SPD

»Kein Interesse an Frieden«

Umstritten: SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold Foto: dpa

Vor einer »Spirale der Gewalt« hat Rainer Arnold gewarnt, und zum Nahostkonflikt ist der SPD-Verteidigungsexperte noch deutlicher geworden. »Offensichtlich hat keine der beiden Seiten ein wirkliches Interesse an einem dauerhaften Frieden«, sagte Arnold im Interview mit einem Regionalableger der Parteizeitung »Vorwärts«. »Die radikalen Kräfte in beiden Lagern heizen den Konflikt immer wieder an und lösen so entsprechende Reaktionen auf der Gegenseite aus.«

brief Arnolds Interview hat ihm parteiintern heftige Kritik eingebracht. Von einem »Tabubruch« spricht Reinhold Robbe, SPD-Politiker, früherer Wehrbeauftragter des Bundestags und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Arnold setze Israels Regierung mit der Hamas gleich, »ohne auch nur mit einem Wort auf den historischen Hintergrund des Gaza-Konflikts und dabei insbesondere auf die Gewalteskalation der letzten Monate einzugehen«, schreibt Robbe in einem Brief an den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann.

Darin führt Robbe auch aus, dass »nicht einmal aus Staaten, die Israel wenig wohlgesonnen sind«, derartige Kritik zu hören sei. Robbe spricht davon, dass sich der Verteidigungspolitiker »in vereinfachender und geradezu populistischer Weise« geäußert habe.

völkerrecht Arnold hatte in dem Interview unter anderem ausgeführt, »mit jeder Siedlung, die Israel rechtswidrig in den palästinensischen Gebieten errichtet«, rücke eine Friedenslösung in weite Ferne. Er forderte den jüdischen Staat auf, den Palästinensern »eine faire Chance auf ein menschenwürdiges Dasein und positive Zukunftsperspektiven« zu eröffnen. Arnold räumte zwar ein, dass Israel seine Bürger vor Angriffen der Hamas schützen müsse, schob aber nach, die vielen zivilen Opfer zeigten, »dass die israelische Armee hier die vom Völkerrecht geforderte Verhältnismäßigkeit der Mittel oft völlig missachtet«.

Während Oppermann und die übrige Parteispitze zu Arnolds Äußerungen und zu Robbes Kritik schweigen, will Arnold selbst keinen Deut zurückweichen. »Ich habe für das Interview viel Zustimmung aus der SPD erhalten«, äußerte er gegenüber der Zeitung »Die Welt«.

Vor wenigen Wochen hatte sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner gegen Rüstungslieferungen nach Israel ausgesprochen und war dafür unter anderem von Robbe scharf kritisiert worden. ja

Debatte

Laschet wirft EU-Außenbeauftrager Kallas Antisemitismus vor

Die EU-Außenbeauftragte hatte Israel mit Apartheids-Südafrika verglichen. Jetzt fordert der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ihren Rücktritt

 14.06.2026

Hessen

Lehrer nach Kritik an Krieg in Gaza suspendiert

Seine Instagram-Posts über den Gaza-Krieg wurden ihm zum Verhängnis: Bereits seit Ende 2025 ist ein hessischer Gymnasiallehrer mit einem Dienstverbot belegt. Gerichte müssen klären, ob die Suspendierung des Pädagogen verhältnismäßig war

 14.06.2026

Wahlen

Wie CDU und SPD Ministerpräsidenten-Ämter im Osten verteidigen wollen

Die AfD will in Ostdeutschland nach der Macht greifen. CDU und SPD zeigen, wie sie den Kampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aufnehmen wollen - und setzen unterschiedliche Akzente

von Christopher Kissmann, Iris Leithold, Verena Schmitt-Roschmann, Basil Wegener  14.06.2026

Wirtschaft

Hacker greifen staatliche Banken in Iran an

Ein Hackerangriff hat mehrere staatliche Banken im Iran getroffen. Zeitweise waren Online‑Zahlungen im ganzen Land gestört – ein weiterer Schlag gegen Irans ohnehin fragile Infrastruktur

 14.06.2026

Iran

Getöteter Ayatollah Chamenei soll am 9. Juli beerdigt werden

Die Beisetzung von Ajatollah Chamenei findet im Trauermonat Muharram statt – Millionen Menschen sollen Abschied nehmen. Unklar ist, ob sein Sohn und Nachfolger Modschtaba teilnimmt

 14.06.2026

Krieg

Wird noch heute ein Iran-Abkommen unterzeichnet?

Laut US-Präsident Trump und dem Vermittler Pakistan soll bereits heute eine erste Übereinkunft zur Beendigung des Iran-Kriegs unterzeichnet werden. Wird es tatsächlich dazu kommen?

 14.06.2026

USA

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem

von Anna Ringle  14.06.2026 Aktualisiert

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert