USA

Kapitol-Sturm: Ex-Mitglied der Proud Boys muss 17 Jahre in Haft

Stürmung des Kapitols durch Pro-Trump-Anhänger Foto: imago images/Pacific Press Agency

Ein ehemaliges ranghohes Mitglied der rechtsextremen US-Gruppe Proud Boys ist am Donnerstag wegen seiner Beteiligung am Sturm auf das Kapitol in Washington zu 17 Jahren Haft verurteilt worden. Joseph Biggs und andere Proud Boys durchbrachen im Januar 2021 Polizeisperren und drangen in das Gebäude ein - mit dem Ziel, eine Sitzung des Kongresses zur Bestätigung des Wahlsieges von Joe Biden zu stören und Donald Trump als Präsident im Amt zu halten.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen aufrührerischer Verschwörung, einem Delikt aus der Zeit des Bürgerkriegs, 33 Jahre Haft für Biggs gefordert, der sich selbst als ein Organisator für die Proud Boys beschrieb. »Ich weiß, dass ich an diesem Tag Mist gebaut habe«, sagte Biggs dem Richter vor seiner Verurteilung. »Aber ich bin kein Terrorist.«

Ein Mitstreiter von Biggs, der ebenfalls am Sturm auf das Kapitol beteiligt war, wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. In einer Videoaufnahme war zu sehen, wie Zachary Rehl eine ätzende Chemikalie auf Vollzugsbeamte sprühte. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn 30 Jahre Haft gefordert. Die Strafen gehören zu den längsten, die bisher im Zusammenhang mit dem Kapitol-Sturm verhängt wurden.

Durch den Angriff sei ein »wichtiger amerikanischer Brauch« mit Füßen getreten worden, sagte Richter Timothy Kelly. »Dieser Tag brach mit unserer Tradition der friedlichen Machtübergabe, die zu den wertvollsten Dingen gehörte, die wir als Amerikaner hatten.«

Der Richter wird noch drei weitere Proud Boys separat verurteilen, die im Mai von einem Geschworenengericht nach einem viermonatigen Prozess in Washington schuldig gesprochen worden waren.

Das Urteil gegen den früheren Anführer der Proud Boys, Enrique Tarrio, wird am Dienstag erwartet. Der Mann aus Miami war am 6. Januar 2021 nicht selbst in Washington, weil Tarrio zwei Tage zuvor bei einer Kundgebung in der Hauptstadt ein Transparent der Bewegung Black Lives Matter verunstaltet hatte und deswegen kurzzeitig verhaftet worden war. Ein Richter hatte daraufhin angeordnet, dass er Washington verlassen müsse, was er tat. Tarrio wählte nach Angaben der Anklage Biggs und Ethan Nordean aus, um die Aktivitäten der Gruppe in seiner Abwesenheit vor Ort zu leiten. Auch für Tarrio forderte die Staatsanwaltschaft 33 Jahre Haft, für Nordean 27 Jahre. Ihre Anwälte argumentierten, dass das Justizministerium ihre Mandanten zu Unrecht für die gewaltsamen Handlungen anderer Personen in der Menge der Trump-Anhänger vor dem Kapitol verantwortlich machte.

Im Zusammenhang mit den Vorfällen in Washington wurden mehr als 1100 Verdächtige angeklagt. Mehr als 600 von ihnen wurden bereits verurteilt. Die bisher längste Haftstrafe erhielt der Gründer der rechtsextremen Gruppe Oath Keepers, Stewart Rhodes, der zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. ap

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Jan-Philipp Hein

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026

Offenburg

Özdemir zu Berliner Linken: Mit so jemandem nicht koalieren

Cem Özdemir lehnt eine Zusammenarbeit der Grünen mit der Linken in Berlin ab. Zwar verweist er auf gute Erfahrungen mit der Partei in anderen Ländern, in Berlin sieht er die Lage anders

 18.10.2026