Gaza-Flotte

In schwerer See

Israelische Soldaten übernehmen eines der Schiffe der »Gaza-Flotte« Foto: Flash 90

Es war ohne Zweifel eine völlig missglückte Aktion. Das lässt sich schon feststellen, bevor eine Kommission herausfinden kann, was genau auf der »Mavi Marmara« in der Nacht zum 31. Mai geschehen ist: Wieso ein Sonderkommando der israelischen Marine so überrascht wurde von der gegen sie angewandten Gewalt, während sich die anderen Schiffe der »Gaza-Flotte« aufbringen ließen. Wie es zum Gebrauch scharfer Munition und zum Tod von neun Menschen kommen konnte. Warum sich das israelische Militär dafür entschied, die Schiffe zu betreten, anstatt sie durch eine Sperre an der Weiterfahrt zu hindern.

Menschenrechte Solche Fragen betreffen allein den militärischen Aspekt. Entscheidender sind die politischen Folgen. Selbstverständlich handelte es sich bei der Gaza-Flotte um eine Propaganda-Aktion, nein, nicht etwa zugunsten »der Palästinenser«, sondern zugunsten der in Gaza regierenden Hamas. Wäre es den Aktivisten allein um Hilfslieferungen für die Bevölkerung gegangen, so hätte man sich im Vorfeld darauf einigen können, die Ladung in der israelischen Hafenstadt Aschdod zu löschen und per Landweg nach Gaza zu bringen. Ginge es um Menschenrechtsverletzungen, dann hätte diese eigentümlichen Allianz von türkischen Islamisten, linken Abgeordneten des Europaparlaments und des Bundestages sowie selbst ernannten Gerechtigkeitsfanatikern nicht nur die Abriegelung Gazas beklagen müssen. Dann wäre auch ein Hinweis auf die Folterung von Regimegegnern, die zahlreichen Verhaftungen, die brutale Unterdrückung von Frauen durch die Hamas angebracht gewesen. Und viel mehr noch ein Hinweis auf die Tatsache, dass Hamas den Schlüssel zu ihrem »Freiluftgefängnis« selbst in der Hand hält: Sie muss Israel nicht anerkennen, nein. Aber sie könnte die Entscheidung treffen, ob sie lieber Arbeiter nach Israel schicken will oder weiterhin mit den übelsten Propagandamethoden schon Kinder zu späteren Selbstmordattentätern ausbildet.

Man könnte lange über diese Bigotterie lamentieren. Viel Zweck hat das allerdings nicht, denn den politischen Schaden trägt – durchaus auch zu Recht – Israel. Es hat durch eine schlecht ausgeführte Militäraktion seine ohnehin schon angekratzten Beziehungen zu Ankara weiter beschädigt. Selbstverständlich ist die Türkei unter Premier Erdogan ein schwieriger Partner – aber dennoch einer, auf den man nicht leichtfertig verzichten kann. Man braucht sie als Partner, oder wenigstens nicht als Gegner, in der iranischen Nuklearfrage. Als Vermittler im Nahen Osten. Und nicht zuletzt als Beweis dafür, dass ordentliche Beziehungen zwischen einem islamischen (ja sogar einem von einer islamistischen Partei regierten) Land und dem jüdischen Staat durchaus möglich sind. Dessen nicht genug, hat sich Israel auch in der Gazafrage selbst in Zugzwang gebracht.

Druck Natürlich hat Israel ein Recht darauf, sich gegen die Infiltrierung durch Selbstmordattentäter zu schützen. Und ja, wenn es um eine Abriegelungspolitik gegen die Hamas geht, so wird sie von Ägypten mindestens genauso strikt verfolgt wie von Israel. Dennoch muss eine israelische Regierung Kosten und Nutzen abwägen. Schwächt sie Hamas damit? Kommen die Palästinenser zur »Einsicht«, die von ihnen gewählte Regierung wieder los zu werden? Oder ist nicht genau das Gegenteil der Fall? Dass nämlich Hamas einen Teil der Palästinenser (und einen Großteil der internationalen Öffentlichkeit) davon überzeugt, gegen eine solche Abriegelung (die immerhin tatsächlich Tonnen von Hilfslieferungen von israelischer, nicht von ägyptischer Seite zulässt) könne eben nur Gewalt helfen. Und dass Widerstand zwecklos ist, weil Hamas Andersdenkende unter brutalen Druck setzt. Durch eigenes Zutun verliert Israel den politisch nicht unerheblichen Kampf ums Image mit Pauken und Trompeten. Nicht Hamas gilt als unterdrückerisch, sondern Israel, das »den Palästinensern« die Luft abschnürt. Auch da hilft kein Hinweis, dass sich in der Westbank, die Israel ganz im Gegensatz zu Gaza nicht geräumt hat, eine gegenteilige Entwicklung abzeichnet: ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung. Und eine palästinensische Politik unter Premier Salam Fajad, die auf Widerstand gegen die Besatzung durch zivile Mittel setzt und damit eher Erfolge für die Errichtung eines eigenen Staates erzielen könnte als der »militärische Widerstand« durch die Hamas.

Es darf wohl als ausgemacht gelten, dass sich die Beteiligten an der Gaza-Flotte kaum die Frage stellen werden, welche zweifelhaften politischen Bündnisse hier eingegangen werden, und ob eine solch bigotte Propagandaaktion wirklich etwas mit der Moral zu tun hat, die sie für sich beanspruchen. Sei’s drum. Wesentlich wichtiger ist allerdings, ob die israelische Regierung sich ernsthaft die Frage stellt, wie viel politische Dummheit sie sich noch erlauben will. Erst führt sie US-Vizepräsident Biden mit der Ankündigung vor, neue Siedlungen bauen zu wollen. Dann brüskiert sie in aller Öffentlichkeit den türkischen Botschafter. Und jetzt die Kommandoaktion. Das alles schadet dem Land.

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026

Mehrere Männer bei einer Pressekonferenz der Polizei in Frankfurt, einer spricht in ein Mikrofon

Nach Eskalation

Einsatzleiter: Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Der Einsatzleiter der Polizei berichtet von einer »neuen Dimension der Gewalt«: Aus dem Pro-Palästina-Spektrum heraus sei es zu »immer massiveren Störungen und Angriffen auf Polizeikräfte« gekommen

 01.11.2026

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026

Überwachungskameras an der Fassade der Synagoge in Hagen, links ein Davidstern

Antisemitismus

Judenfeindliche Straftaten mit islamistischem Motiv auf Rekordniveau

Seit 2023 steigen die Zahlen rasant an. Behörden in Deutschland registrieren immer mehr antisemitische Straftaten. Viele haben einen islamistischen Hintergrund

 01.11.2026

Vanessa Emde zwischen Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Linke-Parteitag in Berlin

Regierungsbildung in Berlin

Linker Protest gegen Linke-Führung – Abgeordnete Emde dabei

Vanessa Emde steht wegen ihrer israelfeindlichen Positionen in der Kritik und könnte aus der Berliner Linksfraktion ausgeschlossen werden. Nun taucht sie auf einer Kundgebung am Parteitagsort auf

 01.11.2026

Als Batman verkleidete Person vor brennender Mülltonne in Frankfurt

Gewalt eskaliert

Krawalle und Plünderungen in Frankfurt

Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demonstration junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil – in der Menge waren auch »Viva Palästina«-Rufe zu hören

 01.11.2026