Interview

»Jeden Tag etwas Neues lernen«

Militärrabbiner Konstantin Pal Foto: Deutsche Marine

Interview

»Jeden Tag etwas Neues lernen«

Militärrabbiner Konstantin Pal über seinen ersten Einsatz, jüdische Seelsorge und den Alltag an Bord eines Flaggschiffs

von Katrin Richter  20.03.2024 09:15 Uhr

Rabbiner Pal, Sie sind seit über zwei Wochen vor der norwegischen Küste als Militärrabbiner auf dem Flaggschiff »Donau« unterwegs, das einen Minenabwehrverband der NATO führt. Wie geht es Ihnen?
Mir geht es sehr gut, ich lerne jeden Tag etwas Neues, begegne neuen Menschen. Der Alltag auf einem Schiff unterscheidet sich enorm von dem im zivilen Leben. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass meine Zeit hier eine Bereicherung für mein Leben ist.

Was sind Ihre Aufgaben?
Ich gehöre zum Stab und bin für die Seelsorge an Bord zuständig. Wir sind ja derzeit auf einer NATO-Mission; ein Minensuchverband, bestehend aus fünf Minensuchbooten und dem Flaggschiff.

Mussten Sie schon als Seelsorger tätig werden?
Einige Soldatinnen und Soldaten kamen auf mich zu, und wir haben miteinander gesprochen.

Sie sind seit 100 Jahren der erste Militärrabbiner in Deutschland, was bedeutet das für Sie?
Ich beginne etwas Neues, was hoffentlich in zehn oder 20 Jahren als etwas völlig Normales und Alltägliches wahrgenommen werden wird.

Wie hat die Besatzung auf Sie reagiert?
Ich würde sagen, gut bis überrascht. Die meisten konnten damit wenig anfangen, weil sie einen Militärrabbiner noch nie gesehen haben. Die Soldatinnen und Soldaten wissen schon, dass es eine jüdische Militärseelsorge gibt, aber sie ist für sie noch ein wenig abstrakt.

Gibt es denn auch jüdische Besatzungsmitglieder?
Derzeit wohl nicht. Ein jüdischer Kamerad war vor mir an Bord, wir haben uns verpasst, weil er zwei Monate unterwegs war.

Erhalten Sie extra Essen?
Ich musste mich mit der Kombüse ein bisschen absprechen, dass ich kein Fleisch esse, sondern vegetarisch, aber das ist überhaupt kein Problem. Es ist alles machbar, man muss nur miteinander reden, dann klappt es auch.

Wie war der erste Schabbat an Bord?
Ganz erholsam, ganz anders. Wir waren in Hammerfest. Ich habe für mich ein bisschen in meinem stillen Kämmerlein gefeiert, aber es ist eben nicht der Schabbat wie zu Hause mit meiner Frau und den Kindern.

Sie werden insgesamt 50 Tage unterwegs sein. Was erhoffen Sie sich, aus dieser Zeit mitzunehmen?
Sehr viele Erfahrungen, sehr viel neues Wissen, das ich auch meinen Kollegen weitergeben möchte, damit sie wissen, wie so ein Einsatz vonstattengeht und was wir noch alles brauchen, um unsere Einsätze zu verbessern. Ich bin ja der Erste, für mich ist bislang noch alles neu.

Mit dem Militärrabbiner sprach Katrin Richter.

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