Meinung

Jüdisch, queer und selbstbewusst

Monty Ott

Meinung

Jüdisch, queer und selbstbewusst

Monty Ott fordert Unterstützung für nicht-heterosexuelle Juden

von Monty Ott  15.11.2018 18:39 Uhr

In den vergangenen Jahren hat die Emanzipation nicht-heterosexueller Lebensentwürfe historische Sprünge gemacht. 1994 wurde der Paragraf 175 endgültig abgeschafft, 23 Jahre später findet die rechtliche Gleichstellung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland statt. Die Wahrnehmung von Lebensweisen außerhalb des Mainstreams hat sich zwar grundlegend verändert, doch braucht es immer noch viel Mut, sich zu outen.

Yachad Es hat immer Menschen gegeben, die einerseits für einen gesellschaftlichen Wandel gekämpft haben und andererseits auch Schutzräume aufbauen wollten. Yachad war in der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands lange Zeit ein solcher Ort für queere Juden.

Keshet Deutschland möchte ein psychosoziales Hilfsangebot schaffen, das queere Juden bei ihrer Identitätssuche unterstützt.

Nachdem der Verein inaktiv wurde, entstand ein Vakuum an dieser Stelle. Hier und da wurden Gemeinden gegründet, die sich explizit als LGBTQI-inklusiv verstanden. Doch fehlte es an einer bundesweiten Infrastruktur, die diese Kraftanstrengungen bündelt und professionelle Unterstützung bereitstellt. Es fehlte eine Anlaufstelle für viele junge und nicht mehr ganz so junge Juden, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden. Es fehlte an Orten und Hilfsangeboten für Menschen, die einen doppelten Leidensdruck empfinden.

Bildungsarbeit Wir als »Keshet Deutschland« wollen dieses Angebot schaffen. Wir wollen die einzelnen Bemühungen, die es bisher gibt, miteinander vernetzen und darüber hinaus ein psychosoziales Hilfsangebot schaffen, das queere Juden bei ihrer Identitätssuche unterstützt. Auf die Vorbehalte und Ressentiments, die es im Jahr 2018 immer noch gibt, wollen wir mit Empowerment und Bildungsarbeit reagieren.

Ziel ist, in ganz Deutschland Freiräume zu schaffen, damit queere Juden ein positives Verhältnis zu ihrer sexuellen und ihrer jüdischen Identität entwickeln und diese miteinander versöhnen können. Es ist kein und war nie ein Widerspruch, jüdisch und queer zu sein! Wir sind ein Teil der neuen jüdischen Vielfalt, und wir tun dem Judentum in Deutschland gut.

Der Autor ist Vorsitzender der neu gegründeten Initiative »Keshet Deutschland«.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Berlin

Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

 18.05.2026

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  18.05.2026

Mailand

Provokantes »Hitler mit Kufiya«-Mural bei israelfeindlicher Demonstration aufgetaucht

Nach Angaben des Künstlers versteht sich die Aktion als Warnung vor wachsender gesellschaftlicher Radikalisierung und der zunehmenden Normalisierung antisemitischer Sprache

 18.05.2026

Washington D.C.

Mutmaßlicher Drahtzieher von Angriffen auf jüdische Einrichtungen vor Gericht

Auch für einen Brandanschlag auf ein jüdisches Restaurant in München soll Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi verantwortlich sein

 18.05.2026

Initiative

Offener Brief jüdischer Organisationen an Berliner Senatorin

Nachdem eine Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen die Freie Universität Berlin für unzulässig erklärt worden ist, fordern jüdische Organisationen eine Gesetzesänderung

 18.05.2026 Aktualisiert

Potsdam

Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

Der Extremismusforscher Botsch erklärt, warum die Bereitschaft wächst, die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei zu wählen - ungeachtet ihrer Entwicklung

von Marc-Oliver von Riegen  18.05.2026

Ramallah

Abbas will blockierte Gelder als Terror-Renten verwenden

In Zusammenhang mit Israels Entscheidung, Teile der Steuereinnahmen für die PSA einzubehalten, spricht der Palästinenserpräsident von einem Rechtsbruch, will aber weiterhin illegale Terror-Renten bezahlen

 18.05.2026

Pilsen

Wie es mit Marla Svenja Liebich weitergehen könnte

Nach monatelanger Fahndung wurde die Rechtsextremistin gefasst. Seit einigen Wochen sitzt sie in Tschechien in Haft. Ein Gericht dort will nun über eine Auslieferung entscheiden

 18.05.2026