Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Ein Polizist vor dem Colosseum (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Ein 22-jähriger jüdischer Tourist aus Frankreich ist im Zentrum Roms zweimal hintereinander angegriffen worden, weil er eine Kippa trug. Nun liegen mehr Informationen zu dem Fall vor. Die italienischen Behörden haben laut lokalen Zeitungsberichten einen 31-jährigen Algerier identifiziert und Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Nach weiteren mutmaßlich Beteiligten wird weiterhin gesucht.

Der junge Mann erstattete Anzeige bei der örtlichen Polizei. Seinen Angaben zufolge wurde er erstmals am 7. August gegen 20 Uhr auf der Piazza Benedetto Cairoli attackiert. Einer der Männer soll ihm dabei Reizspray ins Gesicht gesprüht haben.

Am folgenden Abend kam es zu einem weiteren Vorfall. Gegen 20.15 Uhr wurde der Tourist nach eigenen Angaben am Largo di Torre Argentina von einer Gruppe von vier Personen angegriffen. Mehrere Täter sollen ihn getreten haben. Unter ihnen erkannte das Opfer den bereits identifizierten 31-Jährigen wieder.

»Jagd auf Juden«

In beiden Fällen sollen die Angreifer den Slogan »Free Palestine« gerufen haben. Die Ermittler der Carabinieri verdächtigen den Algerier, gemeinsam mit weiteren bislang nicht identifizierten Personen, an beiden Angriffen beteiligt gewesen zu sein.

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Die Staatsanwaltschaft in Rom ermittelt gegen den Mann wegen Körperverletzung sowie wegen Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus Gründen rassistischer, ethnischer und religiöser Diskriminierung. Der 31-Jährige hat nach Angaben der Behörden keinen festen Wohnsitz und ist bereits vorbestraft. Die Carabinieri versuchen nun insbesondere, die Identität der drei weiteren mutmaßlichen Angreifer zu klären.

Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Rom, Victor Fadlun, zeigte sich angesichts des Vorfalls alarmiert. »Auch auf den Straßen Roms ist leider die Jagd auf Menschen, die Jagd auf Juden angekommen«, erklärte er. Er hoffe, dass die italienische Gesellschaft nicht zunehmend gleichgültig gegenüber solchen Entwicklungen werde.

»Sehr schwerer Vorfall«

Auch Livia Ottolenghi, Präsidentin des Verbands der Jüdischen Gemeinden Italiens (Ucei), reagierte auf den Angriff. »Im Namen der Ucei drücke ich dem jungen jüdischen Touristen, der in den vergangenen Tagen in Rom angegriffen wurde, weil er eine Kippa trug, meine Solidarität und Verbundenheit aus«, schrieb sie auf X.

Es handle sich um einen »sehr schweren Vorfall«, der erneut zeige, wie weit Antisemitismus inzwischen verbreitet sei. Hassrede könne in Gewalt gegen Menschen umschlagen, warnte Ottolenghi. Zugleich dankte sie den Sicherheitskräften für ihr schnelles Eingreifen und forderte wirksame Instrumente zur Vorbeugung und Bekämpfung von Antisemitismus.

Ottolenghi verwies zudem auf einen Gesetzentwurf, der derzeit im italienischen Parlament beraten wird. Dieser sei notwendig, um Antisemitismus als Problem klar anzuerkennen und entschlossen dagegen vorzugehen. im

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