Nahost

Katar hält Vernichtung der Hamas für kaum möglich

Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ist Ministerpräsident und Außenminister Katars. Foto: picture alliance / Anadolu

Das im Gaza-Krieg vermittelnde Golfemirat Katar hält die von Israel als Kriegsziel genannte Vernichtung der Terrororganisation Hamas für kaum realisierbar. »Man wird die Hamas nicht so einfach vernichten können. Ob wir mit ihr übereinstimmen oder nicht, sie ist Teil der Gesellschaft in Gaza und auch im Westjordanland«, sagte der katarische Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.

Katar habe seine Beziehungen zur Hamas aufgebaut, »um Ruhe und Stabilität in der Region zu bewahren«. Wenn sein Land dann sehe, dass ein Krieg ausbreche, dann würden diese Kommunikationskanäle – wie bereits in der Vergangenheit – genutzt.

Der Führung in Katar wurde vor dem aktuellen Krieg vorgeworfen, die Hamas zu unterstützen. Doha wies dies stets als falsch zurück.

Eigener Staat

Mit Blick auf die israelische Regierung sagte Al Thani, man müsse sich nicht mögen. Er könne nicht mit einer Politik einverstanden sein, die sich weigere, das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat auch nur in Betracht zu ziehen und im Westjordanland »kriminelle Landnahme von Siedlern« schütze.

Tatsächlich hat Israel seit 1948 allen Friedensabkommen zugestimmt, die den palästinensischen Arabern einen eigenen Staat einräumten, während die Palästinenserführung alle Vorstöße dieser Art ablehnte. Dies galt selbst, als ihnen 94 Prozent des Westjordanlandes und Gaza sowie Autonomie Ost-Jerusalem angeboten wurden.

»Am Ende haben wir eine Arbeitsbeziehung. Wir haben Kontakte, arbeiten mit ihnen zum Wohl der Palästinenser. Und Israel weiß, wie effektiv diese Arbeitsbeziehung ist.« Al Thani fügte hinzu, Israel habe Katar »in den vergangenen Jahren immer wieder um Hilfe dabei gebeten, Ruhe in Gaza und der Region sicherzustellen«. »Wir liefern. Wir retten Leben. Wir haben schwierige Verhandlungen geführt.«

»Politische Ideologien«

Auf die Frage, ob Katar Sympathien für die Hamas hege, antwortete Al Thani: »Wir sympathisieren mit der palästinensischen Bevölkerung und der palästinensischen Sache. Wir haben Sympathie für die Menschen, die seit Jahrzehnten leiden. Und wir werden alles tun, was dem palästinensischen Volk hilft. Unsere Unterstützung gilt nicht politischen Parteien oder politischen Ideologien.«

Al Thani tadelte Europäer, die Israel für seine Kriegsführung in Gaza nicht stark genug kritisierten. »Es scheinen unterschiedliche Maßstäbe für die Verpflichtungen durch das humanitäre Völkerrecht zu gelten. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber darüber herrscht hier große Enttäuschung«, sagte er und appellierte an die Staaten der Region, eine Lösung für den Konflikt voranzubringen. »Es ist an der Zeit, dass wir als Region unsere Pflicht tun – und dass Israel seine Pflicht erfüllt, um einen Frieden zu ermöglichen.«

Die Terroristen der Hamas waren es jedoch, die mit ihrer Attacke auf Israel am 7. Oktober diesen Krieg begannen, als sie 1200 Israelis regelrecht abschlachteten. Weiterhin hält die Terrororganisation etwa 180 Geiseln. Ziel Israels ist es, sie zu befreien und dafür zu sorgen, dass die Hamas nicht mehr in der Lage ist, Angriffe zu starten.

»Positive Dynamik«

Eine Verlängerung der am Dienstag auslaufenden Feuerpause hält Al-Thani für möglich. Mit der Einigung zwischen Israel und der Hamas über die Freilassung von Geiseln aus dem Gazastreifen und der Kampfpause sei es »zumindest gelungen, eine positive Dynamik zu erzeugen«.

Er hoffe, jetzt darauf aufbauen zu können. »Jetzt, wo Geiseln freigelassen werden und es Pausen bei den Kämpfen gibt, gelingt es uns vielleicht, eine Lösung zu finden.« dpa/ja

Teheran

Irans Außenminister behauptet, Israel wolle USA in Krieg ziehen

Irans Außenminister wirft Israel vor, die USA in einen Krieg zu locken. Was steckt hinter seinen Worten?

 14.01.2026

Kairo

Hamas-Gespräche über zweite Phase im Friedensplan für Gaza

Die Terrororganisation schickt eine Delegation nach Ägypten, um über die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens mit Israel zu verhandeln

 14.01.2026

Brüssel

Umgang mit Irans Revolutionsgarden spaltet EU

Die Bundesregierung wirbt in der EU für eine Terror-Listung der iranischen Revolutionsgarden. Eine Sitzung in Brüssel sorgt aber eher für Ernüchterung

 14.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-jähriger Mann hat am Dienstag vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand gesetzt und den Hitlergruß gezeigt. Die Jüdische Gemeinde zu Gießen vermutet einen antisemitischen Hintergrund

von Michael Thaidigsmann  14.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026

Teheran

Irans Führung mobilisiert Anhänger für Trauerzüge

Im Iran kehrt nach den Massenprotesten wieder mehr Ruhe ein. Die politische Führung mobilisiert Anhänger für Trauerzeremonien für getötete Sicherheitskräfte

 14.01.2026

Frankreich

Macron empört über Schulbuch-Formulierung zum 7. Oktober

Eine Publikation des renommierten Verlags Hachette sorgt in Frankreich für Wirbel. Jetzt hat sich auch der französische Staatspräsident in die Debatte eingeschaltet

 14.01.2026

Berlin

Demonstranten entfernen Flagge der iranischen Botschaft

Seit Ende Dezember gibt es anhaltende Proteste im Iran. Menschenrechtsorganisationen berichten von Tausenden Toten. In Berlin drangen Personen auf das Gebiet der Botschaft ein

 14.01.2026

Berlin

Grüne Woche: Welche Rolle spielte die Messe im Nationalsozialismus?

Die Landwirtschaftsmesse hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens verändert. Wie sie zu ihrem Namen kam und welche Rolle sie in Nazi-Deutschland spielte

von Matthias Arnold  14.01.2026