Handelswege

Israels Angst vor einem Boykott

Die »ZIM Asia« aus Haifa verlässt den Frachthafen von Shanghai Foto: dpa

In Israels Schifffahrt geht die Angst um. Es ist die Angst vor einem Boykott. Wenn sich die UN mit Ausrufung eines palästinensischen Staates beschäftigten, könnte es weltweit zu Sanktionen gegen israelische Schiffe kommen. Das zumindest befürchtet man bei dem Schifffahrtsunternehmen ZIM. Für die in Haifa ansässige ZIM sind rund 100 Transportschiffe unterwegs, die mit 600.000 Containern weltweit 180 Häfen anlaufen. ZIM gehört zu den zehn größten Schifffahrtunternehmen, mit regionalen Zentralen in Hamburg, Hongkong und Norfolk.

Ihre Angst vor einem Boykott begründen die ZIM-Manager mit der Erfahrung der vergangenen Monate. Nachdem vor einem Jahr israelische Sicherheitskräfte die Flotte, die nach Gaza unterwegs war, geentert hatten, war es zu spontanen Protesten gekommen. Das führte bei etlichen israelischen Schiffen dazu, dass sie Probleme beim Löschen ihrer Ladung bekamen. Spontane Solidarisierungsaktionen von Hafenarbeitern mit der sogenannten Gaza-Hilfsflotte waren keine Seltenheit.

Frachter Als Antwort auf den Aufruf der »Palestinian Workers Union« beschloss zum Beispiel die Gewerkschaft norwegischer Hafenarbeiter vor einem Jahr, israelische Schiffe zu boykottieren, so wie es zuvor die schwedischen Kollegen getan hatten. Im amerikanischen Oakland verzögerten Hunderte von Palästina-Sympathisanten das Entladen eines ZIM-Schiffs, indem sie sich an dem Dock versammelten, an dem das Schiff anlegen sollte.

Gleichfalls in Kalifornien, in San Francisco, wurde das Löschen eines Frachters des Schifffahrtsunternehmens um 24 Stunden verzögert, in Indien weigerten sich Hafenarbeiter, sich mit ZIM-Containern abzugeben. Den Sanktionen schlossen sich auch türkische Hafenarbeiter an, ebenso die Kollegen in Südafrika.

Idan Ofer, der zur Besitzerfamilie von ZIM gehört, setzt sich schon seit Monaten für ein besseres Verhältnis zu den Palästinensern ein. Er pflegt enge Kontakte zu palästinensischen Geschäftsleuten und Politikern. Damit will er nicht nur verhindern, dass es wieder Probleme mit seinen und anderen israelischen Schiffen gibt.

Ofer verbindet damit auch die politische Hoffnung, das Gespräch zwischen den Regierungen in Jerusalem und Ramallah wieder in Gang zu bringen. Wenn das nicht gelingt, befürchtet er, könnte Israel so stark isoliert werden wie einst das Apartheidregime in Südafrika.

Pikant ist, dass die Eigentümer von ZIM, die Brüder Yuli und Sammy Ofer – beide jüngst verstorben – im Sommer in die Kritik gerieten: Sie sollen am 8,65-Millionen-Dollar-Verkauf eines Schiffes an den Iran beteiligt gewesen sein. Auch durch den Transport iranischen Rohöls sollen die internationalen Sanktionen umgangen worden sein, hieß es im US-Außenministerium.

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Berlin

Bundesrat für Verbot von Handel mit Dokumenten von NS-Opfern

»Wir dulden es nicht länger, dass aus dem Leid der NS-Opfer Profit geschlagen wird«, sagt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)

 12.06.2026

Ankara

Erdoğan vergleicht Netanjahu erneut mit Hitler

»Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird«, erklärt der türkische Präsident in Richtung des israelischen Regierungschefs

 12.06.2026

Debatte

Mario Voigt nutzte KI für Reden zum Holocaust-Gedenken

Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?

 12.06.2026

Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

»Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative aber zugleich in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind«, sagt Deborah Schnabel

 12.06.2026

Brüssel

Kallas vergleicht Israel mit Apartheids-Südafrika

Die EU-Außenbeauftragte wird für ihre Aussage von anderen EU-Diplomaten und -Beamten scharf kritisiert

 12.06.2026

Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

Sam Altmans OpenAI will den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic der Geschwister Daniela und Dario Amodei auf Distanz halten

 12.06.2026