Deutsche Bahn

Kein Anne-Frank-Zug

Foto: dpa

Deutsche Bahn

Kein Anne-Frank-Zug

Nach Kritik: Konzern räumt ein, Thema »falsch eingeschätzt und damit Gefühle verletzt« zu haben

 01.03.2018 09:52 Uhr

Nach Kritik an einem geplanten Anne-Frank-Zug verzichtet die Deutsche Bahn auf die Benennung ihrer neuen ICE4 nach historischen Persönlichkeiten.

»Wir haben das ursprüngliche Namenskonzept überarbeitet, weil wir die Kritik nachvollziehen konnten«, sagte ein Bahn-Sprecher am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er bestätigte damit einen Bericht der »Bild«-Zeitung (Donnerstag). Das jüdische Mädchen Anne Frank war 1944 mit einem Zug in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden.

botschafter Anstatt der Benennung nach Personen wolle die Bahn ihre neuen ICE4 nun zu Botschaftern für die »schönsten Seiten Deutschlands« machen, sie also nach Regionen, Flüssen oder Bergen benennen, sagte der Sprecher. Geplant seien etwa die Bezeichnungen »Bodensee«, »Bayerischer Wald«, »Eifel« und »Spree«.

Der bereits im Herbst 2016 nach dem Reformator Martin Luther benannte ICE werde aber seinen Namen behalten, erklärte der Sprecher. Die Entscheidung sei damals »aufgrund der überragenden Bedeutung des 500. Reformationsjubiläums getroffen« worden. Martin Luther (1483–1546) hatte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Der ICE »Martin Luther« war der erste Zug der Deutschen Bahn, der nach einer Persönlichkeit benannt wurde. Ansonsten tragen die ICEs bisher nur Städtenamen.

namenspaten Die 25 vorgesehenen Namenspaten für die neuen Züge hatte die Bahn im Oktober vergangenen Jahres bekannt gegeben. Unter anderen bei jüdischen Organisationen hatte der geplante Anne-Frank-Zug Kritik hervorgerufen. Ein Bahn-Sprecher sagte der »Bild«: »Wir müssen einräumen, dass wir das Thema leider falsch eingeschätzt und damit Gefühle verletzt haben.« Die Verstrickung von Reichsbahn und NS-Staat sei ein »dunkles Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn«.

Die 1929 in Frankfurt am Main geborene Anne Frank wurde 1944 von Amsterdam nach Auschwitz und später nach Bergen-Belsen deportiert. Dort starb sie 1945 an Typhus. Ihre Tagebücher werden heute weltweit gelesen. epd

Kommentar

Was hat Künstliche Intelligenz mit Antisemitismus zu tun?

Ein Zwischenruf von dem Holocaust-Überlebenden Roman Haller

von Roman Haller  27.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Teheran

Bericht: Internetsperre im Iran teilweise aufgehoben

Nach mehr als zwei Monaten ist das Internet im Iran laut einem Bericht teilweise wieder erreichbar. Ob die Aufhebung der Sperre dauerhaft bleibt, ist noch offen

 26.05.2026

Texas

»Ich bin gegen zionistische Juden«: Schwere Vorwürfe gegen Kandidatin der Demokraten

Maureen Galindo will ein »Gefängnis für amerikanische Zionisten« einrichten

 26.05.2026

Förderung

Bundesrechnungshof rügt Auswärtiges Amt wegen Geld für Islamic Relief

Islamic Relief Deutschland präsentiert sich als humanitäre Hilfsorganisation. Und erhielt Förderung des Auswärtigen Amtes. Der Bundesrechnungshof rügt das: Es gebe Verbindungen zur Muslimbruderschaft

von Christoph Arens  26.05.2026

Mexiko-Stadt

Mexiko nimmt iranische Nationalmannschaft während der WM auf

Präsidentin Claudia Sheinbaum sagt, die USA hätten angefragt, ob die Iraner in ihrem Land übernachten könnten. »Und wir haben gesagt: Ja, ohne Problem, wir haben damit überhaupt kein Problem.«

 26.05.2026

Teheran

Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Während des Krieges wollte das Regime offenbar verhindern, dass Berichte, Bilder über das Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden

 26.05.2026

Bilbao/Wien

Festnahmen und Tumulte um Gaza-Flottillen-Aktivisten in Spanien und Österreich

Teils chaotische Szenen mit Rangeleien und dem Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden von den Flughäfen in Bibao und Wien gemeldet

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026