Nahost

Iran: Einigung bei Atomverhandlungen in Wien möglich

Die Mullahs bedrohen den jüdischen Staat immer wieder und kündigen die Auslöschung Israels sowie die »Befreiung Jerusalems von den Zionisten« an. Foto: dpa

Bei den neuen Verhandlungen in Wien über das iranische Atomprogramm hält der Iran eine Einigung für möglich. »Wir haben heute die Ergebnisse der Expertenrunden überprüft. Und es scheint, dass eine neue Einigung erzielt werden könnte«, sagte Vizeminister Abbas Araghchi den iranischen Medien in Wien am Samstagabend. 

Der Iran hat laut Araghchi einen Fahrplan entworfen, auf dessen Basis eine Rückkehr des Iran zu technischen Verpflichtungen im Atomabkommen sowie zur Aufhebung der US-Sanktionen ermöglicht werden könnte. Bis dahin sei es zwar noch weit hin, da es weiter Differenzen mit den USA gebe, aber die Verhandlungspartner seien auf dem richtigen Weg.

Die USA sprechen von einer Provokation des Iran.

Das 2015 geschlossene Wiener Abkommen sollte den Iran an einer Atomrüstung hindern, ohne ihm die zivile Nutzung der Kernkraft zu verwehren. Im Gegenzug sollten Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Der Hintergrund: Die Mullahs bedrohen den jüdischen Staat immer wieder und kündigen die Auslöschung Israels sowie die »Befreiung Jerusalems von den Zionisten« an.

In der Nacht zum Freitag hat der Iran unterdessen nach Angaben von Atomchef Ali Akbar Salehi erstmals sein Uran auf bis zu 60 Prozent angereichert. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte am Samstagabend nach einer Inspektion der Atomanlage Natans, dass der Produktionsprozess dort begonnen hat.

Aus EU-Sicht gibt es für das Handeln keine glaubwürdige Erklärung oder nichtmilitärische Rechtfertigung.

Der genaue Anreicherungsgrad werde noch analysiert, sagte ein IAEA-Sprecher in Wien. Erlaubt sind laut Atomabkommen nur 3,67 Prozent. Präsident Hassan Ruhani zufolge könnte der Iran sein Uran nun auch auf 90 Prozent anreichern und damit atomwaffentauglich machen, wolle dies aber - angeblich - nicht tun.

US-Präsident Joe Biden nannte den Vorstoß aus Teheran keineswegs hilfreich. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sprach von einer Provokation, die an der Ernsthaftigkeit Teherans bezüglich neuer Atomverhandlungen zweifeln lasse. Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sagte, aus EU-Sicht gebe es für das Handeln keine glaubwürdige Erklärung oder nichtmilitärische Rechtfertigung.

Mit einer Politik des maximalen Drucks wollte die damalige US-Regierung die Führung in Teheran zwingen, ein Abkommen mit härteren Auflagen zu verhandeln.

Der russische Diplomat Michail Uljanow schrieb am Nachmittag bei Facebook, das Treffen in Wien sei vorerst beendet. »Die Teilnehmer zeigten sich entschlossen, die Verhandlungen fortzusetzen, um den Prozess so schnell wie möglich erfolgreich abzuschließen.« Die bisher erzielten Fortschritte seien »zur Kenntnis« genommen worden. Einzelheiten nannte er nicht. Russland ist einer der Befürworter der Gespräche.

Seit letzter Woche wird in Wien über die Rettung des Atomabkommens von 2015 verhandelt. Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China versuchen, sowohl die USA als auch den Iran von einer Rückkehr zum Atomdeal und dessen vertragsgerechter Umsetzung zu überzeugen. Die USA stiegen 2018 aus dem Abkommen aus, und ein Jahr später hat dann auch der Iran gegen fast alle technischen Vorgaben in dem Deal verstoßen.

Mit einer höheren Urananreicherung will der Iran den Druck auf die sechs Unterzeichnerstaaten des Wiener Atomabkommens erhöhen, damit die US-Sanktionen zurückgenommen werden. Außerdem ist die Maßnahme laut Präsident Ruhani eine Reaktion auf einen Sabotageangriff auf die Atomanlage Natans vom vergangenen Sonntag. Für den Sabotageakt machte er Israel verantwortlich. Die israelische Regierung äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Seit letzter Woche wird in Wien über die Rettung des Atomabkommens von 2015 verhandelt.

US-Präsident Donald Trump hatte im Mai 2018 einseitig das Atomabkommen verlassen. Trump argumentierte, dass der Deal dem Iran nicht den Weg zu einer Atomwaffe versperre und keinen ungehinderten Zugang für Inspektoren zu bestimmten Militärkomplexen erlaube.

Mit einer Politik des maximalen Drucks wollte die damalige US-Regierung die Führung in Teheran zwingen, ein Abkommen mit härteren Auflagen zu verhandeln. Trumps Nachfolger Joe Biden sucht jetzt nach einem Weg zurück zu den Vereinbarungen. Das Zeitfenster ist relativ klein, weil im Juni im Iran eine Präsidentenwahl ansteht. dpa/ja

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

Berlin

Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen bis Januar

Linke, Grüne und SPD wollen erst im nächsten Jahr einen Koalitionsvertrag vorlegen. Und dann folgt noch ein Zwischenschritt

 04.11.2026

Koalitionsverhandlungen

Klingbeil fordert Linke auf, antisemitische Politiker rauszuwerfen

Bisher hat sich der SPD-Chef zurückgehalten, was die Berliner Koalitionsverhandlungen angeht. Jetzt macht er klar, was er von der Linken erwartet

 04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

Midterm-Wahlen

Iran erfreut über Trumps Wahlniederlage

Nach der Wahlniederlage der Republikaner in den USA meldet sich die iranische Spitze. Auch vom obersten Führer Modschtaba Chamenei werden Worte veröffentlicht

 04.11.2026

Meinung

Her mit den Inhalten!

Ayala Goldmann freut sich über die Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt und ist gespannt auf das Programm

von Ayala Goldmann  04.11.2026

Sachsen-Anhalt

Linke überlegt, Gegenkandidatin gegen Ulrich Siegmund aufstellen

Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will im Dezember Ministerpräsident werden, doch ihm fehlen drei Stimmen für eine Mehrheit. Die Linke prüft, ob sie eine eigene Kandidatin ins Rennen schickt.

 04.11.2026