Studie

Jeder Dritte vertritt ausländerfeindliche Positionen

Im Vergleich zur letzten Erhebung 2016 ist die Ausländerfeindlichkeit bundesweit um knapp vier, in Ostdeutschland sogar um acht Prozent gestiegen. Foto: Verfügbar für Kunden mit Rechnungsadresse in Deutschland.

Ausländerfeindlichkeit hat einer Studie der Universität Leipzig zufolge in Deutschland erneut zugenommen. Demnach vertritt etwa jeder dritte Deutsche mittlerweile ausländerfeindliche Positionen, heißt es in der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Langzeitstudie zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen. Besonders deutlich sei der Zuwachs in Ostdeutschland.

Im Vergleich zur letzten Erhebung 2016 sei die geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit bundesweit um knapp vier auf 24,1 Prozent angestiegen, in Ostdeutschland sogar um acht Prozentpunkte auf knapp 31 Prozent. Extremer war die Ablehnung von Ausländern, Migranten und Minderheiten speziell im Osten zuletzt 2012, als das Land mit den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen hatte.

ARBEITSPLÄTZE So stimmen insgesamt 36 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass Ausländer nur hierherkommen, um den Sozialstaat auszunutzen, im Osten sogar knapp die Hälfte. Über ein Viertel würden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken, wenn in Deutschland die Arbeitsplätze knapp werden (Ost: 32 Prozent, West: 25 Prozent). Rund 36 Prozent halten die Bundesrepublik durch Ausländer in einem gefährlichen Maß für überfremdet (Ost: 44,6 Prozent, West: 33,3 Prozent).

Befragt wurden für die Leipziger Autoritarismus-Studie im Frühjahr 2018 knapp 2000 Menschen in West und knapp 500 Menschen in Ost in sogenannten Face-to-Face-Interviews. Die Untersuchung wird seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt und hieß bis 2016 »Mitte-Studie«.

Die Abwertung von Gruppen, die als »fremd« oder »abweichend« wahrgenommen werden wie Sinti und Roma, Asylbewerber und Muslime steige besonders an, sagte Studienleiter Oliver Decker.

MUSLIME Erschreckend hoch sei dabei die Abwertung von Muslimen. 56 Prozent stimmen der Aussage zu, sie fühlten sich durch die vielen Muslime als Fremde im eigenen Land (2014: 43 Prozent). 44 Prozent würden Muslimen eine Zuwanderung nach Deutschland untersagen (2014: 36,5 Prozent).

Ähnliches zeigt sich beim Antiziganismus. 56 Prozent der Deutschen geben zu, Probleme damit zu haben, wenn sich Roma und Sinti in ihrer Gegend aufhalten, 50 Prozent wollen sie aus den Innenstädten verbannen, 60 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Sinti und Roma zur Kriminalität neigen. Bei den Ostdeutschen sind es sogar 70 Prozent.

Studienleiter Oliver Decker spricht deshalb auch von einer hohen autoritären Aggressionsbereitschaft gegenüber der Minderheit. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sieht sich darin bestätigt, dass die jahrhundertealten Klischees des Antiziganismus in der Mitte der Gesellschaft präsent sind, wie Rose am Mittwoch erklärte.

ANTISEMITISMUS Auch Antisemitismus ist weit verbreitet. Jeder Zehnte findet ausdrücklich, »dass Juden etwas Besonderes an sich haben und nicht so recht zu uns passen«, weitere 20 Prozent stimmen dieser Aussage latent zu. Zwar gingen in Westdeutschland antisemitische Ansichten von fünf Prozent im Jahr 2016 auf heute 4,2 Prozent zurück. Dafür stiegen die Werte im Osten von 4,1 Prozent im Jahr 2016 auf 5,2 Prozent an. Wenn bis zu einem Drittel antisemitischen Aussagen zumindest teilweise zustimmten, bewege sich das nach wie vor in gefährlichen Größenordnungen, sagte Decker.

Eine der Hauptursachen für rechtsextreme Einstellungen ist laut Co-Studienleiter Elmar Brähler Autoritarismus als Persönlichkeitseigenschaft. Menschen mit autoritärem Charakter neigten zu rigiden Ideologien, sagte der Professor für Medizinsoziologie und -psychologie.

Unter den Deutschen zeigten rund 40 Prozent autoritäre Merkmale, nur 30 Prozent seien ausdrücklich demokratisch orientiert. So sympathisieren 44 Prozent manifest oder latent mit einer rechtsautoritären Diktatur, unter den Ostdeutschen sogar über die Hälfte. Autoritäre Aggressionen seien bei 65 Prozent der Deutschen tiefgreifend ausgeprägt. epd

Prag

Tschechisches Außenministerium bestellt nach Drohungen iranischen Botschafter ein

Irans Militär nennt persischsprachige Exilmedien als mögliche Angriffsziele. Wie der EU- und Nato-Mitgliedstaat Tschechien auf die neue Bedrohungslage reagiert

 27.08.2026

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung zu kriminalisieren

Vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026