Meinung

Judith Butlers unkritische Theorie

Wenn man dem Kuratorium des Adorno-Preises glauben darf, dann ist es »eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit«, die im Jahr 2006 an der University of Berkeley in Kalifornien Folgendes gesagt hat: »Es ist extrem wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale Bewegungen zu verstehen, die progressiv sind, die links stehen, die Teil der globalen Linken sind.« Bei derselben Gelegenheit sprach die maßgebliche Denkerin auch von der »mächtigen Israel-Lobby«, die es zu kritisieren gelte. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Person, von der die Rede ist, seit Jahren die Kampagne gegen Israel »Boycott, Divestment and Sanctions« unterstützt und fordert, israelische kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen konsequent zu boykottieren.

Die Rede ist von Judith Butler, jener berühmten poststrukturalistischen Gender-Theoretikerin, die sich in ihren Büchern unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie mittels Sprache Hass und Gewalt ausgeübt werden. Ihr wird nun am 11. September in der Frankfurter Paulskirche der mit 50.000 Euro dotierte Theodor-W.-Adorno-Preis verliehen. Kritiker wie der Autor Thomas von der Osten-Sacken und Zentralrats-Generalsekretär Stephan J. Kramer weisen auf die Ironie hin, dass eine bekennende Israelboykotteurin und Verharmloserin des Terrors gegen Juden einen Preis bekommt, der nach einem jüdischen Philosophen benannt ist, der vor den Nazis fliehen musste.

verquastheit Darüber, was der kritische Theoretiker aus Frankfurt über den Staat Israel gedacht hat, ist allerdings erstaunlich wenig bekannt. Öffentlich geäußert hat Adorno sich dazu nie. Gemeinsam sind der Preisträgerin und dem Namensgeber immerhin sowohl die Unverständlichkeit und Verquastheit des Stils als auch die diffuse Zivilisationskritik.

Judith Butler sollte den Adorno-Preis dennoch nicht erhalten. Auch dann nicht, wenn er nach jemand anderem benannt wäre. In der Begründung des Kuratoriums, warum Butler den Preis verliehen werde, heißt es nämlich, sie sei »dem Paradigma der kritischen Autonomie verpflichtet«. Dies klingt angesichts ihrer Äußerungen zu Israel und der Hamas wie reiner Hohn. Das entsprechende Engagement der Philosophin, die explizit ihre Jüdischkeit betont, zeugt vielmehr von dem Bedürfnis, im warmen Gemeinschaftsgefühl der akademischen, geisteswissenschaftlichen Linken in Berkeley und anderswo aufgehoben zu sein – darin drückt sich Butlers Konformismus aus. Kritische Autonomie würde sich vielmehr darin äußern, sich dem eigenen Milieu, das immer schon gegen den jüdischen Staat Partei ergriffen hat, entgegenzustellen – mit Worten von Gewicht.

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Demo, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026