildung mit Schwerpunkt Antisemitismus an einer Berliner Universität wird gedacht. Mitglieder des Arbeitskreises sind unter anderem Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Deidre Berger vom American Jewish Committee, Dervis Hizarci von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und Elke Gryglewski von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. ja/epd

Rechtsextreme Polizisten?
Im Fall eines mutmaßlichen rechtsradikalen Netzwerks bei der Frankfurter Polizei ermittelt das hessische Landeskriminalamt (LKA). Es geht um den Verdacht, dass vier Polizisten und eine Polizistin des 1. Frankfurter Polizeireviers über einen Messenger-Dienst fremdenfeindliche und rechtsextreme Bilder, Videos und Texte ausgetauscht haben. BKA und Staatsanwaltschaft wollten Berichte, wonach das Netzwerk durch ein Drohschreiben gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz aufgeflogen sei, nicht bestätigen. Im August dieses Jahres soll unter dem Stichwort »NSU 2.0« Basay-Ildiz anonym ein Brief zugegangen sein, in dem deren Tochter mit dem Tode bedroht wurde. epd/ja

Antisemitismus in Medien
Der Expertenrat um den baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume will Antisemitismus in den Medien genauer unter die Lupe nehmen. Dazu wird es im Februar eine Klausurtagung geben, teilte das Staatsministerium am Montag in Stuttgart mit. Das Gremium mit 18 Vertretern aus Wissenschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft war am Montag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Blume sagte: »In jüngster Zeit beobachten wir vor allem, wie der Hass im Netz aus der Virtualität in das echte Leben übergreift.« epd

Bundeswehr in Israel
Die Bundeswehr wird ab Ende Januar 2019 auf dem israelischen Luftwaffenstützpunkt Tel Nof Kampfdrohnen stationieren und dort Zahal-Piloten sowie Nutzlastoperateure ausbilden. Dies teilte die Bundesregierung auf Anfrage des Linke-Abgeordneten Andrej Hunko mit. Grundlage sei eine Regierungsvereinbarung zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder. Bundestagsabgeordnete könnten Besuche des Stützpunktes Tel Nof beantragen. Hunko teilt mit, dass ein angemeldeter Besuch von ihm und einem anderen Linke-Abgeordneten in Tel Nof kurzfristig abgesagt worden sei, weil der Stützpunkt für Luftangriffe in Gaza benötigt würde. Daher, so Hunko, müsse die Stationierung der Kampfdrohnen rückgängig gemacht werden. ja

Stolpersteine in Lörrach?
In der badischen Stadt Lörrach gibt es bislang keine »Stolpersteine«, weil die jüdische Gemeinde dagegen votiert hatte. Nun aber hat sich Moshe Flomenmann, Gemeinderabbiner in Lörrach und Landesrabbiner in Baden, für Stolpersteine als »würdige Gedenkform« ausgesprochen, wie die Badische Zeitung berichtet. Hanna Scheinker, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach, sagte nun, die Gemeinde solle entscheiden. Am 20. Dezember soll abgestimmt werden. Scheinker will ihre Meinung nicht vorab mitteilen, sie werde die Entscheidung der Mitglieder mittragen. ja

Prag

Tschechisches Außenministerium bestellt nach Drohungen iranischen Botschafter ein

Irans Militär nennt persischsprachige Exilmedien als mögliche Angriffsziele. Wie der EU- und Nato-Mitgliedstaat Tschechien auf die neue Bedrohungslage reagiert

 27.08.2026

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung zu kriminalisieren

Vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026