Meinung

Italien zwischen rechts und populistisch

Wie würde es Ihnen gefallen, wenn der Bundeskanzler überhaupt keine Erfahrung hätte? Nicht nur keine politische, sondern gar keine Erfahrung, weil er noch nie gearbeitet hat. So einer ist Luigi Di Maio, der 31-jährige Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung (MoVimento Cinque Stelle, M5S), die am Sonntag mit über 32 Prozent der Stimmen stärkste Einzelpartei Italiens wurde. Die Populisten können als einzige eine Beleidigung im Namen vorweisen: Der großgeschriebene Buchstabe »V« steht für »Vaffanculo!«, italienisch für »Fickt euch!«.

Im Vergleich zu diesem M5S-Personal konnte sogar ein Silvio Berlusconi als Elder Statesman erscheinen. Abgesehen davon, dass der Cavaliere ein aufrichtiger Freund Israels und der Juden ist, während viele M5S-Anhänger Israel für einen Apartheidstaat halten, den IS für eine bloß missverstandene politische Kraft im Nahen Osten und das Impfwesen für eine Erfindung der Pharmalobby.

Und Virginia Raggi, Roms M5S-Bürgermeisterin, ist das erste Stadtoberhaupt, das nicht an der jährlichen Feier zum Gedenken an das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen von 1944 teilgenommen hat.

antisystempartei Noch nie zuvor in der europäischen Politik ist es einer Antisystempartei gelungen, eine landesweite Parlamentswahl zu gewinnen. Zugleich hat fast kein europäisches Land in den vergangenen zehn Jahren ähnliche wirtschaftliche Probleme durchgemacht wie Italien. Viele Wähler der M5S-Bewegung sind ob der Situation müde. Anders ist es kaum zu erklären, warum so viele Italiener für einen wie Di Maio votiert haben.

Aber das ist noch nicht alles. Während die Mitte-links angesiedelte Demokratische Partei miserable 18 Prozent erreichte, konnte Berlusconis Partei Forza Italia nur den zweiten Platz innerhalb des Mitte-Rechts-Bündnisses, das die Wahl mit über 35 Prozent gewann, belegen. Nummer eins dort wurde die ausländerfeindliche Lega, die sich selbst übrigens pro-israelisch nennt. Zwar hat die Lega – anders etwa als die deutsche AfD – schon Regierungserfahrung, aber ihre Sprache ist oft rassistisch und beleidigend.

Alleine kann derzeit keine Partei und auch kein Bündnis regieren. Nun muss Staatspräsident Sergio Mattarella zwischen den Chefs zweier sehr unkorrekter Parteien entscheiden, wer künftiger italienischer Ministerpräsident wird.

Der Autor ist italienischer Journalist in Berlin.

Berlin

»Wenn Alice Weidel Kanzlerin wird, bin ich weg!« 

Der Kabarettist Dieter Nuhr sagt, er halte es für einen Fehler, die AfD politisch konsequent auszuschließen. Die Dämonisierung der Partei habe ihr eher genützt

 10.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Krieg

»Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!«

Der US-Präsident sieht die iranischen Streitkräfte am Boden und droht dem Land einmal mehr. Teheran habe die Chance für einen Deal verpasst

 10.06.2026

München

Anklage nach Angriff auf israelisches Konsulat

Ein 24-Jähriger wirft Steine auf die Einrichtung und löst mit einem verdächtigen Rucksack einen größeren Polizeieinsatz aus. Weshalb ihn Ermittler vor Gericht sehen wollen

 10.06.2026

Brandenburg

Goebbels-Villa könnte Zentrum gegen Extremismus werden

Das alte Haus nördlich von Berlin verfällt seit Jahren. Jetztsoll daraus ein Ort gegen Antisemitismus werden

 10.06.2026

Meinung

So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026