Interview

»Jüdisches Leben sichern«

Herr Minister, in der vergangenen Woche hat die Bundesregierung mit dem Zentralrat der Juden einen neuen Staatsvertrag abgeschlossen. Wie kam es zu der darin vereinbarten Verdoppelung der Zuschüsse von fünf auf zehn Millionen Euro?
Wir wollen das deutsch-jüdische Kulturerbe erhalten und pflegen. Nach Gesprächen mit dem Präsidium des Zentralrats der Juden habe ich mich für die Aufstockung eingesetzt. Die Leistungen sollen allen Richtungen des Judentums in Deutschland zugutekommen.

Betrachten Sie dies als Garantie für die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft?
In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir erfreulicherweise einen starken Zuwachs bei der jüdischen Gemeinde. Die jetzt vereinbarten Leistungen geben der jüdischen Gemeinschaft die Möglichkeit, jüdisches Leben in Deutschland zukunftssicher zu machen. Ich bin überzeugt, dass der Zentralrat diese Chance, aber auch die Verantwortung wahrnimmt.

Welche Aufgaben sind jetzt vorrangig?
Der Zentralrat weiß am besten, mit welchen Maßnahmen das jüdische Leben in Deutschland gefördert werden kann. Mir ist wichtig, dass der innere Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und in allen Richtungen des Judentums, die vom Zentralrat vertreten werden, gewahrt bleibt.

Der Zentralrat fordert ein NPD-Verbot. Sie standen einem Verbotsverfahren bislang eher skeptisch gegenüber. Haben sich die Positionen inzwischen angenähert?
Wir sind uns einig: Wenn am Ende eines solchen Verbotsverfahrens die NPD als Gewinner dastünde, wäre das eine Katastrophe. Deswegen können wir ein Verbotsverfahren nur beantragen, wenn wir damit vor Gericht bestehen können. Die Risiken müssen also klar bestimmt und gegeneinander abgewogen werden. Dies ist einer der zentralen Punkte, mit denen sich die von Sachsen-Anhalt initiierte Bund-Länder-Arbeitsgruppe befasst. Bund und Länder müssen im Übrigen in dieser Sache an einem Strang ziehen, wenn wir Erfolg haben wollen.

Sehen Sie jetzt eine neue Ausgangslage für ein Verbotsverfahren?
Es wird sicherlich kein schnelles Verbot geben. Insgesamt hat die Diskussion um das NPD-Verbot eine neue Dynamik erhalten. Wir werden bei der Innenministerkonferenz in dieser Woche sehr eingehend über das Thema sprechen. Eines ist klar, wir wollen am Ende die NPD verboten haben. Deswegen muss jetzt sehr genau und sehr präzise geprüft und anhand von Kriterien überlegt werden, wie man ein solches Verbot zum Erfolg führen kann.

Wie bewerten Sie die vom rechtsextremistischen Terror ausgehende aktuelle Gefahr für Juden in Deutschland?
Nach unseren Erkenntnissen hat sich die Gefährdungslage für Juden in Deutschland auch nach der Aufdeckung der Zwickauer Zelle nicht geändert. Wir tun alles, damit Juden in Deutschland sicher leben können.

Das Interview mit dem Bundesinnenminister führte Detlef David Kauschke.

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert

Wiesbaden

Hessen verbietet Verein Palästina e.V.

Sechs Objekte durchsucht, 35 Polizisten im Einsatz: Mit diesem Vereinsverbot geht Hessens Innenministerium gegen antisemitische Propaganda vor

 18.08.2026