Synagogenbesuche

»Im Zweifel zu Hause bleiben«

Rabbiner Jonah Sievers Foto: Gregor Zielke

Synagogenbesuche

»Im Zweifel zu Hause bleiben«

Rabbiner Jonah Sievers über Erfahrungen und Empfehlungen angesichts steigender Infektionszahlen

von Katharina 
schmidt-Hirschfelder  20.10.2020 14:57 Uhr

Herr Rabbiner, die Infektionszahlen steigen rasant. Menschenansammlungen stellen dabei ein besonderes Risiko dar. Gilt das auch für Gottesdienste – und hat der Schutz der Gesundheit Vorrang vor dem gemeinsamem Gebet?
Natürlich gilt das auch für das gemeinsame Gebet, aus diesem Grund finden ja die Gottesdienste in den Berliner Gemeindesynagogen unter besonderen Bedingungen statt, die sich an den Verordnungen des Landes Berlin orientieren. Es ist keine Frage, dass Lebensrettung vor dem gemeinsamem Gebet steht. Selbst zweifelhafte Lebensgefahr ist hierfür ausreichend.

Aha-Regeln, Hygienekonzepte, Abstand in den Sitzreihen. Werden die Maßnahmen noch so eingehalten wie am Anfang?
Meine Erfahrung bezogen auf die Synagoge Pestalozzistraße ist, dass wir alle an einem Strang gezogen haben, sodass gemeinsames Gebet unter Coronabedingugen möglich war und ist. Viele religiöse Organisation und Verbände haben ihren Mitgliedern Vorschläge gemacht, wie Gottesdienste gemäß der unterschiedlichen halachischen Auffassungen korrekt durchgeführt werden können. Daran haben wir uns auch orientiert. Soweit ich das übersehen kann, haben alle Synagogen das Möglichste getan, um religiöses Leben in den Synagogen verantwortlich zu gewährleisten.

Wie sieht das praktisch aus: Werden Beter zum Beispiel zur Tora aufgerufen?
Es gibt Alijot, aber die Bracha wird im großen Abstand oder vom Platz aus gesagt. Obendrein haben wir für die Synagoge Pestalozzistraße die maximale Teilnehmerzahl von uns aus gesenkt. Dafür sind wir auch außerhalb von Gottesdiensten für die Menschen da, etwa durch Vorträge oder Hilfe für Betroffene, zum Beispiel den »Mitzwa-Express« unserer Synagoge. Wir haben zudem das Glück, dass die Synagoge recht groß ist und Chor, Kantor und Gemeinde große Abständen voneinander haben. Ich trage die meiste Zeit auch eine Maske.

Was empfehlen Sie Ihren Betern?
Ich empfehle ihnen, eher vorsichtiger zu sein, und im Zweifel zu Hause zu bleiben. Wir streamen ja praktisch jeden Gottesdienst, sodass man ihn auch von zuhause aus verfolgen kann. In keinem Fall kann man dies mit der Präsenz in einem Gottesdienst vergleichen; es ist aber besser als gar kein Gottesdienst. Auf diese Weise können wir auch in Zukunft den Menschen, die nicht kommen können, eine Anbindung an das religiöse Leben der Synagoge ermöglichen.

Apropos Zukunft: Wie stehen Sie zu einer Impfpflicht?
Sobald es eine wirksame Impfung gibt, halte ich es für halachisch geboten, diese auch zu nutzen. Meines Erachtens übersteigt der gesamtgesellschaftliche Nutzen einer Impfung jeden möglichen Nachteil um ein Vielfaches und rettet – im Fall von COVID-19 – Leben.

Mit dem Gemeinderabbiner und Leiter der Kultusabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sprach Katharina Schmidt-Hirschfelder.

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Karlsruhe

Mutmaßliche Unterstützer rechtsextremer Terrorgruppe angeklagt

Zwei Jugendliche stehen im Verdacht, die »Letzte Verteidigungswelle« unterstützt und einen Anschlag auf eine Asylunterkunft versucht zu haben. Die Bundesanwaltschaft will sie in Jena vor Gericht sehen

 01.09.2026

Helsinki/Genf

Finnland beendet UNRWA-Finanzierung

Die Regierung in Helsinki will die Hilfsgelder für die palästinensischen Gebiete nicht streichen, sondern künftig über Organisationen weiterleiten, die nicht von der Hamas unterwandert sind

 01.09.2026

Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, spricht bei dem Wahlkampfauftritt in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), 28. August

Berlin/Heidelberg

Verdacht der Volksverhetzung: Dachorganisation der Sinti und Roma zeigt Tino Chrupalla an

Es geht um eine Äußerung des AfD-Chefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern

 01.09.2026

Madrid

Ceuta-Ansturm: Spanien erhebt Vorwürfe in Richtung Moskau und Jerusalem

Der spanische Regierungschef beschuldigt Netzwerke mit »Verbindungen zu Russland und Israel«, mit Falschmeldungen den Massenandrang auf die Nordafrika-Exklave angeheizt zu haben

 01.09.2026

New York

Met-Gala: Ausstellung mit umstrittenem Designer Galliano abgesagt

Das Event sollte eine Ausstellung zu Ehren des Designers eröffnen. Doch nach der Ankündigung hagelte es wegen des jüngsten Antisemitismus-Vorfalls Kritik

 01.09.2026

Berlin

Grünen-Politiker antisemitisch beschimpft und angegriffen

Daniel Eliasson sagt, der Täter habe versucht, ihn ins Gesicht zu boxen und ihn als »scheiß Juden« beschimpft

 01.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Neuer Antisemitismus-Eklat setzt Linke unter Druck, Zentralrat übt scharfe Kritik

Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Angeordnetenhaus sorgt der jüngste Skandal nun auch bei den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen für Unruhe

 01.09.2026

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 31.08.2026